Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ZÜRICH/ Opernhaus: FIDELIO von Ludwig van Beethoven. Wiederaufnahme. „Ist mir so wunderbar?

15.05.2026 | Oper international

Ludwig van Beethoven: Fidelio • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 14.05.2026 nachmittags

(4. Vorstellung • Wiederaufnahme am 03.05.2026 • Premiere am 08.12.2013)

Ist mir so wunderbar?

fizu

Foto © Herwig Prammer

Zur Inszenierung von Andreas Homoki gibt es nichts Neues zu berichten. Es bleibt der Eindruck der Inkonsequenz, wenn einerseits die Qualität des Textbuches kritisiert wird, und andrerseits in der Inszenierung dann genau diese Texte eingeblendet werden, da sich die neugestaltete Handlung im tristen, grauen Einheitsbühnenbild (Bühnenbild: Henrik Ahr; Lichtgestaltung: Franck Evin) sonst nicht schlüssig vermitteln lässt. Das Kostümbild (Barbara Drosihn), die Herren in «modern getragenen» Anzügen, die Damen weitgehend an die Uniform von Hotelpersonal gemahnenden Kleidern, trägt nicht zum Verständnis bei. Einmal mehr ist man für Inszenierungen dankbar, die «Schwierigkeiten» (hier wird von der Regie der Gegensatz von Libretto-Text und moralischer Botschaft als solcher wahrgenommen) als Chance wahrnehmen und nicht mit destruktiver Kreativität (in Form von Umgestaltung und Überschreibung) reagieren.

Das Orchester der Oper Zürich spielt unter der musikalischen Leitung von Axel Kober durchaus ansprechend. Tempi und Lautstärke sind etwas besser angepasst, aber immer noch deutlich vom Idealmass entfernt. Die Chöre (Chor der Oper Zürich, Zusatzchor der Oper Zürich und SoprAlti der Oper Zürich; Choreinstudierung: Klaas-Jan de Groot) beeindrucken mit wuchtigem Klang.

Andrew Moore springt als Don Fernando für den erkrankten Yannick Debus ein. Der amerikanische Bassbariton, mittlerweile eine Stütze des Ensembles, gibt die kurze, aber wichtige Partie mit tadellos fokussierter Stimme und natürlicher Autorität. Brian Mulligan kann als Don Pizarro nicht überzeugen: stimmlich bleibt er, mit stark verbesserungswürdiger Diktion, der Rolle vieles schuldig und szenisch ist kein Ansatz der der Rolle zugehörigen Boshaftigkeit auszumachen. Klaus Florian Vogt überzeugt mit seinem hell timbrierten Heldentenor als Florestan rundum und punktet mit mustergültiger Textverständlichkeit. Gabriela Scherer legt die Leonore recht dramatisch an und verkörpert glaubwürdig die Frau, die ihren Mann rettet. Christof Fischesser gibt mit souverän geführtem und perfekt fokussiertem Bass einen Rocco von idealer Bühnenpräsenz. Die Textverständlichkeit ist erneut mustergültig. Anna El-Khashem als Marzelline kommt, so schwer das zu konstatieren fällt, einer Fehlbesetzung nahe. Die Stimme weist keinerlei Fundament auf und ist sehr nervös geführt. In den Höhen neigt die Stimme zu unangenehmen, schrillen Schärfen. Die Diktion ist mangelhaft. Andrew Owens gibt zuverlässig einen unauffälligen Jaquino. Luis Magallanes als Erster Gefangener und Mamuka Tepnadze als Zweiter Gefangener ergänzen das Ensemble.

Ist mir so wunderbar?

Zum letzten Mal: Sa. 16. Mai 2026, 19.00.

15.05.2026, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken