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WIESBADEN/ Hessisches Staatstheater: ELEKTRA

28.01.2016 | Oper

Wiesbaden: „ELEKTRA“ 28.01.2016


Erika Sunneghard (Chrysothemis) und Catherine Foster (Elektra). Copyright: Kaufhold/ Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Zur Neueinstudierung der „Elektra“ – Produktion (2010) von Richard Strauss  gelang dem Hessischen Staatstheater ein ganz großer Wurf, ganz besonders dem Engagement von Catherine Foster.

Mit Sicherheit dürfte gegenwärtig Frau Foster (für mich) als stimmschönste Vertreterin der Atriden-Tochter gelten, hatte ich bereits vor Jahren das große Vergnügen, der kaum zu überbietenden  Sängerin in dieser Rolle sowie weiteren eindrucksvollen  Partien  zu begegnen.

Zweifellos gewann das Stimmpotenzial dieser eindrucksvollen Sänger-Darstellerin zunehmend an Volumen, immensem Farbenreichtum und dürfte mit dieser grandiosen Vokalleistung, unangefochten die Weltspitze darstellen. In Verbindung von Virtuosität und Brillanz portraitierte Catherine Foster die unglückliche, rachsüchtige Tochter Agamemnons.

In atemberaubender Akkuratesse, schlafwandlerischer Sicherheit führt sie ihren erstklassigen Sopran durch eine wahre „Tour de Force“ und steigerte sich vehement in die kräftezehrende Partie.

Warm im Timbre entfaltete Foster den Goldton der tragfähigen Mittellage, führt das klangvolle Material unforciert in die beachtlichen Extremhöhen, ohne jeglichen Verlust der überwältigenden  Stimmschönheit. Trotz expansiver Spitzentöne verstand es die exzellente Sopranistin mit innigen, lyrischen Piani-Passagen zu berühren, in Verbindung einer dezenten und dennoch sehr intensiven, bewegenden Darstellung, welche sich zudem durch eine ganz persönliche, körperliche Innenspannung auszeichnete.

Selten erlebt man eine Klytämnestra im Vollbesitz der bestens fokussierten, intakten, farbenreichen Mezzostimme. Dalia Schaechter beeindruckte in qualitativ vortrefflicher Gesangslinie, bester Deklamation, raumfüllender Intonation und vermittelte in äußerst überzeugendem Spiel eine charakterstarke Interpretation. Somit wurde das  Meeting von Tochter und Mutter zum Psycho-Kammerspiel und dramatischen Höhepunkt der Aufführung.

Mit lyrischen Tönen, jugendlich-dramatischer Sopranfrische gab Erika Sunnegardh der konträren Chrysothemis ein aussagekräftiges Profil und betonte in intensivem, schier entrücktem Spiel eine völlig neue Präsenz dieser Partie.

Mit heldischen Attributen,  kräftigen schönstimmigen, bass-dunklen Schattierungen umriss Young Doo Park den rachsüchtigen Orest und verlieh der Begegnung mit der Schwester, eine besonders innig-berührende , darstellerisch-bewegende  Intensität.

Zur vokalen Ergänzung der kleineren Partien sowie der Mägde reihten sich bewährte Mitglieder des Ensembles sowie der Staatstheater-Chor ins Geschehen.

Mit Vehemenz leitete Vassilis Christopoulos  das Hessische Staatsorchester, steigerte sich mit dem ausgezeichnet musizierenden Klangkörper zunächst verhalten in die unsagbaren Leidenschaften der Partitur, ließ pompös auftrumpfen, legte Wert auf  kluge Staffelungen der expressionistischen Orchesterfluten und hielt auch stets die umsichtige Distanz zum Nuancenreichtum der zarten, gewobenen, feinnervigen Töne. Zudem erwies sich der umsichtige Dirigent als ausgezeichneter Sängerbegleiter.

In psychologischer Kontrastierung und Feinarbeit verstand es die Spielleitung Magdalena Weingut die Protagonisten höchst inspiratorisch die Intentionen der Inszenierung aus dem Jahre 2010 von Rebecca Horn zu vermitteln. Die Regisseurin war damals ebenso für die Bühnenausstattung zuständig. Dunkel der Treppenaufbau, mit Einblendungen von Palastfragmenten, dem Schlafzimmer Klytämnestras auf der erhöhten Hinterbühne. Rechts ein Gitterkäfig für Elektras Gefangenschaft, unnötig die Interieurs:  Puppenwagen, Blutbecken, Spielzeug-Pferd. Optisch angenehm die Kostüme (Amélie Haas), stark in der Aussage, regelrecht genial das Lichtdesign (Andreas Frank).

Fazit: Exzellente vokale Glanzleistungen dazu eine optisch hervorragende Produktion, ließ das Herz der Strauss-Opern-Liebhaber einfach höher schlagen. Bravo!

Gerhard Hoffmann

 

 

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