Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ZÜRICH/Opernhaus: DIE LUSTIGE WITWE – Operette von Franz Lehár. 3. Vorstellung (16.2.). Ein Fest für Geniesser!

17.02.2024 | Operette/Musical/Show

Franz Lehár: Die Lustige Witwe • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 16.02.2024

(3. Vorstellung • Premiere am 11.02.2024)

Ein Fest für Geniesser!

Mit dem Lauf einer Serie beginnen sich die Stücke jeweils «einzuspielen». So auch bei Barrie Koskys Lustiger Witwe für Zürich.

züt
Foto © Monika Rittershaus

Die Konturen der Inszenierung werden deutlicher, Stärken und Schwächen akzentuieren sich. Eine Stärke der von den Aufführungen des Berliner Metropoltheaters im Jahre 1928 inspirierten Inszenierung ist ihre «rationale» Kühle: Die Heile (Operetten-)Welt der 50er- und 60er-Jahre sucht man hier vergebens. Barrie Kosky (Inszenierung) lässt den Humor keineswegs beiseite, aber in dieser Umgebung fällt mancher Kalauer gar nicht mehr als solcher auf. Stattdessen würzt Kosky die verschwenderische Pracht von Musik, Tanz (Choreographie: Kim Duddy) und Kostümen (Gianluca Falaschi) mit einer satten Prise Melancholie, die Heiterkeit und Genuss wunderbar kontrastiert, aber nicht erschlägt. Kosky gibt mit der Leichtigkeit seiner Inszenierung dem Werk die Tiefe, die ihm von der Rezeption genommen wurde, zurück.

Es gilt den Solisten ein grosses Lob dafür auszusprechen, wie sie (neben den Tänzern) Koskys Regie mit den häufigen Tänzen schwungvoll umsetzen. Bassbariton Martin Winkler als Baron Mirko Zeta überzeugt als Gastgeber des Abends singend wie sprechend gleichermassen. Er findet das ideale Mass an Komik um die Figur liebenswert zu machen ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Anastasiya Taratorkina springt für die erkrankte Katharina Konradi als Valencienne ein. Nach einer Götterdämmerung-Generalprobe am Vortag ist sie morgens um vier aufgestanden, um um neun Uhr in Zürich sein zu können und zu proben. Die Proben müssen sehr erfolgreich gewesen sein; von ihrem Einspringen ist nur wenig zu bemerken. Die Stimme allerdings ist nicht ideal: die Stimme gleitet rasch ins Voluminös-Dramatische ab und wird schwer und unverständlich. Michael Volle überzeugt als abgefrühstückter Frauenheld Graf Danilo Danilowitsch, der auch zu wunderbar leisen, feinen Tönen fähig ist. Da sich Marlis Petersen als Hanna Glawari erneut als an den Folgen einer Erkältung leidend ansagen liess, bleibt nur ihr rasche Genesung zu wünschen. Einen ausgesprochen guten Abend hat Andrew Owens als Camille de Rosillon erwischt: die Stimme sitzt und die Höhen können frei strömen. Der Eindruck einer für das Haus zu kleinen Stimme bleibt leider. Barbara Grimm überzeugt in der Rolle des Njegus. Omer Kobiljak als Vicomte Cascada, Nathan Haller als Raoul de Saint‐Brioche, Valeriy Murga als Bogdanowitsch, Maria Stella Maurizi als Sylviane, Chao Deng als Kromow, Ann‐Kathrin Niemczyk als Olga, Andrew Moore als Pritschitsch und Liliana Nikiteanu als Praškowia ergänzen das vom Publikum begeistert gefeierte Ensemble.

Patrick Hahn (Musikalische Leitung) hat das Geschehen fest im Griff und begeistert mit seinem überzeugend austarierten Dirigat. Die Philharmonia Zürich folgt im hochkonzentriert und mit grossartigem, feinem Klang.

Ernst Raffelsberger hat den Chor der Oper Zürich bestens vorbereitet. Die Mitglieder des Chores geniessen ihren Auftritt sichtlich.

Ein Fest für Geniesser!

Weitere Aufführungen:

So. 18. Feb. 2024, 13.00; Di. 20. Feb. 2024, 19.00; So. 25. Feb. 2024, 19.00; Fr. 01. März 2024, 19.00;  Di. 05. März 2024, 19.00; Do. 07. März 2024, 19.30; So. 10. März 2024, 20.00; Di. 12. März 2024, 19.30; Do. 14. März 2024, 19.00.

17.02.2024, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken