Wiesbaden/ Staatstheater: FIDELIO – in der Inszenierung von Evelyn Herlitzius (16.10.2022)
War das eine Schmonzette! Eigentlich liebe ich diese Oper besonders. Aber was die Sänger-Regisseurin Evelyn Herlitzius hier gestern auf die Bühne bringen durfte, das war wirklich mickrig.
Im Foyer warb Amnesty International sogar um Unterschriften, dabei hatte diese Inszenierung keinerlei aktuelle Bezüge. Dabei hätte man doch nur die Frauen Kopftücher tragen lassen müssen, um auf den Iran hinzuweisen, oder der Gefangene Florestan hätte weiße Haare wie Assange haben können, damit wären schon einige Gefühle geläutert worden! Beethoven hätte diese Inszenierung heute nicht gefallen. Das ganze Bühnengeschehen war eine Klamotte und ist schon tausend mal so gezeigt worden.
Auch die Beziehung zwischen Leonore und Roccos Tochter Marzelline, deren Liebesgefühle übelst mißbraucht wurden, blieb völlig unterbelichtet.
Und der Gouverneur – der hätte doch provokant auch mal „Ministerpräsident“ genannt werden können -, der Don Pizarro war – altmodisch wie immer – nur ein übel rumpelnder Nazi-Verschnitt, anstatt z.B. in einem feinen Anzug mit guten Manieren, so wie Karrieristen seinesgleichen heutzutage auftreten. Außerdem war er beim Mordversuch völlig unglaubwürdig inszeniert.
Einzig die musikalische Darbietung durch den Dirigenten Will Humburg war Spitze, sie hatte wirklich jeden Applaus verdient.
Aber DIESER Applaus war garantiert diversen Claqueuren abgekauft, das konnte jeder hören. Während alle rausgingen mit einer gewissen Enttäuschung (O-Ton: „Noch nie hat mich eine Fideio-Inszenierung so wenig berührt“) staunte doch jeder nicht schlecht über die, die da so frenetisch applaudierten. Aber was ist schon echt !?
Wahrscheinlich ist nicht mal der Abgang des Intendanten – der das ganze Haus als Geisel nimmt, um seine Egomanien zu befriedigen.
J. Mandelkern

