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Zürich/ Opernhaus: CAVALLERIA RUSTICANA / PAGLIACCI – in der Tat: Echte Gefühle

13.10.2016 | Oper

Zürich Opernhaus: Cavalleria rusticana/I Pagliacci

Letzte Aufführung der Wiederaufnahme-Serie mit Roberto Alagna und Aleksandra KurzakBesuchte Aufführung 12.10.2016  

In der Tat: Echte Gefühle…   

So wie es im Prolog zum „Bajazzo“ heisst, gibt’s hier nicht falsche Theater-Tränen, sondern echte Gefühle. Und das war in der Tat in der Aufführung des wohl berühmtesten Opern-Doppelpacks der Fall. Roberto Alagna, der wiederum beide Tenor-Partien sang, hat einen Grad der Künstlerschaft erreicht, der wohl nur von ihm selbst übertroffen werden kann. Da ist mal die gereifte Lirico-Spinto-Tenorstimme zu rühmen, wo sich in der Höhe um das edle Metall des Kerns der Schmelz des lyrischen Timbres legt. Und absolut sicher werden diese Spitzentöne platziert, zudem mit Ausdruck gesungen und sicher gestützt. Auch die Mittellage, die herrlich baritonal klingt, kommt der Rollengestaltung sowohl des Turridu als auch dem Canio zugute. Da ist es mal nicht der jammernde Muttersohn, sondern der sich seiner Schuld bewusst werdende Dorf-Beau, der fast fatalistisch in den Tod des Duells mit Alfio geht. Hier wird auch mal gezeigt, was in der Roman-Novelle beschrieben wird. Nämlich, dass zwar Turridu der Gewinner des Zweikamps wäre, wenn ihm nicht Alfio Sand in die Augen werfen würde. Dadurch geblendet, kann ihm Alfio den Todesstoss versetzen. Erstaunlich auch, was da Alagna an „Stunts“ macht. Beim Todesstoss in der „Cavalleria“ rollt er über eine Brüstung und in „Bajazzo“ machte er einen zirkusreifen Überschlag. Die Tragik des Dorf-Komödianten, den seine junge Frau verlässt, erhält bei Alagnas Darstellung besonders ergreifende Züge. Diesmal hatte er als Bajazzo sein Gesicht Otello-gleich schwarz geschminkt, und konnte so die Verbindung Canio-Otello zum Ausdruck bringen. Wie Otello muss sich Canio immer wieder beherrschen, und wie Desdemona ihn mit ihren Beteuerungen immer mehr zur Raserei bringt, so ist es auch bei Aleksandra Kurzak als Nedda, die ihn mit ihrem tänzerisch-tändelnden Colombina-Spiel zur Weissglut bringt. Wenn dann Canio angesichts der toten Nedda wie aus einer Trance erwacht und sich dessen bewusst wird, was er getan hat, bricht es aus ihm schluchzend hervor: „La commedia è finita!“- Auch sie war hervorragend bei Stimme – die Arie sang sie mit Koloraturen und Dramatik bis in die Spitzentöne grossartig. Das Duett mit Silvio (Alexey Lavrov) war erotisch aufgeladen und von Sehnsucht nach einem besseren Leben erfüllt. Auch Beppe (Trystan Llyr Grifftihs) machte eine gute Figur als Harlekin und sang sein „Gstanzl“ von Balkon aus höchst poetisch. Hervorragend wieder der Macho-Mafiosi von Roman Burdenko als Alfio und bot dagegen als Tonio im „Bajazzo“ eine Charakterstudie mit vielen Zwischentönen und blendender Höhe. Catherine Naglestad war wieder Santuzza, diesmal deutlich verbessert, aber mich nicht ganz überzeugend. Yulia Mennibaeva (Lola) und Irène Friedli (Mamma Lucia) komplettierten die hervorragende Aufführung und Ensembleleistung (nicht zu vergessen der agile Chor (Eintudierung: Jürg Hämmerli) und der Spiritus Rector des Abends des engagierten Dirigenten Daniela Rustiani. Begeisterung allenthalben  – und das macht eben die grossen Opernabend aus!

John H. Mueller

 

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