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ZÜRICH/ Opernhaus: FAUST von Charles Gounod. Präzises Porträt des Zweiten Kaiserreichs. Wiederaufnahme

02.11.2022 | Oper international

Charles Gounod: Faust • Opernhaus Zürich • Wiederaufnahme: 29.10.2022

(Premiere am 03.11.2013)

Präzises Porträt des Zweiten Kaiserreichs

Parallel zur Entdeckung von Ofenbachs «Barkouf» hatte das Opernhaus Zürich Philipp Glogers Inszenierung von Gounods «Faust» aus der Saison 2013-2014 wieder auf den Spielplan gesetzt. In der komplett neuen Besetzung vermögen vor allem die Herren zu überzeugen.

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Foto T + T Fotografie / Tanja Dorendorf

Die Inszenierung von Jan Philipp Gloger überzeugt beim Wiedersehen genauso wie in der Premierensaison. Gloger liest das Libretto von Jules Barbier und Michel Carré als präzises Zeitporträt und lässt so die Handlung zur Zeit der Uraufführung, also im Zweiten Kaiserreich spielen. Ben Baur hat ihm dazu ein schlichtes, an die damals moderne Stahlarchitektur erinnerndes Bühnenbild geschaffen, zu dem, dem Theater auf dem Theater-Konzept entsprechend, in den einzelnen Akten weitere Versatzstücke kommen. Die eleganten, zurückhaltenden Kostüme stammen von Karin Jud. Entscheidend für die Wirkung der Produktion ist, dass keiner dieser drei Künstler der Verlockung der Opulenz erliegt und die Graustufen auf der Bühne die Konzentration auf die Handlung unterstützen.

Im Graben unterstützt Ryan McAdams die «nüchterne» Sicht des Werks. Die Philharmonia Zürich hat einen weiteren phänomenalen Abend und auch der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger). Beide Kollektive überzeugen mit herrlichem Klang und gehen dem Kitsch elegant aus dem Weg.

Saimir Pirgu überzeugt als Faust mit schier endlosem Atem, ungeahnten Kraftreserven und enormem Stilgefühl. Roberto Tagliavini debütiert als Méphistophélès und kann mit seinem prächtigen Bass einen grossen Erfolg verbuchen. Konstantin Shushakov gibt den Valentin. Anita Hartig als Marguerite und Alexandra Kadurina als Siébel können leider nicht wirklich überzeugen. Im Verlauf des Abends werden die Stimmen unangenehm scharf und das Vibrato steigt ins Unermessliche. Liliana Nikiteanu ist eine zuverlässige Marthe und Jungrae Noah Kim ein prächtiger Wagner

Alles in allem ein doch erfreulicher Abend.

Weitere Aufführungen: 06.11.2022, 13.11.2022 und 16.11.2022.

03.11.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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