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WIEN/ImPulsTanz 2016/Volkstheater: COMPAGNIE MAGUY MARIN – Gleich an Beginn einen Totentanz

15.07.2016 | Ballett/Tanz

ImPulsTanz 2016 im Wiener Volkstheater: Compagnie Maguy Marin

GLEICH AM BEGINN: EIN TOTENTANZ – 14. Juli 2016


Copyright: ImPulsTanz

Blühendes Leben, so dürfte man annehmen, sollte ein Tanzfestival mit seinen sehr vielen angebotenen Kursen und Workshops vermitteln. Das wird schon noch in den Wochen bis 14. August der heurigen Wiener ImPulsTanz–Serie kommen. Gleich am Beginn haben sich französische Tänzer allerdings mit  aber einem Danse macabre eingestellt. Aber mit einem schon sensibel ausgetüftelten, von einer schon sehr fein denkenden reiferen Vertreterin des französischen Tanztheaters. Maguy Marin aus Toulouse, Jahrgang 1951, von Maurice Béjart und indischer Mudra-Gestik geprägt, kreierte vor zwei Jahren ihre 60minütige Piece „BiT“ für drei Paare ihrer Compagnie Maguy Marin. Vorgeblich soll hier der Rhythmus des provencalischen Volkstanzes Farandole – ein uralter Kolonnentanz im raschen 6/8 Takt, angeführt von einem Einhandflöte und Tamburin Spielenden – die Schrittfolgen vorgeben. Auf herzerwärmende Musik könnte gehofft werden …. bitte, die schmissige Melodie in Georges Bizets „L´Arlesienne“, der Paartanz der Jagdgesellschaft in Peter I. Tschaikowskys „Dornröschen“. Nix da! Steriler Computersound, mal extrem laut dröhnend (ohne angebotenem Ohrenschutz), gelegentlich auch etwas reduzierter, lenkt die sechs Tänzer im Dämmerlicht auf ihrem ‘walking path‘. Daran erinnernd, dass die Farandole auch als Hintergrundmusik zu den Blutbädern der Französischen Revolution gedient hatte.

Nun, trotzdem …. „BiT“ ist ein feines Stück minimalistischen Tanztheaters einer feinen Choreographin. Sechs Personen halten sich an den Händen, vollführen ruhig fließende Reigentänze oder suchen zögernd auch einzeln nach ihrem Weg. Mit subtilen Nuancierungen in den wechselnden, schließlich sich dann aber doch wiederholenden Bewegungsabläufen zwischen sechs schräg gestellten großen Platten (oder auch – Grabhügel: Leichen schieben sich langsam von oben herab und verwesen schließlich am Boden). Ein Hauch von Totentanz und eine unbeantwortete Existenzfrage standen somit gleich am Beginn – und das Publikum des Festival-Auftaktes konnte damit durchaus mit zuversichtlicher Zufriedenheit leben. 

Meinhard Rüdenauer

 

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