Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte • Opernhaus Zürich • Premiere am 20.09.2026
Endlich darf die Schlange wieder Schlange sein!
Mit der Zauberflöte in der Regie von Daniele Finzi Pasca hat das Opernhaus Zürich endlich wieder eine repertoiretaugliche Produktion. Hier darf die Schlange endlich wieder Schlange sein und die Königin der Nacht kommt auch nicht aus dem Kühlschrank: Jung wie alt werden begeistert sein!

Foto © Herwig Prammer
Daniele Finzi Pasca (Inszenierung und Lichtgestaltung) erzählt die Geschichte aus der Sicht Taminos, der bei ihm ein Geiger aus dem Orchester ist, der quasi im Traum in die Erzählung der Zauberflöte gesogen wird und dem mit der Flöte ein ihm fremdes Instrument in die Hände gelegt wird. Die Inszenierung folgt dementsprechend einer Traumlogik, in der nicht alles streng logisch sein muss, und so muss Tamino sich nicht nur als Mensch beweisen, sondern auch als Musiker mit dem ihm fremden Instrument: «Dadurch lernt er eine andere Art kennen, sich und die Musik zu begreifen» (Zitat aus dem Programmheft). Das Bühnenbild von Hugo Gargiulo orientiert sich ebenso eng dem Libretto und ist im ersten Aufzug von natürlichem Fels geprägt. So wie der natürliche Stein für die Königin der Nacht steht, steht im zweiten Aufzug «domestizierter», von Menschenhand bearbeiteter Stein, für Sarastros Reich und die Aufklärung. Diese Zuschreibung findet sich auch in der Lichtgestaltung Finzi Pascas (Video: Roberto Vitalini) wieder, und so wird im hellen Licht des zweiten Aufzugs anhand von Rissen im Stein und beschädigten Ecken klar, dass eine «zu starke Erleuchtung» auch nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein scheint. Die Kostüme von Giovanna Buzzi orientieren sich am Sympathieträger Papageno und dessen Vogelwelt. Sie beeindrucken mit ihrer Phantasie und Farbigkeit, seien es die Spatzen (Drei Knaben), Schwalben (Akrobaten) oder der Kanarienvogel (Papageno) oder auch die auf Distanz ausgesprochen nobel wirkenden Stoffe der drei Damen und von Sarastro und seinen Anhängern. Ein ganz besonders grosses Lob gilt den Akrobaten (Juana Gargiulo Larrosa, Elisa Bitschnau, Jess Gardolin, Cloé Matter, Josh Golaszewski und Ricardo Miguel Serrao Mendes), die die Rolle der Schwalben mit Bewegungen erfüllen, die selbst jene, die es nicht so mit der Phantasie haben, direkt mit Vögeln in Beziehung bringen und nach wahrhaft circensischen Darbietungen auf der sich drehenden und schon in sich gewundenen Leiter gleich in der Ebene weitertanzen. Maria Bonzanigo verantwortet die beeindruckende Choreographie. Kurzum: Finzi Pasca gelingt es, mit seiner Inszenierung ein Staunen zu erzeugen, das das ganze Haus schlagartig ergreift.

Foto © Herwig Prammer
Das Orchester der Oper Zürich zeigt sich an diesem Abend nach dem erfolgreichen Gastspiel beim Edinburgh International Festival in überragender Form und begeistert, in den einzelnen Gruppen wie im Ganzen, mit historisch informiertem Wohlklang und grosser Spielfreude. Die musikalische Leitung des Abends vermag leider nicht zu überzeugen. Tarmo Peltokoski wählt ausgesprochen inkonsistente Tempi, manchmal etwas zu gehetzt, gerne aber auch sehr gedehnt. Gerade die Gesangspartien erscheinen an diesem Abend in Richtung «Belcanto» weitergedacht: Es können auch der Fiorituren und Kadenzen zu viele werden, liegt doch ein grosser Teil des Reizes der Gesangspartien (die Königin der Nacht natürlich ausgenommen) in der «Einfachheit» der Partien, die mindestens so schwer zu erreichen ist. Zudem fällt auf, dass Peltokoski nur eingeschränkt mit der Bühne kommuniziert: Die Koordination der Sänger überlässt er, so aus einer bühnennahen Loge zu beobachten, weitgehend dem Maestro suggeritore. Der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Klaas-Jan de Groot) absolviert seine Auftritte mit gewohnter Sicherheit und homogenem Klang. Das Kollektiv wirkt aber szenisch (noch) nicht überzeugend ins Gesamtgeschehen integriert.
Magnus Dietrich überzeugt als Tamino mit einem leicht geführten, aber doch kräftigen, höhensicherem Tenor. Der Sarastro von Tobias Kehrer fasziniert mit einer interessanten Mischung von jugendlicher Agilität und einer würdevollen Tiefe, die man älteren oder ranghohen Semestern zuzuschreiben geneigt ist. Regula Mühlemann gibt die Pamina szenisch als aparte Erscheinung, ganz das Mädchen, das durch die Prüfungen zur jungen Frau reift. Musikalisch vermag sie wenig zu überzeugen, denn der Stimme fehlt das Fundament, wenn der Klang fast schneller verfliegt, als er wahrgenommen werden kann. Jasmin Delfs als Königin der Nacht ist an diesem Abend darauf konzentriert, die zugegebenermassen enorm hohen Klippen ihrer Partie zu meistern. Die Höhen kommen tadellos, aber es fehlen (noch) die Emotionen. Yannick Debus gelingt ein rundum überzeugendes Debüt als Papageno. Die Stimme ist perfekt fokussiert und nimmt mit herrlichen Farben für sich ein. Debus gibt den Vogelfänger mit dem idealen Mass an Naivität, die ihn ursympathisch macht, aber nie übertrieben wirkt. Mariam Suleiman aus dem Internationalen Opernstudio überzeugt als Papagena genauso wie Nathan Haller als Monostatos. Hannah McKay, Karima El Demerdasch und Dominika Stefańska überzeugen als stimmprächtiges, ausgesprochen wohlklingendes Trio der drei Damen. Auch die weiteren Rollen sind mit Andrew Moore als Sprecher, Salvador Villanueva als Zweitem Priester, Rafael Rojas als Erste Geharnischten und Theodore McAlindon als Zweitem Geharnischten gewohnt luxuriös und zuverlässig besetzt. Leo Eisenreich, Nicolas Bader und Benedikt Eberl vom Tölzer Knabenchor überzeugen gleichermassen musikalisch wie stimmlich.
Eine Zauberflöte zum Geniessen!
Weitere Aufführungen:
Fr. 25. Sep. 2026, 19.00; Di. 06. Okt. 2026, 19.00; So. 18. Okt. 2026, 13.00; Mi. 21. Okt. 2026, 19.00;
Sa. 24. Okt. 2026, 19.00; Fr. 30. Okt. 2026, 19.00;
Fr. 02 Apr. 2027, 19.00; Do. 08 Apr. 2027, 19.30;
So. 18 Apr. 2027, 13.00; Di. 20 Apr. 2027, 19.00; Fr. 23 Apr. 2027, 19.00.
21.09.2026, Jan Krobot/Zürich

