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ZÜRICH/ OPERNHAUS: GALATEA E POLIFEMO von Georg Friedrich Händel. Konzertante Aufführung im Rahmen von Zürich Barock

22.03.2026 | Oper international

Georg Friedrich Händel: Aci, Galatea e Polifemo • Opernhaus Zürich • Premiere: 20.03.2026

Im Rahmen von Zürich Barock

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 Konzertante Aufführung

Eine Händel-Aufführung der absoluten Spitzenklasse

Mit der Aufführung von Händels Serenata a tre HWV 72 «Aci, Galatea e Polifemo» erlebt das Festival Zürich Barock einen weiteren Höhepunkt.

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Foto © Toni Suter

Georg Friedrich Händel war schon als junger Komponist viel auf Reisen. Im Jahre 1702 weilte er, siebzehn Jahre alt, am Hof des Kurfürsten Friedrich III. in dessen Sommerresidenz im an die «Stadt Cölln, Schönenberg und Wilmersdorf» grenzenden und später in Berlin eingemeindeten Lietzow (das dort errichtete Schloss Lietzenburg benannt Friedrich 1701 zu Ehren seiner Gattin in Schloss Charlottenburg um). Bei diesem Aufenthalt könnte er Kontakt mit dem Wiener Hofkomponisten Giovanni Bononcini gehabt haben: Bononcini und einigen seiner Musiker weilten am Hof der preussischen Königin Sophie Charlotte, weil der Spanische Nachfolgekrieg den Wiener Opernbetrieb beeinträchtigte. Bei dieser Gelegenheit könnte Händel auch die Uraufführung von Bononcinis Serenata «Polifemo» erlebt haben. Im Herbst 1703 lernte Händel, mittlerweile achtzehn Jahre alt, in Hamburg, damals mit dem Gänsemarkttheater Anziehungspunkt für junge, ambitionierte Musiker, den Prinzen Gian Gastone de’ Medici, Bruder des Grossherzogs der Toskana, kennen, der ihn ermuntert haben soll, Italien zu bereisen. 1706 reiste Händel, der mehrfach Angebote von Mäzenen ausgeschlagen hatte, auf eigene Kosten nach Italien. Nach Aufenthalten in den Kulturzentren Venedig, Florenz und Rom reiste er, möglicherweise auf Empfehlung von Kardinal Vincenzo Grimani, der dann 1709 das Libretto für Händels «Ariodante» (Venedig 1709) verfassen sollte, im Mai 1708 nach Neapel: er hatte von der Herzogin Aurora Sanseverino den Auftrag erhalten, auf ein Libretto ihres Privatsekretärs Nicola Giuvo für die Hochzeit ihrer Nichte Prinzessin Beatrice eine Serenata, eine festliche Abendunterhaltung zu besonderen Anlässen, zu komponieren. Für den 16. Juni 1708 vermerkt Händel im Autographen die Fertigstellung der Serenata a tre «Aci, Galatea e Polifemo». Am 19. oder 20. Juli 1708 fand im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten dann die Uraufführung statt.

Librettist Nicola Giuvo behandelt in seinem Libretto die Sage von Acis und Galatea nach dem 13. Buch von Ovids «Metamorphosen». Die Nymphe Galatea liebt den Schäfer Acis. Der riesenhafte Zyklop Polyphem hegt eifersüchtig ebenfalls heftige Gefühle für Galatea. Etwas grob und unbeholfen wirbt er um Galatea, die ihn stets aufs Neue zurückweist. In einem Anfall rasender Wurt erschlägt Polyphem dann seinen Rivalen mit einem Felsbrocken. Galatea, eine Tochter des Meeresgottes Nereus, bittet ihren Vater den toten Acis in einen Fluss zu verwandeln. So kann sie sich im Meer wieder – und endgültig – mit ihm vereinen.

