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ZÜRICH/Opernhaus: HIPPOLYTE ET ARICIE von Jean-Philippe Rameau. Premiere

Ein Fest für die Sinne

20.05.2019 | Oper

Bildergebnis für oper zürich hippolyte et aricie

Jean-Philippe Rameau: Hippolyte et Aricie, Opernhaus Zürich, Premiere am 19.05.2019 abends

Ein Fest für die Sinne

Der ähnlich gut passende Titel «Geballte Frauenpower» findet hier keine Verwendung, da der Online Merker ja mehr bieten will, als die geschätzten Kollegen der Tagespresse, denen, wenn ihnen das Wissen fehlt, nur noch die Erwähnung von Hauptfarbe (konzertante Sonnambula in Zürich) oder Geschlecht (der hier zur besprechende Hippolyte) bleibt.

Zum zwanzigjährigen Jubiläum der Zürcher Spezialformation «La Scintilla» (der Funke) wurde ein Werk des französischen Repertoires angesetzt: die Tragédie en musique in fünf Akten «Hippolyte et Aricie» von Jean-Philippe Rameau.


Foto: T + T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Ben Baur hat für die Inszenierung von Jetske Mijnssen ein hochästhetisches Bühnenbild geschaffen: einen Säulenhalbrund in klassizistischem Stil mit einem vorgeschobenen Halbrund, das dank der Drehbühne für die intimeren Szenen verwendet werden kann. Ausgangspunkt der Inszenierung von Mijnssen ist die Prophezeiung der Parzen am Ende des zweiten Akts: Théséee werde zwar der Hölle entfliehen, diese aber im eigenen Hause wiederfinden.


Foto: T + T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Diese Hölle zeigt sie gleich während der Einleitung, als es hoch zu und her geht, die Männer am Tisch sich auch durchaus handfest ihre Zuneigung zeigen, die ganze Szene kulminierend in der Ermordung von Thésées Freund Peritheus. Das Eingreifen der Parzen, hier dreier zeitgenössischer Vertreter der Kirche beendet die wilde Szenerie. Aricie, Tochter des athenischen Königs und Erzfeind des Thésée Pallas, lebt als Fremde im Hause des Thésée und muss diese Hölle am eigenen Leib miterleben. In diesem Rahmen läuft nun Geschichte der von der Dirigentin Emmanuelle Haïm für Zürich erstellten und im Libretto-Abdruck vorbildlich aufgeschlüsselten Fassung (Mischfassung: Fassung 1733 ergänzt mit Teilen der Fassungen von 1742 und 1757) ab. Haïm hat auch die phantastischen Divertissements Rameaus miteinbezogen (Choreographie: Kinsun Chan). Die prächtigen, geradezu kulinarischen Kostüme von Gideon Davey und die Lichtgestaltung von Franck Evin runden den hervorragenden Eindruck der Inszenierung aufs Beste ab.

Der Abend ist von einem musikalischen Eindruck geprägt, der dem Szenischen in Nichts nachsteht. Die offenbar äusserst fruchtbare Probenarbeit von Dirigentin, Orchester, Chor und Solisten ist in jedem Moment zu spüren. Emmanuelle Haïm dirigiert das traumhaft aufspielende Orchestra La Scintilla. Es ist die pure Freude zuzuhören und Rameaus im deutschen Sprachraum eher selten gespielte Musik zu entdecken.

Der von Janko Kostelic vorbereitete Chor der Oper Zürich wie die Riege der Solisten tragen das szenische wie musikalische Konzept bedingungslos mit.

Im Ensemble der Solisten sind fast ausschliesslich Muttersprachler versammelt, so dass fast jedes Wort zu verstehen ist. Cyrille Dubois und Melissa Petit geben das Titelpaar Hippolyte und Aricie und überzeugen auch durch ihr erfrischend jugendliches Spiel. Absolut überzeugend bewältigt Stéphanie Oustrac die Partie von Hippolytes Stiefmutter Phèdre. Phasenweise leicht angestrengt klingt Edwin Crossley-Mercer als Thésée. Whenwei Zhang gibt mit wohltönendem Bass Neptun und Pluto, Harmida Kristofferson ist Diana. Aurelia Legray ist Phèdres intrigante Vertraute Oenone, die drei Parzen sind bei Nicholas Scott, Spencer Lang und Alexander Kiechle in besten Kehlen. Das Ensemble ergänzen Gemma Ni Brihain (Une prêtresse de Diane/Une Matelote/Une Chasseresse), Piotr Lempa (Un Chasseur) und Davidson Hegglin Farias als Tänzer des Peritheus.

Absolute Empfehlung!

Weitere Aufführungen: 22.05.2019 um 19.00 Uhr, 24.05.2019 um 19.00 Uhr, 30.05.2019 um 13.00 Uhr, 02.06.2019 um 14.00 Uhr, 07.06.2019 um 19.00 Uhr und 14.06.2019 um 19.00 Uhr.

20.05.2019, Jan Krobot/Zürich

 

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