2. La Scintilla‐Konzert: Neapolitanische Zeitreise • Opernhaus Zürich • Konzert: 30.10.2022
«Neapel hat die Musikgeschichte geprägt»
Mit der Zeitreise nach Neapel, durch vier Jahrhunderte Musikgeschichte, wurde das 2. La Scintilla‐Konzert zu einem Höhepunkt der Saison. Phänomenale Leistungen des Orchesters wie der Solistin Maria Grazia Schiavo prägten den Abend.

Maria Grazia Schiavo. Foto © Luciano Romano
«Neapel hat die Musikgeschichte geprägt», so der künstlerische Leiter Riccardo Minasi im Programmheft. Da neapolitanische Musik zu selten gespielt werde, hat sich Minasi entschlossen
zusammen mit dem Orchestra La Scintilla das Publikum auf eine Reise mit nach Neapel zu nehmen. Lauten‐ und Blockflötenklänge aus der Renaissance und Piano‐Klänge des 20. Jahrhunderts rahmtenein ausgesprochen vielfältiges, stilistisch perfekt und glühend leidenschaftlich dargebrachtes Programm. Als Gast war die in Neapel geborene Sopranistin Maria Grazia Schiavo eingeladen.
Der erste Teil des Abends enthielt Musik vom Hof (der zu dieser Zeit spanisch war, daher die
spanischklingenden Namen) wie auch Volks‐ und Strassenmusik und frühe Opernklänge wie zum
BeispielGeorg Friedrich Händel, der sich nicht nur in Rom, sondern auch in der Stadt am Vesuv aufhielt:
Anonym Zweite Hälfte des 15. Jh.: «Alle stamegne donne»
Pere Oriola 1440– 1484: «Trista che spera morendo»
Antonio Valente 1565– 1580: Romanesca
Diego Ortiz 1510– 1576: Recercada segunda
Francesco Provenzale 1624‐1704: «Chi d’amore lo strale ha in petto» aus «Stellidaura vendicante»
Giuseppe Avitrano 1670‐1756: Sonate in D‐Dur Op. 3 Nr. 2 «L’Aragona»
Georg Friedrich Händel 1685‐1759: «Verso già l’alma» aus «Aci, Galatea e Polifemo» HWV 72
Alessandro Scarlatti 1660‐1725: Concerto a sette parti Nr. 4 in g‐Moll
Nicola Porpora 1686‐1768: «Nocchier che mira vicino al lido» aus der Kantate «Or che d’orrido verno»
Anonym: Cicerenella
Traditonell: Tarantella und Saltarello
Ein erster Höhepunkt des Abends war «Nocchier che mira vicino al lido». Hatte Schiavo schon bei den
Renaissance‐Klängen mit nobler Zurückhaltung und glasklarer Intonation restlos überzeugt, konnte sie
hier mit rasend schnellen, blitzsauberen Koloraturen brillieren. La Scintilla überzeugte mit seiner und
der Instrumentalisten enormen stilistischen Vielfalt und der grossen Musizierfreude.
Nach der Pause ging es mit zwei Höhepunkten weiter:
Domenico Sarro 1679– 1744: Sinfonia aus «Achille in Sciro»
Niccolò Piccinni 1728‐1800: «Tu non saje» aus «Gelosia per gelosia»
Ferdinando Paër 1771– 1839: Concertone für Klarinette, Oboe, Viola und Violoncello in Es‐Dur
Gioachino Rossini 1792‐1868: «Sento un’interna voce» aus «Elisabetta, regina d’Inghilterra»
Ernesto de Curtis 1875‐1937:«Te voglio bene assaje»
Philipp Mahrenholz (Oboe), Francesco Spendolini (Klarinette), Karen Foster (Viola) und Claudius
Herrmann (Violincello) als Solisten im Concertone für Klarinette, Oboe, Viola und Violoncello in Es‐Dur
machten Paërs Werk zum Juwel und Genuss allererster Güte. Mit Piani, die den ganz grossen
Meisterinnen ihres Fachs zur Ehre gereicht hätten, setzte «Te voglio bene assaje» den Schlusspunkt
unter einen denkwürdigen Abend.
Weitere La Scintilla‐Konzerte:
27.02.2023: 3. La Scintilla‐Konzert: Händel
19.06.2023: 4. La Scintilla‐Konzert: Brahms / Dvořák
01.11.2022, Jan Krobot/Zürich

