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ZÜRICH/ Florhof: DIE WALKÜRE / 1. Akt- Szenisches Opernkonzert

28.04.2015 | Konzert/Liederabende

Zürich – Musikschule Konservatorium – Grosser Saal „Florhof“ – „Die Walküre, 1. Akt“  – Szenisches Opernkonzert vom 25. April 2015

 Im Salon Wesendonck bei Champagner und Butterbrot

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 Roberto Gionfriddo, Mona Somm. Copyright: Michael Hug

G.s.M. – das ist nicht etwa der Name des Navigationssystems, mit dessen Hilfe Richard Wagner in seinem bewegten Leben in der Weltgeschichte herum geflohen ist, nein – diese drei Buchstaben finden sich in der leider nicht mehr auffindbaren Partitur der „Walküre“ und bedeuten „Gesegnet sei Mathilde“. Dass diese Widmung ausgerechnet in der Walküre steht, verwundert angesichts der Tatsache, dass sich in der Geschichte um Siegmund, Sieglinde und Hunding konkrete Hinweise auf die Beziehung zwischen dem Komponisten, Mathilde Wesendonck und deren Gatten finden, in keinster Weise. Ein weiteres interessantes Detail ist, dass die private Uraufführung des ersten Ringtages anlässlich des 53. Geburtstags von Franz Liszt in Beisein Wagners und des Ehepaares Wesendonck im Hotel Baur au Lac in Zürich stattfand.

 Dies alles ist die charmante Ausgangslage für ein gewagtes Experiment, an welches sich die Vorstandsmitglieder der Schweizerischen Richard Wagner-Gesellschaft (SRWG) wagen wollten. Grundidee war eigentlich, für Mitglieder und übrige Wagnerfreunde den unvergesslichen ersten Walküren-Akt des Freiburger Rings in möglichst originaler Besetzung nochmals aufleben zu lassen.

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Schlussapplaus. Foto: Stefan Gallati

 Angedacht als reiner Konzertabend mit Klavierbegleitung entwickelte sich der Abend unter Bernadette Feisst und Carina Gundberg jedoch zu einem veritablen Operngrossanlass. John H. Mueller – ja, es handelt sich hier um „unseren“ Mit-Merker!! – sorgte für die szenische Umsetzung. Dies geriet derart überzeugend, dass man den Begriff „halbszenisch“ auf dem Flyer durchaus als Druckfehler bezeichnen darf.

 John H. Mueller verlegte die Geschichte in den Salon der Familie Wesendonck, wo unverkennbar Mathilde auf die Heimkehr ihres Gemahls wartet, dabei eben den Besuch des leidenschaftlichen, revolutionären Künstlers – der ganz bewusst NICHT als Wagner gezeichnet wird – erhält, sich in ihn verliebt und zusammen mit ihm aus dem konservativen hundingschen Korsett ausbricht und durch den Saal ins Freie flieht  – ein Blick zurück: Hunding bzw. Wesendonck steht reglos auf der Bühne – er hat die Flucht sehr wohl entdeckt.

 Mit grosser Freude sagten die Protagonisten der Freiburger Aufführung zu: Angefangen beim wunderbaren Tenor Roberto Gionfriddo, der auch an diesem Abend mit seinem italienischen Touch Siegmund eine ganz besonders leidenschaftliche Note verlieh: Heldisch und lyrisch zugleich. Seine Wälsungenrufe und die „Winterstürme“ sorgten für absolute Ergriffenheit mit der dazugehörenden Gänsehaut.

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Mona Somm. Foto: Stefan Gallati

 Ihm zur Seite als Sieglinde bzw. Mathilde Wesendonck die fantastische Mona Somm, welche man leider gegenwärtig noch viel zu wenig auf der Bühne erleben kann. Sie feiert jedoch in Erl an den dortigen Festspielen unter Gustav Kuhn als Brünnhilde grosse Erfolge – es ist deshalb unverständlich, warum diese Ausnahme-Wagnersängerin den Sprung auf die bedeutendsten (Wagner-)Bühnen dieser Welt noch nicht geschafft hat. Mit leidenschaftlicher Spiel- und Sangesfreude berührte sie an diesem Konzertabend als selbstbewusste, jedoch tief verzweifelte Sieglinde – bzw. Mathilde – besonders. Keine scharfe, schrille Höhe, dafür viel Emotionen in den leisen und dramatischen Stellen – sowie perfekte Harmonie mit ihrem Partner Gionfriddo.

 Als „Gast“ – er war in Freiburg nicht dabei – konnte der bayreutherfahrene Martin Snell für diesen Abend als Hunding gewonnen werden. Ein wahrer Glücksfall: Mit dunkler, dämonischer Stimme und ebensolcher Ausstrahlung füllte er den Saal mit schwarzem, kraftvollem Klang. Ein Sänger, den ich gerne wieder öfters auf der Bühne erleben möchte!

 An der Weltesche – so bezeichnet man wohl Flügel, aus welchen man Schwerter ziehen kann – begleitete Barbara Maria Sachs virtuos und einfühlsam die Aufführenden auf der Bühne. Mit ihrem brillanten, klangschönen Spiel entlockte die junge Pianistin dem Instrument herrlichsten Wagnerklang mit vielen Spannungsbögen und machte den Zuhörer ganz vergessen, dass kein Orchester für die musikalische Begleitung sorgte.

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Martin Snell, Mona Somm, Roberto Gionfriddo, Dr. John H. Müller. Foto: Michael Hug

 Die 250 Konzertbesucher im fast ausverkauften Saal begriffen sofort, dass sie an diesem Abend etwas Besonderes erlebt hatten und erhoben sich sofort spontan zur Standing Ovation für die Künstler und den Regisseur. Ergriffen verdankte SRWG-Präsident Stefan Galatti die Künstler und lud zu Champagner und Butterbroten – wie damals eben!

 Ein unvergesslicher Abend!

   Michael Hug

 

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