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ZÜRICH/ Opernhaus: CARMEN von Georges Bizet:. Elina Garančas letzte Carmen

01.02.2026 | Oper international

Georges Bizet: Carmen • Opernhaus Zürich • Dernière: 31.01.2026

Eine Koproduktion mit der Opéra Comique Paris

(5. Vorstellung • Wiederaufnahme: 18.01.2026 • Premiere am 07.04.2024)

Elīna Garančas letzte Carmen

Elīna Garanča hat sich entschieden die Partie der Carmen zurückzulegen und so kam das Zürcher Publikum als letztes in den Genuss ihrer Rollen-Interpretation.

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Foto © Toni Suter

Die Dernière ist, wie kaum anders zu erwarten, die beste der 5 Vorstellungen der aktuellen Serie. Technisch gesehen dürfte die Interpretation Elīna Garančas aktuell kaum zu überbieten sein: Garanča bestätigt ihren Rang als Ausnahmesängerin voll und ganz. Die Stimme hat ein gutes Fundament und sitzt perfekt, trägt im ganzen Haus und es stehen ihr alle Farben und Schattierungen zu Verfügung. In den gesprochen wie den gesungenen Passagen, Zürich spielt die Original—Fassung, ist die akribische stilistische Vorbereitung nicht zu überhören: sie weiss, wie man ein Opéra comique spielt und singt. Zur Interpretation ein Oper-Partie gehört aber auch die szenische Interpretation, und die macht die Inszenierung von Andreas Homoki den Solisten, nicht nur Garanča, wirklich schwer. Wie soll in dieser nüchternen, ja sterilen Umgebung auch nur ein Hauch von Stimmung aufkommen? Die Bühne (Paul Zoller) bildet die Bühne der Pariser Opéra Comique nach, hat als von kahlen, grauen Mauern nichts zu bieten. Ein paar Tische und Stühle und die obligate Schmugglerware taugen nicht, um den Solisten ein Umfeld zu geben, das die für das Stück notwendige Atmosphäre bieten zu können. Kurz und gut: Die Szene ist ein totaler Stimmungskiller. Man möchte fast anfügen: Kein Wunder, dass es im dritten Akt schneit. Da hätten es auch alle die grossen Interpretinnen vergangener Tage schwer gehabt. Umso schwerer hat es ein «kühler», nordischer Typ. Garanča aber gibt alles, spielt und tanzt (!) und gibt der Rolle so weit Profil, wie das unter diesen Umständen überhaupt möglich ist. Das Publikum hat eine grossartige Vorstellung erlebt und bedankt sich mit begeistertem, stehendem Applaus.

Mit Stanislas de Barbeyrac als Don José hat Garanča einen Partner auf Augenhöhe. Der Tenor ist perfekte fokussiert und trägt im ganzen Haus. De Barbeyrac erweist sich als grosser Stilist und weiss sein kräftiges Organ adäquat mit der nötigen Leichtigkeit einzusetzen; als Muttersprachler gelingen ihm die Dialoge natürlich perfekt. Wie bei Garanča ist es auch bei ihm bewundernswert, was er unter den gegebenen Umständen leistet. Die Rolle des Escamillo hat Homokis Bestreben Carmen den Kitsch auszutreiben, besonders schwer zu spüren bekommen. Immerhin darf Escamillo noch ein Kostüm (Gideon Davey) tragen, das ihn als Torero kenntlich macht. Ildebrando d’Arcangelo gibt den Escamillo mit herrlich kernigem, perfekt fokussiertem Bassbariton und stupender Atemtechnik. Olga Peretyatko kann im Laufe der Serie als Micaëla nicht wirklich überzeugen. Emotion werden nicht vermittelt und ab letzten Abend der Serie neigt die Stimme mit Vibrato zu Schärfen. Siena Licht Miller als Mercédès und Yewon Han als Frasquita geben zwei glänzend disponierte, überzeugende Freundinnen Carmens.

Die Herren Johan Krogius als Le Remendado, Gregory Feldmann als Le Dancaïre, Guram Margvelashvili als Moralès und Stanislav Vorobyov als Zuniga ergänzen das Ensemble perfekt.

Domingo Hindoyan verfolgt mit dem Orchester der Oper Zürich einen zunehmend sinfonischen Ansatz, bleibt lautstärkemässig aber immer Rahmen. Das Orchester verbreitet wunderbaren Wohlklang und lässt glasklar Details erkennen, die sonst gerne dazu neigen unterzugehen.

 

Keine weiteren Aufführungen.

 

01.02.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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