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ZOLLIKON/ Gemeindesaal: OLIVO E PASQUALE – Gastspiel Zürcher Kammeroper

06.01.2024 | Oper international

Gaëtano Donizetti: Olivo e Pasquale • Zürcher Kammeroper im Gemeindesaal Zollikon • Vorstellung: 05.01.2024

Schweizer Erstaufführung

(2. Vorstellung • Premiere am 31.12.2023)

Hervorragende Unterhaltung ist garantiert

Das Melodramma giocoso in zwei Akten «Olivo e Pasquale» ist die erste von vier Opern Donizettis, die im Jahre 1827 zur Uraufführung gelangen. Bereits seit 1822 vertraglich an die Theater Neapels und deren Impresario Domenico Barbaja gebunden, unterzeichnete Donizetti zu Beginn dieses Jahres einen Dreijahresvertag mit Barbaja über vier Opern jährlich.

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Foto © Dennis Yulov

Das Libretto zu «Olivo e Pasquale» stammt von Jacopo Ferretti (1784-1852), einem der führenden Librettisten der Zeit, und basiert auf der gleichnamigen Komödie von «Olivo e Pasquale» (1794) von Antonio Simone Sografi (1759-1818). Die für Neapel (Teatro Nuovo, 01.09.1827) überarbeitete Version unterscheidet sich von der Fassung der Uraufführung dadurch, dass Camillo mit einem Tenor statt Alt besetzt ist und durch neu komponierte Partien im zweiten Akt sowie neue Finali. Das Orchesterarrangement der in Zollikon gespielten Fassung stammt von Matthias Bucher und Andreas Luca Beraldo, die Zwischentexte und die bewährte Regie (Details in der zweiten Besprechung) von Paul Suter.

Das Melodramma giocoso spielt in Lissabon im Haus der «Fratelli mercanti» Olivo und Pasquale. Jeden Morgen wird, auf Anordnung der gestrengen Bürovorsteherin Hortensia de Souza (zusätzliche Figur der Zolliker Fassung), die Büste des Firmengründers Dom Sebastiao gewürdigt. Dessen Nachfolger Olivo und Pasquale führen mittlerweile die Firma. So grundverschieden, so zerstritten sind sie und machen sich mit gegenteiligen Anordnungen das Leben schwer. An diesem Tag erwartet Olivo seinen vermögenden Geschäftsfreund Monsieur Le Bross aus Cadiz, den er mit seiner Tochter Isabella zu verheiraten und so die Firma zu sanieren gedenkt. Isabella aber hat ihr Herz bereits dem «Giovane di Negozio» Camillo geschenkt und wird von diesem heiss wiedergeliebt. Isabellas Dienerin (in der Zolliker Fassung Hausdame) Matilde, von der Gerüchte besagen sie sei Isabellas Mutter, sorgt auch dafür, dass die Leidenschaften nicht überkochen. Der Sekretär Columella (im Libretto der Uraufführung ein verarmter, reisender Edelmann) führt Olivo und Pasquale in den Hafen, um den eben mit dem Schiff eingetroffenen Gast abzuholen. Isabella will den ihr unbekannten Le Bross nicht heiraten: Matilde hat bereits einen Plan Isabella und Camillo zusammenzubringen. Das erste Zusammentreffen der potentiellen Brautleute verläuft erwartbar chaotisch, bis der Hausdiener Diego mit der Ankündigung des Festmahls die Situation klärt.

Der zweite Akt beginnt mit einer heftigen Auseinandersetzung der Brüder. Der Bürodiener Umberto verhindert mit der Meldung, Le Bross sei bereit offiziell empfangen zu werden, eine handgreifliche Auseinandersetzung. Energisch ruft Olivo seine Tochter Isabella herbei. In einer längeren Unterhaltung mit Le Bross gesteht ihm Isabella einen anderen zu lieben. Statt dass Le Bross auf die Ehe pocht, bietet er Isabella seine Hilfe an. Matilde ist bereits aktiv geworden und behauptet, um Olivo umzustimmen, gegenüber Columella, dass Isabella ihm ihr Herz geschenkt habe. Zur in aller Eile angesetzten Vermählung erscheint Columella hoffnungsvoll in grosser Garderobe. Das Chaos ist perfekt: Le Bross will Isabella nicht heiraten, Columella will Isabella heiraten und Isabella nimmt all ihren Mut zusammen und bekennt Camillo heiraten zu wollen. Olivo droht sie, wenn er bis fünf Uhr nachmittags nicht zustimme, gemeinsam mit Camillo Suizid zu begehen. Punkt fünf Uhr ertönen zwei Schüsse und Olivo bereut seine Härte. Gegenüber Le Bross bekennt er, in Zukunft anders entschieden zu würden. Es kommt zum Lieto fine, denn Le Bross hat dafür gesorgt, dass die Schüsse nur vorgetäuscht waren: Nun gibt Olivo seine Zustimmung zur Heirat von Isabella und Camillo.

Erich Bieri kann als Olivo sein komödiantisches Talent voll ausleben und überzeugt mit seinem in jeder Lage blendend geführten Bass-Bariton. Yves Brühwiler ist ihm als Pasquale mit angenehm hell timbrierten Bass ein würdiger Bruder. Nikolaus Rüegg führt als Conférencier (Steuerkommissär Alvaro Spinola) wortgewandt und angenehm zurückhaltend durch den Abend. Andrea Suter gibt ihrem absolut höhensicheren, sauber geführten Sopran eine vor Lebensfreude überbordende Isabella. Alexandra Forster gibt mit verführerischem Alt den Camillo. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten überzeugt Christoph Waltle als Le Bross. Barbara Hensinger hält als Matilde im Hintergrund die Fäden zusammen. Roland Kornus als Diego, Barbara Villiger Heilig als Hortensia de Souza, Denise Johansen als Frida, Gabriel Molino als Umberto und Matthias Lorenz-Binondo als Kapitän des Dampfers und Kellner ergänzen das ausgesprochen spielfreudige Ensemble.

Die zehn Musiker des Orchesters der Kammeroper Zürich unter der bewährten Leitung von Caspar Dechmann bringen die bisher in der Schweiz noch nie gespielte Partitur ganz wunderbar zum Klingen. Was den Hörer von heute an Rossini erinnert und was auf den «späteren» Donizetti vorausweist ist perfekt ausgeglichen. Dechmann hat auch die acht Sänger des Herrenchors der Kammeroper Zürich bestens vorbereitet.

Die Zolliker Fassung, die auf der Uraufführungsfassung beruht, lässt einen Donizetti erklingen, den man so nicht kennt. Die Besetzung des Camillo mit einem Alt ist eine Nachwirkung der in Rom populären Kastraten. Opern waren zu dieser Zeit immer massgeschneidert auf das Ensemble der Uraufführung und so ist anzunehmen, dass in Rom ein hervorragender Alt (Anna Scudellari Cosselli, Gattin eines der führenden Bassisten seiner Zeit) zu Verfügung stand und ebenso, auf Grund des anspruchsvollen Parts, ein hervorragender Klarinettist. Die Musik selbst erinnert an die von Rossini und Mayr, die Donizetti sich hier kreativ angeeignet hat. Die Zolliker Fassung bietet einen hervorragenden Einstieg in das nördlich der Alpen kaum bekannte Werk und macht Lust auf Mehr.

Hervorragende Unterhaltung ist garantiert!

Weitere Aufführungen: 06.01.2024, 07.01.2024, 12.01.2024, 13.01.2024 und 14.01.2024.

 

06.01.2024, Jan Krobot/Zürich

 

 

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