14.5.26 „Les Pêcheurs des Perles“, Premiere, Staatsoper, „Krampfhaftes Perlen-Shopping“
Die Wiener Staatsoper hat mit ihrer letzten Premiere in der laufenden Saison ihr Repertoire erweitert: Georges Bizets Oper „Les Pêcheurs des Perles“ erlebte die Erstaufführung im Haus am Ring.
Die Wiener Staatsoper hat mit ihrer letzten Premiere in der laufenden Saison ihr Repertoire erweitert: Georges Bizets Oper „Les Pêcheurs des Perles“ erlebte die Erstaufführung im Haus am Ring.
Die „Perlenfischer“ sind ein seltener Gast in Wien. In den 1990er-Jahren gab es eine Produktion an der Volksoper (in deutscher Sprache), 2014 hat die spätere Direktorin der Volksoper, Lotte de Beer, die Oper im Theater an der Wien inszeniert. Jetzt folgte also die Staatsoper und hat dafür mit Ersan Mondtag einen derzeit stark „gehypten“ Regisseur nach Wien geholt.
Ersan Mondtag hat in einem Interview auch gleich eingestanden, dass er es gewohnt ist, ausgebuht zu werden. („Der Standard“, online, 10. Mai 2026). Für Mondtag werden die vielen Buhs beim Schlussvorhang nach dieser Staatsopern-Premiere also nicht überraschend gewesen sein. Aber Mondtag ist auch nur Opfer und Getriebener der „Verhältnisse“. In einem Interview mit der Tageszeitung „Kurier“ (Printausgabe 14.5.2026) hat er die Situation, in der sich er – und der gesamte Opernbetrieb – befinden, gut umrissen: „Man müsste mindestens eine große Uraufführung im Jahr verpflichtend machen. Dann gäbe es auch nicht dieses krampfhafte Bedürfnis, ständig die alten Schinken zu modernisieren.“ Gut, über die Wortwahl könnte man diskutieren („alte Schinken“), aber das „krampfhaft“ trifft es punktgenau.
Oder anders (und vielleicht etwas ketzerisch) formuliert: Was interessieren mich als Publikum bei „Les Pêcheurs des Perles“ der Kolonismusdiskurs und die Kritik an ausbeuterischen Bedingungen in der globalen Textilindustrie? Die Opern schwelgt doch in sentimentaler Poesie (und wer das „Kitsch“ nennt, ist selber schuld). „Les Pêcheurs des Perles“, 1863 uraufgeführt, bedient, so wie Jahrzehnte später tausende mal abertausende Kinofilme, den Wunsch des Publikums, in seelenentspannender Weise gerührt und berührt zu werden: von einer belanglosen, exotischen Liebesgeschichte, die für ein paar Minuten für einen beschleunigten Herzschlag und eine Träne im Augenwinkel sorgt – wie eine Gefühlsmassage: Weil es so „schön“ ist!…
http://www.operinwien.at/werkverz/bizet/aperlen2.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

