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ZÜRICH/ Opernhaus: LA CLEMENZA DI TITO von W.A.Mozart. Mozart «von einem anderen Stern»

22.05.2026 | Oper international

Wolfgang Amadeus Mozart: La clemenza di Tito • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 17.05.2026 abends und 20.05.2026

(6. und 7. Vorstellung • Premiere am 26.04.2026)

Mozart «von einem anderen Stern»

Der Zürcher «Tito» bietet weiterhin – szenisch wie musikalisch – Mozart «von einem anderen Stern». Die Produktion, ein Juwel im Zürcher Repertoire, ist geprägt von der sorgfältigen Inszenierung von Damiano Michieletto und der Interpretation des Sesto durch Lea Desandre.

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Foto © Toni Suter

Die Inszenierung von Damiano Michieletto verortet Mozarts letzte Oper, losgelöst von allen philosophischen und ästhetischen Diskursen ihrer Entstehungszeit, in einer für alle nachvollziehbaren Gegenwart und zeigt die Protagonisten im Strudel ihrer Gefühle. Den Zweifel daran, ob diese emotionalen Verwicklungen und vor allem deren Folgen «einfach» mit Güte und Verzeihen zu bewältigen sind, kleidet Michieletto in die Ermordung Titos durch Publio, der ihm das eigentlich zur Exekution Sestos bestimmte Gift ins Getränk mischt.

Musiziert wird schlicht grossartig. Das Orchestra La Scintilla besticht mit einem unvorstellbaren Farbenreichtum, tiefen Emotionen und nicht enden wollender Leidenschaft. Jeder Einzelne lässt sein Instrument, von Marc Minkowski (musikalische Leitung) animiert, in den schönsten Tönen singen (Solo-Klarinette/Bassethorn Robert Pickup). Der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger) zeigt sich ebenfalls in Bestform.

Pene Pati gibt den Tito Vespasiano mit perfekt fokussiertem, klarem, kräftigem Tenor, der einfach das gewisse Etwas hat, das es für die Partien seines Fachs (in den da Ponte-Opern) braucht. Margaux Poguet überzeugt als Vitellia mit ideal dosierter Dramatik, reichen Farben und enormen Stimmumfang. Die «mille affetti» («Tausend Gefühle») im Duett der Eingangsszene wie auch die Selbsterkenntnis am Schluss der Oper («Ecco il punto»/«Der Augenblick ist da») kann man glaubwürdiger nicht vermitteln. Der Sesto von Lea Desandre ist ein Klasse für sich. Durch ihre überragende Bühnenpräsenz vermittelt sich bereits in der ersten Szene in der Konfrontation mit Vitellia die ganze Geschichte. Kaum hat sie die Bühne betreten, empfindet man Mitleid für sie, die, wie man das so sagt, wie ein begossener Pudel dasteht, und kann ihren quälenden Zwiespalt sofort nachvollziehen. In «Parto, ma tu ben mio» («Ich gehe, aber Du, meine Liebste») läuft Desandre zu überragender Form auf. Ihre innige Gestaltung des Abschieds von Vitellia rührt zu Tränen. Die souveräne Beherrschung der Stimme ist einfach bewundernswert. Mit klarem, sauberen Sopran gibt Yewon Han eine überzeugende Servilia und Siena Licht Miller überzeugt mit sauber geführtem Mezzosopran als Annio. Mit kernigem, agilem Bassbariton lässt Andrew Moore die Gefährlichkeit des Publio, seine Machtambitionen, die Tito schliesslich das Leben kosten, unschwer erkennen.

Mozart «von einem anderen Stern»!

Weitere Aufführung Saison 2025/2026: Mo. 25. Mai 2026, 19.00.

Weitere Aufführungen mit anderer Besetzung in der Saison 2026/2027:
So. 07, März 2027, 20.00; Mi. 10. März 2027, 19.00; Fr. 12. März 2027, 19.30;
Di. 16. März 2027, 19.00; Do. 18. März 2027, 19.00; So. 21. März 2027, 19.30.

 

23.05.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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