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ZÜRICH/ Opernhaus: CAVALLERIA RUSTICANA/ PAGLIACCI – Corona hat wieder gestört

24.01.2022 | Oper international

Pietro Mascagni: Cavalleria rusticana / Ruggiero Leoncavallo: Pagliacci • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 23.01.2022

 (3. Vorstellung • Wiederaufnahme am 18.01.2022)

 Ein grosser Abend!

Die dritte Aufführung des Verismo-Doppelabends innerhalb von sechs Tagen bescherte dem künstlerischen Betriebsbüro erneut einigen Aufwand und dem Kritiker ungeahnte Vergleichsmöglichkeiten. Grischa Asagaroffs Inszenierung bewies mit dem Funktionieren bei kurzfristigen Umbesetzungen ihre handwerkliche Qualität.

ZÜRICH/ Opernhaus: CAVALLERIA RUSTICANA/ PAGLIACCI. Ganz große Oper.  WiederaufnahmeOnline Merker
Foto © Toni Suter

Höhepunkt des Besetzungszettels war erneut Elīna Garanča als Santuzza. Was macht nun den Ausnahmerang ihrer Interpretation aus? Garanča hat die Rolle dermassen verinnerlicht, dass sie spielen kann. Sie kann jeden Auftritt neu gestalten und ist nicht gezwungen einen festen Ablauf von Bewegungen und Handlungen «abzuspulen». Diese Freiheit von Abläufen, nennen wir sie «szenische Souveränität», lässt jeden ihrer Auftritte, so grundverschieden sie in den Details sind, also genau so geplant und gewollt wirken. Und diese Auftritte sind so organisch, so echt, dass alle anderen Solisten immer integriert sind, die Szene nie stockt. Und da Santuzza in der «Cavalleria Rusticana» die Einzige ist, die ihre Gefühle frei äussert, wirken ihre Auftritt echt, wahr und realistisch im Sinne des Komponisten. Eine dieser Szenen ist, wie Santuzza jeweils ihre Annäherung an die Kirchentür gestaltet. Sie, die mit ansehen muss, wie Turridu, der sie entehrt hat, nun wieder Lola den Hof macht, sucht Trost, Halt, wird sich aber jedes Mal bewusst, dass sie diesen von der Kirche nicht bekommt. Wäre sie keine Frau, würde der Priester sie wohl genau so grob wie den lahmen Bettler verscheuchen. Die Suche nach Trost taucht gegen Ende der Oper wieder auf, wenn Santuzza die Madonnenstatue abtastet und vor Schmerz gekrümmt vor ihr niedersinkt. Santuzza trägt von Anfang an eine schwarze Stola: Nach all ihrem Schmerz, den sie beklemmend realistisch vermittelt und Turridus Tod im rituellen Messerkampf wir sie zum Witwenschleier. An diesem Abend war Robert Watson als Turridu Garančas Partner. Seine Stimme ist metallischer und heldischer als jene von Alvarez und hat weniger Schmelz. Leider war sie nicht gleichmässig geführt, denn die Höhen sind deutlich dünner und heller, manchmal fast körperlos. Vor allem fehlte Watson musikalisch wie szenisch jene Leichtigkeit, die Alvarez Interpretation ausmacht. Lucio Gallo sprang für den positiv getestete Petean als Alfio und Canio und konnte mit seinem kernigen, dunkel timbrierten, immer frei fliessenden Bariton von Anfang an uneingeschränkt überzeugen. Svetlina Stoyanova gab eine bei aller Zurückhaltung präsente Lola. Irène Friedli war als Mamma Lucia Santuzzas «Beichtmutter»und konnte ihre schleichende Akzeptanz dessen, was sie Anfang an weiss, eindrücklich umsetzen.

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Foto © Toni Suter

Ekaterina Bakanova war mit wohl dosiertem, hellen, kristallklaren dramatischem Sopran eine wunderbare Nedda. Marcelo Alvarez, der an diesem Abend «nur» den Canio sang, startete mit «Vollgas» und prächtigem Klang. Er wollte wohl etwas zu viel des Guten und so blieb die Stimme in der Schlussszene mehrfach für kurze Zeit weg. Lucio Gallo beeindruckte als Tonio mit einem eindrücklich intensiv vorgetragenem Prolog und wunderbar frei strömendem Barition. Samuel Dale Johnson sprang als Silvio für den postiv getesteten Xiaomeng Zhang ein und liess erkennen, warum sich Nedda eine Flucht mit ihm durchaus vorstellen könnte. Andrew Owens als Beppe sowie Utku Kuzuluk und Uwe Kosser als zwei Bauern ergänzten das Ensemble.

Der Chor der Oper Zürich, der Zusatzchor der Oper Zürich und Kinderchor der Oper Zürich (Choreinstudierung Ernst Raffelsberger) waren stimmlich eine Wucht und mit sichtbarem Vergnügen am Werk. Die Philharmonia Zürich unter musikalischer Leitung von Paolo Carignani spielte erneut einen traumhaften Abend.

Ein grosser Abend!

Weitere Aufführungen: Weitere Aufführungen: 26.01.2022. und 30.01.2022.

24.01.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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