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ZÜRICH/ Opernhaus: ELEKTRA – letzte Aufführung in dieser Spielzeit

11.07.2015 | Oper

Zürich – Opernhaus – „Elektra“  – 10.07.2015

elek
Evelyne Herlitzius und Hanna Schwarz. Foto: Judith Schlosser

 Sie ist sehr in die Jahre gekommen, die Elektra-Inszenierung von Martin Kusej, welche in den vergangenen zwölf Jahren in so wunderbaren Besetzungen wie Eva Johansson, Agnes Baltsa gegeben wurde. Inzwischen ist der Lack im Bühnenbild von Rolf Glittenberg und den Kostümen von Heidi Hackl etwas weg. Die Männer in Strapsen, die viele nackte Haut und die Patienten einer psychiatrischen Klinik sowie die Sambatruppe am Schluss interessieren in der mittlerweile sehr oberflächlich gehaltenen Inszenierung kaum mehr. Im Zentrum des Interessens stehen heuer eindeutig die Künstlerinnen und Künstler, welche musikalischen Genuss auf allerhöchstem Niveau versprechen. Das könnte gelingen, wäre da nicht Dirigent Lothar Koenigs, der auf musikalische Knaller und schier unerträgliche Forti setzt. Leider setzt die Philharmonia Zürich dieses musikalische (Nicht-)Konzept getreulich um, und so erklingt aus dem Orchestergraben ein wenig differenzierter, lauter musikalischer Einheitsbrei, was nicht gerade zur Erhöhung der Spannung beiträgt. Der Chor der Oper Zürich (Einstudierung: Ernst Raffelsberger) hat in dieser Oper ja bekanntlich äusserst wenig zu tun. Deshalb erhebe ich den Anspruch, dass ich das auch höre, diesmal leider Fehlanzeige.

Den Kampf gegen die orchestralen Wogen verliert an diesem Abend auch Marion Ammann als Aufseherin. Aus dem Mägdequintett mit Judit Kutasi, Julia Riley, Irène Friedli, Sen Guo sticht Ivana Rusko strahlend als fünfte Magd hervor. Christoph Fischesser gibt stimmlich und darstellerisch einen starken Orest. Michael Laurenz verleiht Aegisth eine „durchgeknallte Note“ in der Darstellung, was zuweilen etwas arg aufgesetzt wirkt, gefällt jedoch musikalisch sehr. Emily Magee meistert die Partie der Chrysothemis souverän. Sie gestaltet ihren Part gesanglich äussert differenziert – sofern das Dirigat dies zulässt. Hanna Schwarz begeistert als Klytämnestra. Ihre Tiefe, die sie dann in dramatischste Höhe steigert, ist schlicht und ergreifend phänomenal. Evelyn Herlitzius als Elektra jedoch überstrahlt alles! Während der ganzen 105 Minuten gibt sie unermüdlich in jeder Beziehung alles – von Ermüdungserscheinungen keine Spur! Ihre Stimme behält ihre kraftvolle Frische von der ersten bis zu letzten Note! Mit Recht zählt man sie zu den besten „Elektras“ der heutigen Zeit.

Grosser Applaus für eine herausragende Evelyn Herlitzius an einem sonst etwas durchzogenen, aber dennoch faszinierenden Opernabend!

 Michael Hug

                                                                                                                                  Michael Hug

 

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