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ZÜRICH/ Operettenbühne Hombrechtikon: PRINZ METHUSALEM von Johann Strauss Sohn. Methusalem ganz jung!. Premiere

08.09.2015 | Operette/Musical

Zürich: PRINZ METHUSALEM (Johann Strauss Sohn) – Operettenbühne Hombrechtikon 5.9.2015 – Premiere

Methusalem ganz jung!  

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Foto: Andreas Eggenberger

Nachdem die Operettenbühne Hombrechtikon, ein seit über zwanzig Jahren aktives, auf Privat-Initiative gestütztes Musiktheater-Unternehmen in der Region von Zürich, letztes Jahr eine gelungene Aufführung von Lortzings „Zar und Zimmermann“ präsentiert hatte, hat sie nun ein Experiment mit einer „Ausgrabung“ gewagt – und dabei gewonnen, was doppelt hoch anzurechnen ist. – Johann Strauss Sohn hatte seinerzeit, inspiriert durch den Erfolg von Offenbachs „Die Grossherzogin von Gerolstein“, etwas Ähnliches für Paris schreiben wollen, sah sich aber bald verschiedensten Hindernissen gegenüber, die nicht überwunden werden konnten. Nicht zuletzt war die Belastung durch den Deutsch-Französischen Krieg 1870 doch noch zu dominant. Strauss schrieb in der Folge sein Werk für die Wiener Verhältnisse um und führte es dort am Carlstheater 1877 erfolgreich auf. „Prinz Methusalem“, wie das witzige Werk heisst und dessen Titelheld so gar nichts mit dem „alten biblischen Herrn von 969 Jahren“ zu tun hat, erwies sich in der Folge als richtiger Publikums-Hit in deutschsprachigen Landen, verschwand aber nach dieser Erfolgsserie in der Versenkung. Es gab auch Wiederbelebungsversuche, die das Werk aber nicht im Repertoire verankern konnten. Nun aber hat ausgerechnet die Operettenbühne Hombrechtikum unter ihrem rührigen Chef Fred O. Krauss das Werk neu entdeckt und mit dem Dirigenten Caspar Dechmann und dem Regisseur Volker Vogel eine eigene Fassung erarbeitet.

Die Handlung ist schnell erzählt: Zwecks Sanierung des bankrotten Staatshaushalts Trocadero soll die Tochter Pulcinella des Fürsten Sigismund mit Methusalem dem Sohn von Cyprian, Herzog des blühenden Reiches Rikarak, vermählt werden. Entgegen allen Erwartungen verlieben sich die beiden jungen Leute, was aber wiederum nicht in die politischen Pläne der Fürstenhöfe passt. Intrigen werden gesponnen, doch das junge Paar ist gewitzter, übertölpelt die eitlen und machtbewussten, alten Fürsten und erklärt sich gleich selbst zum neuen Herrscherpaar. Eine politische Farce, mit Witz garniert und abwechselnd mit Wiener und Pariser Musik-Kolorit verbrämt.

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Prinz Methusalem – Felicitas Brunke, Pulcinella – Christa Fleischmann. Copyright: Andreas Eggenberger

Da gibt es den nervös agierenden Fürsten Sigismund von Simon Witzig mit angenehmem Tenor, sekundiert von seinem Berater Conte Vulcanio, der ein intrigantes Doppelspiel abzieht, dargestellt von Daniel Zihlmann, der arg zappelig wirkt und auch gesanglich nicht ganz ausgeglichen ist, hat aber eine gute Bühnenpräsenz. Cyprian, der Fürst des reichen Landes, wird durch Erich Bieri gekonnt in Schauspiel, Tanz und Stimme verkörpert, während Isabella Gichtbrock als dessen Frau Sophistika alle Klischees der streitsüchtigen Xantippe erfüllt. Stimmlich bietet sie einen angenehmen Mezzo. Als das junge Prinzenpaar Methusalem und Pulcinella vermochten beide Darstellerinnen voll zu überzeugen. Darstellerin, weil Methusalem eine Hosenrolle ist und von der fabelhaften Felicitas Brunke spielfreudig, gekonnt und stimmlich mit apart timbriertem Mezzo höchst glaubwürdig verkörpert wird. Als ihre Partnerin war Christa Fleischmann eine entzückende Prinzessin Pulcinella, die zudem über eine echten lyrischen Soubretten-Sopran, heute schon eine Seltenheit, verfügt. Beide Sängerinnen setzten der Aufführung Glanzlichter  auf. Der hervorragend singende und vom Dirigenten der Aufführung Caspar Dechmann perfekt einstudierte Chor – 26 an der Zahl – sang und spielte mit Begeisterung und Können. Das Orchester konnte diesem Niveau zu Beginn nicht ganz Paroli bieten, musizierte aber unter der sensitiven Führung von Caspar Dechmann im Verlauf der Aufführung immer inspirierter.   

In kleineren Rollen sind die Chorsolisten Sepp Hürlimann, Roland Kornus, Andreas Schiller sowie drei weitere nicht genannte Damen als  „Blumenmädchen“ hervorzuheben, wobei bei den Herren Roland Kornus mit seinem schön klingenden Bass – auch als Nachtwächter – auffiel.  

Die Regie von Volker Vogel war bewegungsreich (Kimi Fiebig, Regie-Assistenz) und streckenweise manchmal etwas arg klamaukig; die unter der Oberfläche verborgene politische Satire hätte ruhig etwas mehr herausgearbeitet werden können. Zudem könnte die Dramaturgie der aufführungseigenen Fassung noch einige Straffungen vertragen. Die schönen zwischen Commedia dell Arte und venezianischem Carnevale angesiedelten Kostüme von Monika Schmolt (Stefanie Schädlich, Maske) passten gut in das praktikable Bühnenbild von Fred O. Krauss.

15 Folge-Aufführungen vom 11.9. bis 11.10. und Tickets: www.operette-hombrechtikon.ch              

John H. Mueller

 

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