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WÜRZBURG: DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR

23.03.2016 | Oper

WÜRZBURG: DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR am 22.3. 2016 (Werner Häußner)

 Über den Zusammenhang von Bühne und Musik zu philosophieren hat lange Tradition. Doch manchmal erübrigen sich gelehrte Worte. Nämlich dann, wenn der gegenseitige Einfluss in der Praxis so erlebbar wird wie in der momentanen Aufführungsserie von Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ am Mainfrankentheater Würzburg. Da gab es in der Premiere zum soliden, aber von Finesse nicht gerade gesegneten Einspringer-Dirigat von Romely Pfund eine um lustige Beweglichkeit bemühte Geschichte zu sehen.

Nun hat GMD Enrico Calesso den Stab übernommen, dem ihm die Grippeviren zur Premiere in unerreichbare Ferne gerückt hatten. Und siehe da, das Philharmonische Orchester spielt wie nach einer Frischzellenkur. Jetzt atmen und schwingen die melodischen Linien, fügt sich der Holzbläsersatz schmiegsam in den Streicherklang, gewinnt Nicolais kluge Musik den federleichten Feenglanz Mendelssohns, die spritzig-kurzen rhythmischen Akzente aus der Tradition Aubers, aber auch die – parodistisch gemeinte – Reminiszenz an deutschromantisches Heldentum á la Marschner und Kreutzer. Calesso bringt die Balance im Klang mit, die Flexibilität des Metrums, den Ausdruckswillen der musikalischen Artikulation – und eine Portion italienischen Schmelz, den der an Kapazitäten wie Donizetti und Mercadante geschulte Nicolai aus dem Süden mitgebracht hat, wo er sich mit qualitätvollen Opern gegen die Konkurrenz am Markt behaupten konnte.

Der Esprit aus dem Orchestergraben wirkt sich auf der Bühne aus. Auf einmal geht in der Inszenierung von Gregor Horres ineinander über, was in der Premiere wirkte, als stünde es nebeneinander. Auf einmal fließen die Bewegungen, greift die Aktion der Würzburger Darsteller, als habe sie sich von selbst ineinander verzahnt. Das Tempo stimmt jetzt – auch wenn die Inszenierung dadurch nicht mehr Tiefsinn bekommt, wird sie doch schlüssiger. Das Ensemble wirkt befreit und sicher; Polina Artsis – als Zweitbesetzung für Frau Reich – fügt sich mit ansprechendem, ausgeglichen geführtem Mezzo in die beflügelte Sängerschar ein.

Werner Häußner

 

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