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ZÜRICH/Opernhaus: GIULIO CESARE von Georg Friedrich Händel. Es wird traumhaft exquisit musiziert

16.03.2026 | Oper international

Georg Friedrich Händel: Giulio Cesare • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 15.03.2026

(3. Vorstellung • Premiere am 11.03.2026)

Im Rahmen von Zürich Barock. Koproduktion mit der Opéra de Monte-Carlo

 Es wird traumhaft exquisit musiziert

Davide Livermores Inszenierung von Händels fünfter Oper für die «Royal Academy of Music» überzeugt durch ihren enormen Detailreichtum, der gleichermassen dem Werk wie der Unterhaltung des Auditoriums dient. Es wird traumhaft exquisit musiziert.

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Foto © Monika Rittershaus

Davide Livermores bereits im Januar 2024 in Monaco gezeigte Inszenierung liess sich von Agatha Christies «Der Tod auf dem Nil» inspirieren und siedelt die Geschichte auf einem Nildampfer in den «goldenen» Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts an (Bühnenbild: Giò Forma). Seine Arbeit überzeugt durch eine exakte, sensible Personenzeichnung, die allen Figuren stimmiges Profil verleiht. Immer wieder taucht der an Sir Peter Ustinov gemahnende Hercule Poirot auf, denn es gilt zu ermitteln wer Pompeo umgebracht hat. Vorher aber hat sich Giulio Cesare mit seinem Feind Pompeo versöhnt, nachdem dessen Frau Cornelia und ihr Sohn Sesto ihn gebeten hatten, Gnade walten zu lassen. Faszinierend aktuell ist die Szene, wo Giulio Cesare den seinen Widerwillen offen zur Schau tragenden Pompeo vor jede gerade vorhandene Kamera zerrt, um zu «guten Bildern» zu kommen. Dann wird Pompeo weggeführt und es ertönt eine Salve. Auf dem Schiff befindet sich auch Cleopatra, die Giulio Cesare für sich gewinnen will, um mit dessen Hilfe ihren Thronanspruch gegen ihren Bruder Tolomeo durchzusetzen. Giulio Cesares Abneigung gegen Tolomeo, der ihm Pompeos Leiche als Willkommensgeschenk präsentiert, ist wunderbar in der Szene verbildlicht, in der sich die beiden Herrscher gegenüberstehen: man will sich die Hand geben, greift aber immer ins Leere. Bei dieser Gelegenheit lässt Tolomeo Cornelia Sesto festsetzen: sie kommt in sein Harem, er ins Gefängnis (was seinen Drang den Vater zu rächen nur noch mehr anstachelt). Cleopatra hat Giulio Cesare um ein Treffen gebeten, um ihn zu verführen und endgültig für sich zu gewinnen. Hier wird, wenn Giulio Cesare sich mit einer an Elvis erinnernden Show-Einlage ans Publikum wendet, die vierte Wand durchbrochen. Das Treffen aber wird durch Tolomeos Männer unterbrochen, die versuchen das Liebespaar zu verhaften. Da der Kaiser bei der Flucht umgekommen sein soll, fordert Tolomeos Heerführer Achilla erneut die Hand Cornelias, die Tolomeo ihm aber verweigert. Bevor Achilla tödlich verwundet wird, wechselt er aber noch die Seiten und gibt Sesto ein Siegel, dass diesem ermöglicht in den Palast einzudringen und seinen Vater endlich zu rächen. Sesto gelingt die Rache und Giulio Cesare die Befreiung Cleopatras. Mit einer Siegesfeier endet die Oper. Nicht ganz: ein Abspann beantwortet noch die Frage, wer Pompeo umgebracht hat. Neben der prächtigen Ausstattung, den eindrücklichen Videos von D-Wok und der Lichtgestaltung von Antonio Castro begeistern die sensationellen Kostüme von Mariana Fracasso. Hier kann nur wiederholt werden: Welcher Herr möchte nicht einen der Anzüge, welche Dame eines der Kleider sein Eigen nennen?

Das in diesen Tagen mit dem bevorstehenden Festival «Zürich Barock» (https://www.opernhaus.ch/spielplan/zuerich-barock/) vielbeschäftigte Orchestra La Scintilla (Konzertmeisterin: Ada Pesch) beweist einmal mehr, dass es zur Champions League der Orchester für alte Musik gehört. Es wird ungemein farbenfroh, rhythmisch akzentuiert und mit tiefer Hingabe musiziert. Gianluca Capuano (Musikalische Leitung) hat eine Spielfassung erstellt, die Livermores bildstarke Inszenierung musikalisch aufs Beste umsetzt.

Da der Chor der Oper Zürich während dem Festival zusammen mit dem Orchester der Oper Zürich auf Tournee geht, ist eine Opernaufführung wie diese nur möglich, weil das Haus auf den seit über 30 Jahren bewährten Zusatzchor der Oper Zürich und die seit der Spielzeit 2010/2011 bestehenden SoprAlti der Oper Zürich zurückgreifen kann. Alice Lapasin Zorzit, seit Januar 2026 stellvertretende Chordirektorin am Opernhaus Zürich, hat mit der Einstudierung der beiden Ensembles den perfekten Einstand gegeben.

Carlo Vistoli gibt den Giulio Cesare mit perfekt sitzendem, gleissend hell strahlendem und wie ein Bergkristall funkelndem, perfekt sitzendem Countertenor. Cecilia Bartoli gibt die Cleopatra. Es kann nur wiederholt werden, was schon in der Kritik der Premiere angemerkt wurde: Wer, wenn nicht sie, könnte eine so facettenreiche, immer wieder faszinierende Persönlichkeit mit so überragender Bühnenpräsenz verkörpern? Die Stimme sitzt nach über vier Jahrzehnten auf der Bühne noch immer perfekt und mit ihrer Erfahrung teilt sie sich die Kräfte ihrer Stimme so ein, dass ihr eine szenisch wie musikalisch überragende Interpretation gelingt. Die beachtliche Kadenz von drei Vorstellungen in vier Tagen macht ihrer Stimme nichts aus: Sie kann das Haus immer noch in atemlose Stille (in der selbst das Revier-Husten aufhört) versetzen. Mit wunderbar warmem, makellos geführtem Mezzo und gutem Spiel ist Max Emanuel Cencic als Tolomeo der zweite im Trio der Countertenöre. Anne Sofie von Otter gibt die Cornelia mit nobler Zurückhaltung, die durchaus der Rolle entsprechend gesehen werden kann. Countertenor Kangmin Justin Kim begeistert als von jugendlichem Feuer getriebener Sesto mit halsbrecherischen Koloraturen und strahlendem Furor. Renato Dolcini gibt den Heerführer Achilla mit wunderbar agilem, superb geführtem, herrlichem Bariton. Karima El Demerdasch als Nireno und Evan Gray als Curio ergänzen in idealer Weise das phänomenale All Star-Ensemble.

So geht Barock-Oper!

Weitere Aufführungen:

Di. 17. März 2026, 19.00; Sa. 21. März 2026, 19.00; Mi. 25. März 2026, 19.00; Sa. 28. März 2026, 19.00.

16.03.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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