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ZÜRICH: LUCIA DI LAMMERMOOR. Derniere

20.03.2019 | Oper

ZÜRICH: Premiere: LUCIA DI LAMMERMOOR 14.09.2008, besuchte 6. Vorstellung seit der Wiederaufnahme am 22.02.2019) am 19.3.2019

Nello Santi macht nicht Musik, er ist Musik

Nach einer Wiederaufnahme bestenfalls auf Hauptprobenniveau nun das: ein Abend, an dem alles stimmte. Zwei neue Solisten, sonst war alles gleich. Aber nun von Anfang an.

Wie eigentlich immer, wenn er in Zürich dirigiert – das tut er nun seit 60 Jahren, was, allein auf weiter Flur, die Sonntagszeitung mit einem wunderbaren Interview zu würdigen wusste -, wurde Maestro Nello Santi begeistert vom Publikum empfangen. Es war ein kräftiger, langer Applaus. Lang war er. Mit knapp 90 Jahren kann der Weg durch den Graben dauern… Aber dann! Der Maestro zeigt, warum er eine lebende Legende ist. Natürlich ist da seine Erscheinung… Sein photographisches Gedächtnis… Die Erfahrung eines fast 70 Jahre währenden Dirigentenlebens… Ein Markenzeichen des Maestros ist die Demut vor dem Werk, die genaueste Kenntnis der Partitur. Und an diesem Abend zeigt, er, was das genau heisst: die Oper so zu dirigieren, dass alle Beteiligten zu ungeahnten Leistungen beflügelt werden und jeder Einzelne, trotz allfälliger Defizite, brillieren kann.

Bildergebnis für zürich lucia di lammermoor
Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Da wäre einmal die Philharmonia Zürich. Schon in der Wiederaufnahme hat sie hervorragend gespielt und sich nun nochmals gesteigert. Traumhaft!
Nina Minasyan sang wieder die Lucia di Lammermoor und war nur schwer wiederzuerkennen: Die Höhen waren da und nun auch eine Bühnenpräsenz, die im Verlauf des Abends immer stärker wurde. Die Stimme bleibt eher schwer, vermochte aber je länger je mehr zu überzeugen. Im Zusammenspiel mit ihrem Edgardo Ismaele Jordi waren dann plötzlich auch Emotionen da: wunderbar, wie sie im 4. Bild, als Edgardo der Hochzeitsvertrag gezeigt wurde und er sie verstossen hat, versucht nochmals seine Hand zu greifen, bevor er von Enrico und Arturo zusammengeschlagen wird. Bei Jordi bleiben die fehlende Technik, schlechte Atmung und dadurch herausgepresste Phrasen, und die fehlende Höhe, aber da er viel vom Piano her gearbeitet hat und, wie man es so schön nennt, sängerfreundlich dirigiert wurde, waren die Defizite weit weniger auffällig. Roman Burdenko gab mit grosser Stimme und guter Technik einen herben Enrico Ashton mit dem notwendigen Schuss Boshaftigkeit. Omer Kobiljak sang einen hervorragenden Arturo und Jamez McCorkle wäre mit etwas weniger Vibrato ein sehr guter Normanno. Wenwei Zhang war Raimondo und grossartig bei Stimme: hier ist die Luft nach oben im Bereich der Diktion. Gemma Ní Bhriain als Alisa und Ginger Nicole Wagner Die weisse Frau ergänzten das Ensemble.
Mit grosser Spielfreude aktiv war der Chor der Oper Zürich, vorbereitet von Janko Kostelic.

Die Beobachtungen sind nun berichtet, die Defizite aufgezählt. Entscheidend ist aber der Gesamteindruck des Abends und der war hervorragend. Hier wurde Belcanto auf hohem Niveau geboten und es war beeindruckend, wie das Gelingen der Oper von jedem Einzelnen abhängt und die Beteiligten gegenseitig zu Höchstleistungen gebracht haben.

Standing Ovations am Schluss. Nicht nur, aber vor allem für Nello Santi.

Keine weiteren Aufführungen in der Saison 2018/2019.

Aber: Gemäss Interview in der Sonntags-Zeitung ist ein Vertrag unterschrieben und Santi dirigiert 2020 den Liebestrank. Die Zürcher Opernfans wünschen ihm Gesundheit und hoffen auf ein Wiedersehn!

22.02.2019, Jan Krobot/Zürich

 

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