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ZÜRICH/ Opernhaus: IL TROVATORE. Ende der Verdi-Festwochen. Derniere

17.10.2022 | Oper international

Giuseppe Verdi: Il trovatore • Opernhaus Zürich • Derniere: 16.10.2022

(6. Vorstellung • Wiederaufnahme am 17.09.2022 • Premiere am 24.10.2021)

Ende der Verdi-Festwochen

Die, inoffiziellen, Verdi-Festwochen enden mit Derniere von «Il trovatore», die wie so oft die letzte Vorstellung einer Serie, die Beste war. Ein besonderes Lob verdient an diesem Abend die Philharmonia Zürich.

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Foto © Monika Rittershaus

Unter Leitung von Paolo Carignani bestreitet die Philharmonia Zürich den Abend hoch konzentriert und sichtbar motiviert. Carignani lässt die Philharmonia, die es ihm mit höchst differenziertem und sensiblen Spiel dankt, im Überfluss von Verdis Melodien schwelgen: in manchen Momenten geniesst er selbst mit geschlossenen Augen das Spiel. Und einmal mehr auch, zeigt er, welch formidabler Sängerbegleiter er ist. Nicht minder engagiert ist der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Janko Kastelic) am Werk. Man fürchtete fast, den Herren sei die Bühne zu klein. Zu einem besonderen Höhepunkt wurde die Chöre im vierten und siebten Bild.

Artur Ruciński gibt auch an diesem Abend wieder einen sehr guten Graf Luna. Pluspunkte seiner Interpretation sind der langem Atem, die perfekte Phrasierung und die Farben seiner Stimme. Im «Rausch der Vorstellung» nicht ganz gelungen, ist die Einteilung der Ressourcen: für den zweiten Teil von «Il balen del suo sorriso» hätte man sich doch etwas mehr Kraft gewünscht. Elena Moşuc als Leonora hat bereits mit ihrer Auftrittsszene das Publikum auf ihrer Seite: die volle, klare, perfekt geführte Stimme begeistert mit eindrucksvollen Tiefe und einer empathischen und sensiblen Interpretation. Yuilia Matochkina gibt eine sehr schlanke, «nordische» Azucena. Manche mögen das Quäntchen Carmen vermissen: der Interpretation kommt es zu Gute, denn alles andere, was zu einem «Vollblut-Mezzo» gehört ist reichlich vorhanden. Stefano La Colla hat als Manrico leider einen schlechten Abend erwischt. Unterhalb des Fortissimo klingt die Stimme eng, nasal und phasenweise unsauber. Im Fortissimo wird bewundernswerter Kraftanstrengung gebellt, was die Stimme hergibt. Die ganze Interpretation ist geprägt durch eine veristische Attitüde. So geht es mit der Stimme schnell bergab. Robert Pomakov gibt den Ferrando mit seinem balsamischen Bass und nie nachlassender Kraft. Bożena Bujnicka gibt die Ines mit ihrem vollen, kühlen Sopran und überdurchschnittlicher Bühnenpräsenz. Saveliy Adreev als Ruiz, Piotr Lempa als Un vecchio zingaro und Maximilian Lawrie als Un messo ergänzen das Ensemble.

Schön waren sie, die Verdi-Festwochen. Aber mit Offenbachs «Barkouf» steht der nächste Leckerbissen kurz bevor.

Keine weiteren Aufführung in dieser Saison.

17.10.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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