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WIEN/Volksoper: DER BARBIER VON SEVILLA

17.10.2017 | Oper

Wien / Volksoper: „DER BARBIER VON SEVILLA“ – 16.10.2017

Über mangelnde Besucherzahlen kann sich die Volksoper nicht beklagen, vor allem dann nicht, wenn eine so beliebte Oper wie „Der Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini  auf dem Spielplan steht, kurzweilig, köstlich und sehr aktionsreich inszeniert von Josef Ernst Köpplinger (Regie und Licht), zum einen, so wie man sich diese Oper vorstellt, ohne Verdrehungen und Verlagerung in andere Zeiten und zum anderen „bereichert“ durch volkstümliche Szenen mit Bauarbeitern, alter, gebrechlicher Frau und Schwangerer mit Kinderwagen, bei der auch schon mal die Wehen einsetzen, aber auch wieder verfliegen, so dass sie weiter frohgemut ab und an ihren Kinderwagen über die Bühne schiebt, als wäre nichts geschehen.

„Hauptattraktion“ – aber ist das nicht zu übersehende „Prostibulo“ an der Seite mit seinen ausschwärmenden Nutten, die ohne besonderen Grund bis in Dr. Bartolos Haus vordringen, und Zuhälter. Der Name des „Etablissements“ sagt schon alles. Es zieht alle Männer magisch an, sogar einen Geistlichen, den gut bezahlten Don Basilio, dargestellt von Yasushi Hirano, – „halb zog sie ihn, halb sank er hin“ (Goethe). Die farbenfreudigen Kostüme, besonders beim horizontalen Gewerbe, tun ein Übriges – Bühnenbild und Kostüme: Heidrun Schmelzer. Was Wunder, dass schließlich selbst die emsig putzende Hausangestellte Berta (Sulie Girardi), die sich mit ihrer einzigen Arie etwas zurückhaltend über ihre „ehrliche“, aber anstrengende Arbeit beschwert, aufgeputzt ins Gewerbe überwechseln will, es aber dann doch lieber sein lässt, nachdem sie der Zuhälter doppelt betrogen hat (besonders um ihr Geld).

Ihr nervlich stark belasteter Mitstreiter Ambrosio und Diener Barilos ist in seiner stummen Rolle hier ein Pechvogel per exzellence, der sich immer wieder neue Verletzungen zuzieht, worüber man heutzutage eigentlich nicht mehr lachen sollte, aber das Publikum amüsiert sich darüber köstlich.

Als Hausherr Dr. Bartholo steigerte sich Wilfried Zelinka, nicht unbedingt ein Bassbuffo  nach anfänglicher Zurückhaltung immer mehr in seine Rolle hinein und nahm langsam Profil an, bis hin zu beachtlichen sportlichen Leistungen bei seiner Körpergröße, wenn er in Starre verfällt, weil er von Figaro, dem Barbier, bei Bedarf hypnotisiert wird, verkörpert von Daniel Ochoa mit seiner urigen Bünenwirksamkeit und seinem kehligen Gesang, der nach wie vor nur schwer in alle Ecken des Opernhauses vordringt.

Als Rosina, Bartolos reiches Mündel, erschien Rebecca Nelson als wirklich junges,  hübsches und auch ein wenig leichtsinniges Mädchen an der Schwelle zum  Erwachsenwerden, gesanglich ebenfalls zwischen Reife und Zurückhaltung, aber umschwärmt von Graf Almaviva, dem Daniel Johannsen, wunderbar klar, gut textverständlich und mit Engagement viel Komik verlieh, aber auch, wenn er in die verschiedensten Rollen als betrunkener Soldat, falscher Musiklehrer und ehrlich verliebter Graf immer auch ein bisschen vornehme Würde beibehielt. Mit seiner hohen Musikalität und seinem faszinierenden Gesang verlieh er der Rolle besonderen Charme.

Sehr ansprechend realisierten die Damen und Herren des Chores der Volksoper Wien in der Einstudierung von Thomas Böttcher ihre kurzen Auftritte szenisch und musikalisch ansprechend.

Das Orchester der Volkoper Wien musizierte unter der Leitung von  Wolfram-Maria Märtig und mit Brigitte Schüller am Hammerklavier sehr sauber und zuverlässig mit ansprechenden kleinen Solostellen, insbesondere vom Fagott. Grundsätzlich sollte dieses Orchester jedoch nicht immer nur seiner Eitelkeit vertrauen und mit dem Dirigenten der Leichtigkeit von Rossinis Musik folgen. Das Publikum jedenfalls amüsierte sich alles in allem köstlich und war es zufrieden.

Ingrid Gerk

 

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