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ZÜRICH/ Opernhaus: LA CLEMENZA DI TITO von W.A.Mozart. So muss Mozart klingen! Premiere

am 26.4. (Jan Krobot)

27.04.2026 | Oper international

Wolfgang Amadeus Mozart: La clemenza di Tito • Opernhaus Zürich • Premiere: 26.04.2026

So muss Mozart klingen!

Mit Mozarts letzter Oper «La clemenza di Tito» gelingt dem Opernhaus Zürich eine im Ganzen überzeugende Premiere. Die Inszenierung von Damiano Michieletto lässt genügend Raum, um ungestört die Charaktere beobachten zu können.

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Foto © Toni Suter

Damiano Michieletto (Inszenierung) holt «La clemenza di Tito» aus der vom Libretto vorgegebenen Antike in eine nicht näher bestimmte «Gegenwart». Paolo Fantin (Bühnenbild) hat dazu auf der Drehbühne eine «Machtzentrale» in Braun-Gelb entworfen, die mit dem Charme ihrer Billigst-Holzfurniere und der Ausstattung (Revox-Bänder und Ähnliches) an das Bundeskanzleramt der Bonner Republik erinnern. Die «Beliebigkeit» (Austauschbarkeit, denn das Ganze würde mit einer wirklichen Gegenwart genauso funktionieren) des Bühnenbilds hat den grossen Vorteil, dass Michieletto sich voll auf die Personenführung konzentrieren kann und die Wahrnehmung derselben nicht szenisch beeinträchtigt ist (der unmotiviert auftauchende «Rauch», Trockeneis scheint gerade günstig zu sein, stört dabei nicht weiter). Klaus Bruns hat dezente, stilistisch passende Kostüme entworfen. (Gegen eine Verortung der Inszenierung in der wirklichen Gegenwart spricht auch, dass wer hier einen Anzug trägt, auch eine Krawatte trägt). Die Lichtgestaltung hat Alessandro Carletti besorgt. Michielettos Personenführung überzeugt mit ihrer akribischen Darstellung der verschiedenen Charaktere und Details, die zum Weiterdenken anregen. So installiert hier Publio zu Beginn (während der inszenierten Ouverture) «Installationen» mit roten Leuchten an versteckten Orten (zum Beispiel unter einem Doppelsessel) aus. Es bleibt offen, ob das Mikrofone oder doch Sprengsätze sind. Sprengen hier die eigenen Leute das System? Da sich der Wunsch in der Gegenwart (wenn man den Gedanken so weiterführen will), wohl kaum erfüllen wird, passt die «zurückliegende» Gegenwart wieder. Da Tito die «Versöhnung» nur mit letzter Kraft schafft und sich dann suizidiert, scheint Michieletto dem doch arg utopischen Appell des Stücks («Seid milde, gütig und grosszügig zueinander!») eher skeptisch gegenüberzustehen.

Nach den grandiosen Leistungen im Rahmen des Festivals «Zürich Barock» triumphiert das Orchestra La Scintilla nun mit Mozart. Marc Minkowski, nach langen Jahren endlich wieder am Opernhaus, dirigiert lebendig, differenziert, mit gut gesetzten Akzenten und mustergültigen Lautstärken. La Scintilla überzeugt in allen Registern: herrlich farbige Streicher, majestätisches, immer sauber intonierendes Blech und samtiges Holz. Einfühlsam virtuos spielt Robert Pickup das Bassetthorn. Mit grosser Musikalität begleitet Enrico Maria Cacciari am Cembalo.

Ernst Raffelsberger, seit 1993 hoch geschätzter Chordirektor am Haus, hat auch in seiner letzten Premiere perfekte Arbeit geleistet. Nach inzwischen etwa 150 Premieren und unzähligen Wiederaufnahmen wird er zum Sommer in den Ruhestand gehen. Der Chor der Oper Zürich dankt ihm für die langjährige Zusammenarbeit mit einem Auftritt mit wunderbar kompaktem, harmonischem Wohlklang und überzeugenden Piani.

Pene Pati gibt den Tito Vespasiano mit samtenem Tenor und guter Bühnenpräsenz. Margaux Poguet (an Stelle von Jeanine De Bique) kann Vitellia mit ihrem intensiven Spiel punkten. In der unteren und mittleren Lage ist die Stimme gut geführt. Die Höhen geraten allerdings, weil eher zu laut gesungen, schnell scharf und spitz. Lea Desandre steht als Sesto in der Gunst des Publikums, zu Recht, einsam an der Spitze. Die Stimme sitzt perfekt, kann frei strömen und glänzt mit wunderbaren Farben. Überragend ist ihre Bühnenpräsenz in der Darstellung der bis zur Willenslosigkeit führenden Abhängigkeit Sestos von Vitellia. Yewon Han, am Abend zuvor noch als Fiakermilli im Einsatz, als Servilia und Siena Licht Miller als Annio überzeugen mit tadellos luftig-locker geführten Stimmen und guter Bühnenpräsenz. Andrew Moore gibt den Publio mit herrlich kernigem Bassbariton.

So muss Mozart klingen!

Weitere Aufführungen: Mi. 29. April 2026, 19.00; So. 03. Mai 2026, 20.00; Fr. 08. Mai 2026, 18.00;

Fr. 15. Mai 2026, 19.00; So. 17. Mai 2026, 20.00; Mi. 20. Mai 2026, 20.00; Mo. 25. Mai 2026, 19.00.

27.04.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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