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WIESBADEN: DIE FRAU OHNE SCHATTEN

30.09.2016 | Oper

Staatstheater Wiesbaden: DIE FRAU OHNE SCHATTEN am 29.9.2016

Nicola Beller Cabone (Färberin)-Oliver Zwarg (Barak) (c) M. Forster
Nicola Beller-Carbone (Färberin), Oliver Zwarg (Barak). Copyright: Monika Forster

Noch immer ist „Die Frau ohne Schatten“ ein selten anzutreffendes Werk im Opern-Alltag. Umso schöner, wenn das Staatstheater Wiesbaden seine gelungene Produktion, inszeniert vom Intendanten Uwe-Eric Laufenberg, nochmals aufnahm. Traurig war allerdings der äußerst dünne Zuspruch des Publikums. Gerade mal 280 Zuschauer fanden den Weg ins Große Haus des Staatstheaters!

Die Inszenierung erzählt sehr gradlinig die Geschichte und differenziert optisch geschickt zwischen Kaiser- und Färberwelt. Sehenswert ist vor allem die Entfremdung des Färber-Paares. Es ist berührend deren Weg zu verfolgen, bis sie wieder zueinander finden. Immer wieder keimt da verloren vergangenes Gefühl auf.

Musikalisch war auch die zweite Vorstellung der Wiederaufnahme-Serie hörenswert. Gast-Dirigent Vassilis Christopoulos, der in der vergangenen Spielzeit mit einem mitreißenden Elektra-Dirigat begeisterte, überzeugte auch hier. War sein Vorgänger, Ex-GMD Zsolt Hamar, sehr oberflächlich mit dieser vielschichtigen Partitur umgegangen, so überzeugte Christopulos in jedem Moment. Die Tempi und die Dynamik waren ausgewogen. Der Kontakt zur Bühne stimmte. Sehr souverän ließ er ausmusizieren und scheute auch nicht die dynamischen Entladungen dieses Werkes. Das Staatsorchester Wiesbaden, ein Klangkörper, der sonst in der Vergangenheit eher durch große Niveau-Unterschiede zu oft negativ in Erscheinung trat, war kaum wiederzuerkennen. Klangschön in allen Instrumentengruppen, blitzsauber in der Intonationen, erschien dieses Orchester, wie ausgewechselt. Geradezu sensationell geriet das überragende Cello-Solo von Johann Ludwig in der großen Falkner-Szene. Selten habe ich diese herrlichen Minuten derart hinreißend und klangschön gehört. Die Zeit stand still. Ein magischer Moment! Zurecht erhielt Ludwig am Ende große Ovationen! Aber auch die übrigen Soli von Solo-Violine oder vielfach in den Holzbläsern, konnten sich hören lassen.

Bei den Sängern gab es überwiegend positive Eindrücke. Als neue Kaiserin war Vida Mikneviciute zu hören. Eine eher lyrische Stimme mit schnellem, flirrenden Vibrato, die zunächst etwas zu unruhig startete. Im Laufe des Abends wuchs die Sängerin über sich hinaus und blieb der Partie nichts schuldig. Die große Soloszene im 3. Akt war in der Beseeltheit der Künstlerin der sängerische Höhepunkt des Abends. Nicola Beller Carbone als Färberin sang ihre Partie weitgehend sicher und war darstellerisch sehr überzeugend. In manchen Höhen verlegte sie sich hörbar aufs „Voaklisieren“, indem sie Konsonanten weg ließ. Dies sei nur am Rande vermerkt und machte offenkundig, dass die Färberin für die jugendlich-dramatische Sängerin eine Grenzpartie ist. Andrea Baker war als Amme deutlich besser als in der Premieren-Serie. Bei sehr guter Textverständlichkeit, glänzte sie mit wissender Gestaltung und machte so ihre Partie zu einer zentralen Gestalt.

Bei den Männern gab es z.T. empfindliche Abstriche zu machen. Oliver Zwarg überzeugte mit raumgreifender Stimme als gutmütiger Barak. Allerdings war seine Intonation häufig ungenau, so dass er zum detonieren neigte. Eine Fehlbesetzung war Richard Furman als Kaiser! Hier singt ein Sänger weit über seine Möglichkeiten hinaus! Sicher, er hat alle Töne. Nur ist die Stimme unschön und klangarm. Der Schlussteil der Falkner-Szene war ein stimmlicher Offenbarungseid, da Furman überhaupt nicht gegen das rücksichtsvoll agierende Orchester ankam. Im Schluss-Quintett war er kaum mehr zu hören. Die bleich wirkende Stimme erscheint überhaupt nicht im Körper verankert, klingt vielfach unschön nasal. Hinzu kommt ein bescheidenes Deutsch bei erkennbaren Vokalverfärbungen („u“). Da war sein Vorgänger Thomas Piffka eine Besetzung der Extra-Klasse! Es sollte nicht nur mir aufgefallen sein, dass Aaron Cawley als Jüngling die wesentlich üppigere Tenorstimme besaß und damit seinen Kollegen Furman deklassierte. Schon eine Fehlbesetzung genügt, um die gesamte Qualität des Ensembles empfindlich zu trüben.

Eine erfreuliche Neu-Besetzung hingegen war der Geisterbote mit Thomas de Vries, der seiner Partie starkes stimmliches und charakterliches Profil verlieh und so wesentlich mehr Applaus erzielt als Furman. Aufhorchen ließ der eingesprungene Bass Timo Riihonen als Einarmiger, der mit seiner groß volumigen Stimme seine kleine Rolle deutlich betonte.

Am Ende gerecht verdienter Beifall eines begeistertem Publikums.

Dirk Schauß

 

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