Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WILHERING/ Theaterstadl im Stift: EIN SOMMERNACHTSTRAUM nach William Shakespeare (Premiere)

17.07.2026 | Theater

15.7.2026: THEATERSTADL STIFT WILHERING – EIN SOMMERNACHTSTRAUM nach William Shakespeare (Premiere)

demer

Erstauntes Erwachen nach einem „Midsummernight‘s Dream“ – Hanna Gruber (Helena), Alexander Knaipp (Demetrius), Maximilian Bendl (Lysander) und Sofie Pint (Hermia) – v.l.n.r. © Reinhard Winkler

Es ist ein nicht sonderlich verträumt-romantischer, dafür aber umso turbulent-humorvoller Sommernachtstraum nach William Shakespeare, in den der umtriebige oberösterreichische Theatermacher Joachim Rathke mit seinem Theater Spectacel Wilhering im sogenannten Theaterstadel, einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude im Schatten der altehrwürdigen Stiftskirche der Zisterzienser weniger Kilometer westlich von Linz entführt. Er stellt sich damit in eine ganze Reihe von Sommertheater-Produktionen, die sich in diesem Sommer mit Shakespeares berühmtester Komödie befassen – obwohl es ja einem kleinen Übersetzungsfehler zu danken ist, dass das Werk offenbar als Sommerstück par excellence betrachtet wird – spielt es, dem englischen Titel nach, doch nicht im Hochsommer, sondern in der sagenumwobenen Nacht der Sommersonnenwende, der „Midsummernight“ … Wie auch immer: gemeinsam mit seiner Dramaturgin Doris Happl hat Rathke eine freche Neufassung vorgelegt, die zeitlich im Heute, geographisch im Hier des Landes ob der Enns und im Böhmerwald spielt.

So zumindest die Ankündigung, die allerdings abgesehen von der in weiten Teilen von den jungen Leuten, dem Puck sowie Theseus und Hippolyta tatsächlich gesprochenen „heutigen“ Sprache (wo der Shakespeare-sche Text in einer vertraut-klassischen Übersetzung erklingt, wird er explizit als Zitat ausgewiesen) eher zurückhaltend eingelöst wird: auf textlicher Ebene gibt es rund um die etwas umgedeutete Figur der Hippolyta ein paar aktuelle Bezüge zu woken gesellschaftlichen Themen, die aber nur angerissen werden, ohne die gewohnte Handlung des Stücks sonderlich zu beeinflussen, und einige wenige Anspielungen auf einschlägige Örtlichkeiten in der Umgebung. Die beiden jungen Paare sind so angezogen, als hätten sie sich rasch noch bei H&M eingekleidet, aber sonst legt sich die Ausstattung beim Hof des Theseus und beim Elfen-Wald nicht fest, sodass diese genauso gut wirklich in Athen angesiedelt sein könnten und sich deren Verlegung in die Region nicht erschließt. So äußert sich diese am deutlichsten in der tollpatschigen Theatergruppe, die sich in urigem oberösterreichischem Dialekt unterhält und auch von den Typen her reichlich Lokalkolorit verströmt. Es ist halt immer so eine Sache mit diesen Überarbeitungen: zieht man sie radikal durch – waren doch Shakespeares Werke, gerade die Komödien, zu ihrer Zeit bestimmt auch „heutig“ und voll aktueller Bezüge, – oder lässt man sie in ihrem ursprünglichen Kontext und überlässt die „Übertragungsleistung“ dem Publikum? Im Dazwischen liegen die Stolpersteine für die Plausibilität des Endergebnisses, wie etwa die Namen der vier jungen Leute, die im Oberösterreich des 21. Jahrhunderts wohl nur dann Hermia, Helena, Demetrius und Lysander heißen würden, wenn ihre Eltern Altphilologen sind, oder der Umstand, dass eine Hermia aus Linz, wenn sie sich den Heiratsplänen ihres Vaters widersetzte, wohl weder dem Tod noch dem Kloster überantwortet würde. Auch nicht sonderlich atmosphärisch ist die Location an sich, eher – noch dazu, da man zugunsten eines flüssigen Ablaufs des Geschehens die Bühnenausstattung auf das Notwendige und Wesentliche reduziert (Ausstattung: Renate Schuler) – ein etwas sprödes Ambiente für ein so von Zauber und Phantasie durchatmetes Stück, ein Eindruck, den die Umgebung des lauschigen Stiftsgartens im Kontrast noch verstärkt.

So bleibt es an den Darstellerinnen und Darstellern, nur von den notwendigsten Utensilien, Requisiten und Kulissen unterstützt, die Geschichte von den Irrungen und Wirrungen der magischen Nacht dem Publikum zu vermitteln und nahegehen zu lassen – was dem engagierten Ensemble größtenteils vorzüglich gelang: allen voran den beiden jungen Paaren, Sofie Pint als in ihrer erst verbotenen, dann verratenen und schließlich wieder errungenen Liebe warmherzig berührende Hermia und der dank köstlicher Slapstick Körpersprache überaus unterhaltsamen Helena von Hanna Gruber sowie den beiden uneitel selbstironischen Alexander Knaipp und Maximilian Bendl als testosterongesteuerte Demetrius und Lysander. Nora Dirisamer spielte als kantig-herber Puck ihr quirliges Bewegungstalent aus und wurde dabei sekundiert von den drei, für ihr jugendliches Alter auffallend präsenten und präzisen Elfen Viktoria, Greta und Sophia Gruber. Die „Obrigkeiten“ Theseus und Hipolyta sowie Oberon und Titania wurden von den selben beiden Schauspielern dargestellt, was eine weitere, dem tiefenpsychologischen Blick vermutlich sehr entsprechende, Beziehungsebene zwischen den Figuren öffnete – die aus Ghana stammende Nancy Mensah-Offei gestaltete eine kindlich-natürliche Feenkönigin, hatte aber als Hippolyta im Sinne der humanitären Botschaft, für die sie sich engagierte, eher harsche Töne anzuschlagen, wovon sich Matthias Hack als in sich ruhender Vertreter der patriarchalen Welt allerdings wenig beeindruckt zeigte. Die Herzen des Publikums auf seiner Seite hatte der sympathisch-ulkige, gutmütig schlichte Zettel von John F. Kutil, der mit sichtlichem Genuss alles, aber wirklich alles aus seiner Rolle (und aus seiner Aufgabe als Pyramus) herausholte.

Weitere Vorstellungen bis 7. August.

Valentino Hribernig-Körber

 

Diese Seite drucken