Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte • Opernhaus Zürich • Wiederaufnahme: 03.07.2026
(Premiere am 04.11.2018)
Zwei fulminante Rollendebüts und eine hervorragende Leistung des Orchesters
Die Wiederaufnahme der Inszenierung von Kirill Serebrennikov ist durch zwei fulminante Rollendebüts und eine hervorragende Leistung des Orchesters geprägt.

Foto © Monika Rittershaus
Die Inszenierung (auch Bühnenbild und Kostüme) von Kirill Serebrennikov hat vor allem aufgrund ihrer Entstehungsbedingungen, Serebrennikov stand zu dieser Zeit in Moskau unter Hausarrest und die Kommunikation konnte nur über seinen Anwalt erfolgen, und breiter Berichterstattung der Medien einige Bekanntheit erreicht. Für die Umsetzung der Inszenierung vor Ort und die Choreografie war Serebrennikovs Mitarbeiter Evgeny Kulagin verantwortlich (Lichtgestaltung: Franck Evin; Video: Ilya Shagalov). Serebrennikov ist eine über weite Strecken überzeugende Modernisierung von da Pontes und Mozarts Meisterwerk gelungen, die sich, soweit bei einer Modernisierung davon gesprochen werden kann, eng an das Libretto hält. Jeder Librettist/Komponist war bei der Entstehung der Werke bemüht mit Bildern zu arbeiten, die das Publikum der Zeit «verstand». Und Serebrennikov ist gelungen Bilder zu finden, die ein Publikum von heute ebenso versteht wie das Publikum von morgen: Selten sind im Opernhaus Schulklassen so ruhig zu erleben. Besonders eindrücklich gelungen ist das Finale, das andeutet, dass die Gesellschaft doch noch nicht so weit gekommen ist, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Bei da Ponte und Mozart können die «richtigen» Paare nicht zusammenbleiben: die eher unbefriedigende Ausgangssituation (Fiordiligi und Guglielmo sowie Dorabella und Ferrando) wird wiederhergestellt. Serebrennikov verbildlicht diese Perpetuierung des Unbefriedigenden mit einer traditionellen Hochzeit, das «moderne» Ambiente der vorherigen Handlung wird verlassen und die zeitgenössische Kleidung durch Trachten ersetzt, und einem roten Band, dass die Partner aneinander bindet. Vorher erhalten Ferrando und Guglielmo für gut eineinhalb Akte ein Alter Ego, das es den Sängern erlaubt sich ganz auf den Gesang zu konzentrieren und den Schauspielern eine intensive szenische Darstellung ermöglicht. Das funktioniert so unerwartet gut, dass man sich fragt, warum Dorabella und Fiordiligi diese Chance nicht erhalten.
Serebrennikov hat diese Cosi ausserordentlich akribisch inszeniert und alle Beteiligten setzen seine Inszenierung mit einer solchen Bühnenpräsenz um, dass ein ausserordentlich stimmiges Gesamtbild, wie es nur selten anzutreffen ist, entsteht. Elbenita Kajtazi debütiert als Fiordiligi mit vollem, rundem, perfekt fokussiertem Sopran und beeindruckender Technik. Siena Licht Miller, in der Spielzeit 2020/2021 Mitglied des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich und seit der Saison 2022/2023 im Ensemble und in kurzer Zeit eine Stütze selbigen geworden, kann nach dem überzeugenden Annio in «La clemenza di Tito» mit ihrem Debüt als Dorabella einen weiteren Erfolg in einer Mozart-Rolle feiern. Yannick Debus gibt den Guglielmo mit wunderbar kernigem Charakter-Bariton und grosser Farbpalette. Bogdan Volkov überzeugt als Ferrando mit seinem hellen, kräftigen Tenor, viel Gefühl und tadelloser Technik. Rebeca Olvera, eine Stütze des Zürcher Ensembles, kann als Despina ihr komisches Talent voll und überzeugend ausleben. Luca Pisaroni gibt Don Alfonso anfänglich, vielleicht inspiriert durch seine schwarzen Hoodie, mit arg «faustischer» Stimme. Francesco Guglielmino und Evgeny Kulagin sind als Sempronio und Tizio die Alter Ego der Herren.
Das Musikkollegium Winterthur (Continuo Hammerklavier: Esteban Dominguez Gonzalvo; Continuo: Violoncello Flurin Cuonz) unter musikalischer Leitung seines Chefdirigenten Roberto González-Monjas begeistert mit rhythmisch perfekt austariertem, ausgesprochen lebendigem und farbenfrohem Spiel. Alice Lapasin Zorzit hat den Chor der Oper Zürich einstudiert.
Eine Wiederaufnahme mit zwei fulminanten Rollendebüts und einer hervorragenden Leistung des Orchesters.
Weitere Aufführungen: Di. 07. Juli 2026, 19.00; Do. 09. Juli 2026, 19.00; So. 12. Juli 2026, 18.30.
06.07.2026, Jan Krobot/Zürich

