Giacomo Puccini: La bohème • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 14.12.2022
(3. Vorstellung • Wiederaufnahme: 09.12.2022 • Premiere am 01.11.2015)
Ein Künstlerquartett im Kulturhaus
Nach den Verdi-Festtagen im Herbst sind am Opernhaus Zürich nun zwei Hauptwerke Puccinis («La bohème» und «Tosca» zu erleben, bevor die Premiere der «Turandot» im Sommer die Saison abschliesst.

Foto © Toni Suter
Ole Anders Tandberg (Inszenierung) arbeitet seinen persönlichen Bezug zum Stück heraus, indem er die Oper in den 1970er-Jahren in einem norwegischen Kulturhaus spielen lässt. Er, aber auch sein Bühnenbildner Erlend Birkeland, träumten davon nach Paris zu gehen und grosse Künstler zu werden. Birkeland hat Tandberg dazu den Innenraum eines norwegischen Kulturhaus, dessen beste Tage schon längst vorbei sind, auf die Bühne gestellt. Die vier Künstler, Rodolfo als Autor, Marcello als Bühnenbildner, Schaunard als Musiker und Colline als Dramaturg, versuchen ihr Theaterstück zur Aufführung zu bringen. Das zweite Bild (und der Anfang des Dritten) sind der inszenierte Traum vom Künstlerleben in Paris. Rodolfo ist mit der Aufführung nicht zufrieden, und so kommt es zum Streit. Die künstlerischen Ambitionen scheitern und im vierten Bild dann auch die persönlichen. Die von Rodolfo völlig idealisierte Mimì wir ganz realistisch krank und stirbt. Die farbenfrohen Kostüme hat Maria Geber geschaffen, die Lichtgestaltung kommt von Franck Evin.
Kirill Karabits hat die Koordination zwischen Graben und Bühne im Griff, mehr aber auch nicht. Karabits setzt der Philharmonia Zürich keine Grenzen: sie spielt durchaus differenziert, aber letztlich viel zu laut. Und so setzen die Solisten ihre mehrheitlich grossen Stimmen (in Sachen Lautstärke) auch entsprechend grenzenlos ein. Die von Ernst Raffelsberger vorbereiteten Chöre (Chor der Oper Zürich, Zusatzchor des Opernhauses Zürich, SoprAlti der Oper Zürich und Kinderchor der Oper Zürich) haben kein Problem sich durchzusetzen.
Kang Wang gibt einen überaus «heldischen» Rodolfo. Der grosse Eindruck liegt ihm, die feinen Töne weniger. Konstantin Shushakov gibt einen Marcello, der hervorragend in diese Umgebung passt. Yannick Debus als Schaunard und Stanislav Vorobyov als Colline (Kompliment für die Mantel-Arie!) komplettieren das Künstler-Quartett. Olga Kulchynska als Mimì gestaltet einige berührende Momente, muss sich aber über weite Strecken in der Phon-Orgie behaupten, was die Stimme häufig scharf werden lässt. Rebeca Olvera hat als Musetta mit ihrer kleinen, aber feinen Stimme einen schweren Stand. Cheyne Davidson als Benoît, Valeriy Murga als Alcindoro und Tae-Jin Park als Parpignol.
Begeisterung bei den zahlreichen Schulklassen.
Weitere Aufführungen: So. 18. Dez. 2022, 14.00; Do. 22. Dez. 2022, 19.00; Mi. 28. Dez. 2022, 19.00.
14.12.2022, Jan Krobot/Zürich

