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ZÜRICH/ Opernhaus: «Canzone d’Opera» • Liederabend Juan Diego Flórez . Corrida-Stimmung im Publikum

16.06.2026 | Konzert/Liederabende

«Canzone d’Opera» • Liederabend Juan Diego Flórez • Opernhaus Zürich • 15.06.2026

Corrida-Stimmung im Publikum

Liederabende mit Juan Diego Flórez (Piano: Vincenzo Scalera) gehören immer zu den Fixpunkten im Kalender des Belcanto-Fans. Wenn er dann das Publikum um Vorschläge für Zugaben bittet, kommt im Saal Corrida Stimmung auf.

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Foto © Gregor Hohenberg

Ein Liederabend mit Juan Diego Flórez gehört schon deshalb zu den sicheren Werten, weil hier jeweils ein klug disponierender Künstler in seinem ureigensten Fach zu erleben ist. Flórez weiss seit Jahren, was er, Grenzgänge eingeschlossen, sich und seiner Stimme zumuten kann und so sind keine Enttäuschungen zu erwarten, geschweige denn zu erleben.

Die Stimme sitzt noch immer perfekt und erfüllt mit ihrem Glanz und ihrer charakteristischen Farbe auch den letzten Winkel des Hauses, die strahlenden Höhen kommen immer noch bombensicher. Sie kommen nicht mehr mit der stupenden Leichtigkeit wie in früheren Jahren. Aber wer würde das bei der Entwicklung der Stimme vom Tenore di grazia hin zum lyrisch-dramatischen Tenor auch erwarten?

Bereits im ersten Beitrag, Mozarts Rezitativ und Arie «Misero! O sogno… Aura che intorno» KV431 begeistert Flórez mit seiner perfekten Technik (Legato) und dem charakteristisch unverwechselbaren Klang seiner Stimme. Bei den beiden Arien «Del più sublime soglio» und «Se all’impero amici Dei» aus «La clemenza di Tito» kann der Vergleich mit den Aufführungen vom April und Mai diesen Jahres gezogen werden. Ergebnis: Flórez kann mit einem eine Generation jüngeren Sänger ohne Probleme mithalten. Traumhaft schön gelingen die beiden Beiträge aus der Feder des Schwans von Pesaro: mit verführerisch dunklen Farben «La lontananza» aus den «Péchés de vieillesse» und mit perfekten Höhen die Arie «Quell’alme pupille» des Giocondo aus «La pietra del pararagone». Dramaturgisch geschickt ist der erste Höhepunkt vor der Pause platziert. Die Arie des George Brown «Viens gentille Dame» aus der viel zu selten gespielten «La Dame blanche» von François-Adrien Boieldieu.

Der zweite Teil des Abends entführt das Auditorium nach Spanien. In der Arie des Mateo «Flores purisimas» aus «El milagro de la virgen» von Ruperto Chapí (1851-1909) punktet Florez erneut mit seinen phänomenalen Höhen, in der Romanze des Fernando «Por el humo se sabedónde está el fuego» aus «Doña Francisquita» von Amadeu Vives (1871-1932) mit seinem emotionalen Mitgehen. Die Arie des Perico «Suena guitarrico mío» aus «El guitarrico» von Augustín Pérez Soriano (1846-1907) klingt fast etwas lateinamerikanisch (oder nach dem, was wir dafürhalten). Hier überzeugt Florez mit mustergültigen Piani. Die Arie des Werther «Pourqoi me reveiller?» aus «Werther» von Jules Massenet (1842-1912) gibt wieder die Möglichkeit eines Vergleichs und diesmal geht dieser eindeutig zu Gunsten von Flórez aus. Die Kavatine des Roméo «L’amour… Ah, lève-toi soleil!» aus «Roméo et Juliette» von Charles Gounod (1818-1893) macht Freude auf mehr: In der kommenden Saison wird Flórez als Roméo am Opernhaus Zürich zu erleben sein (https://www.opernhaus.ch/spielplan/kalendarium/romeo-et-juliette/2026-2027/). Die mit herrlichen Verzierungen vorgetragene Kavatine des Oronte «La mia letizia infondere… Come poteva un angelo» aus «I Lombardi alla prima crociata» von Giuseppe Verdi (1813-1901) beendet das reguläre Programm des Abends.

Wie nach jedem seiner Auftritte wird Florez auch diesmal vom Publikum enthusiastisch gefeiert – was er sichtlich zu geniessen scheint – und so dauert es nicht lange, bis ein Stuhl und ein Fussschemel auf der Bühne bereitgestellt werden. Nun bricht im Saal «Corrida-Stimmung» aus und Florez beglückt das Publikum mit zwei argentinischen Tangos und dem unnachahmlich vorgetragenen «La Paloma». Mit der unwiderstehlich vorgetragenen Arie „Ah! mes amis, quel jour de fête!“ aus «La fille du régiment» von Gaetano Donizetti (1797-1848) endet der Abend und Flórez zeigt nocheinmal, welch singulärer Sänger er ist.

 

Liederabende der Saison 2026/2027:

Mo. 05. Okt. 2026, 19.00: Olga Peretyatko, Klavier Matthias Samuil

Di. 10. Nov. 2026, 19.00: Lise Davidsen, Klavier James Baillieu

Mo. 14. Dez. 2026, 19.30: Bryn Terfel, Folk Band, Sänger des IOS, Patrick Rimes

Mo. 15. März 2027, 19.00: Jakub Józef Orliński, Klavier Michał Biel

Mo. 31. Mai 2027, 19.00: Julie Fuchs, Klavier Alphonse Cemin

Mo. 28. Juni 2027, 19.00: Elīna Garanča, Klavier Matthias Schulz

 

17.06.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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