Die überaus exquisite Musik von «Aci, Galatea e Polifemo» ist geprägt von der überbordenden Frische und Fantasie des jungen Komponisten. Schon in der ersten Nummer (Nr. 1«Sorge il dì, e tranquillo»), gleich ein Duett, kann der Zuhörer den Tagesanbruch und den Sonnenaufgang vor dem inneren Auge sehen. Die Stimmen von Bruno de Sá als Aci und der Galatea von Elizabeth DeShong harmonieren traumhaft schön in atemberaubender Perfektion. Galt es eben noch die Morgenröte und den Sonnenaufgang zu beschreiben, prunkt DeShon in ihrer erster Arie (Nr. 2 «Sforzano a piangere») mit beeindruckenden, gut mit den übrigen Registern verbundenen Tiefen. De Sá fasziniert schon in der ersten Arie des Aci (Nr. 3 «Che non può la gelosia») mit lupenreinen, stupenden Höhen und kraftvollem, perfekt fokussiertem Sopran. Nicolas Brooymans lässt in der ersten Arie des Polifemo (Nr. 5 «Sibilar l’angui d’Aletto») einen herrlichen kernigen, absolut agil geführten Bass mit ungewohnt kräftigen Tiefen erklingen (hier wie auch in der Arie Nr. 7 «Non sempre, no, crudele»), der die verlangten Koloraturen tadellos und mit mustergültiger Textverständlichkeit (Nr. 9 «Precipitoso») bewältigt. In der Arie Nr. 6 «Benché tuoni e l’etra avvampi» zeigt DeShong, wie agil sie ihre doch eher breite Stimme durch die rasend schnellen Läufe führen kann. In der Arie Nr. 10 «S’agita in mezzo all’onde» malt sie mit der Stimme bildhaft für das innere Auge des Zuhörers, wie «Schiffchen vom stürmischen Meer umhergeworfen» wird. Ensembles sind in der barocken Oper, wo sie, anders als vielleicht hier, sehr selten vorkommen, immer Indikator eines wichtigen Moments oder einer entsprechen Botschaft: Im Terzett Nr. 11 «Proverà lo sdegno mio» droht Polyphem hier erstmals mit seinem Zorn. Die Arie Nr. 12 «Fra l’ombre e gl’orrori» ist der Höhepunkt der Partie des Polifemo: Brooymans bewältigt die Sprünge von bis zu zweieinhalb Oktaven mit traumhafter, atemlos machender Sicherheit und setzt das Bild des verwirrten Falters («Umhüllt von Schatten und Schrecken, wenn das Licht verloschen ist, findet der verwirrte Falter keine Freude mehr») idealiter um. So sonore und dabei kräftige Tiefen, wie sie Brooymans zu Verfügung stehen, wünscht sich auch für einige Partien des gängigen Opern-Repertoires. Der nächste Höhepunkt folgt sogleich: Die grosse Arie des Aci Nr. 13 «Qui l’augel da pianta in pianta». Wenn de Sá, bevor des entsprechende Instrument übernimmt, mit seiner Stimme das fröhlich vom Baum zu Baum fliegende und zum Trost singende Vögelchen imitiert, ist es einer dieser Momente, wo das Haus in atem- und regungsloser Stille verharrt. Kristallklare, kaum je gehörte Höhen, ein perfektes Messa di voce, Verzierungen wie sie sich geschmackvoller kaum denken lassen, lassen dann, verdientermassen, die Begeisterung des Publikums ungehemmt ausbrechen. Im Terzett Nr. 15 «Dolce amico amplesso», als Schlüsselszene eindrucksvoll dramatisch gestaltet, entscheidet sich Polyphem endgültig den Fels zu schleudern. In Acis Arie «Verso già l’alma col sangue» (Nr. 16) lässt de Sá dann direkt spüren, wie das Blut dem toten Körper entweicht. Eindrucksvoll schildert DeShong, wie Galatea vor dem Zyklopen zu ihrem Geliebten ins Meer flieht. Im als Terzett gestalteten Schlusschor finden die drei zum von der Form und dem Anlass verlangten lieto fine zusammen:

«Chi ben ama ha per oggetti
fido amor, pura costanza.
Ché se mancano i diletti,
poi non manca la speranza»

Wer wirklich liebt, sucht treue Liebe,
reine Standhaftigkeit.
Denn auch wenn die Freude fehlt,
bleibt doch die Hoffnung»)

Das Orchestra La Scintilla unter musikalische Leitung von Philippe Jaroussky lässt sich von der überbordenden Frische und Phantasie des jungen Händel anstecken und bietet die Musik so exquisit wie sie komponiert ist dar. Das Spiel ist technisch so perfekt und emotional so beseelt und tiefgehend: es bleiben keine Wünsche offen!

Eine Händel-Aufführung der absoluten Spitzenklasse!

Weitere Aufführung: So. 29. März 2026, 14.00.

23.03.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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