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Wiener Staatsoper LA CENERENTOLA von Gioachino Rossini

04.11.2016 | Oper
Eine Gaudi allemal, diese schicken Wägelchen. Michele Pertusi und Alessio Arduini

Eine Gaudi allemal, diese schicken Wägelchen. Renato Girolami und Alessio Arduini

Wiener Staatsoper
“LA CENERENTOLA”
3.November 2016
30.Aufführung in dieser Inszenierung

 

Italien mit mehr Chic als Charme

 

Man gab schon die 30.Aufführung dieser Inszenierung, aber so ganz richtig werden wir in dem gebotenen Ambiente Italiens der 50er nicht das Heimatgefühl bekommen, zu phantasielos das abgewirtschaftete Haus des Don Magnifico, zu steril das Schloss Don Ramiros in Salerno, dessen ganze Einrichtung einer Idee dreier putziger Automobile geschuldet war und die eher in eine Oldtimer-Show als in eine Buffooper gepasst hätten. Aber, keine Frage, das Publikum reagierte auf die etwas durchgedrehte Regie Sven-Eric Bechtolfs und die putzigen Autos  – naturgemäß der Blickfang für alt und jung – auch an diesem Abend durchaus positiv.

 

Peranza CAPUCCI

Speranza CAPUCCI

Alleine fünf Debüts konnten das szenische Manko diesmal etwas abfangen. Vielleicht gleich das wichtigste davon: Die in Rom geborene Speranza Scappucci hatte schon an der Wiener Staatsoper im Orchestergraben Cembalo- bzw Hammerklavierdienste absolviert, auch als Solorepetitorin gearbeitet und kehrte jetzt, nach entsprechender Ausbildung und Erfolgen beiderseits des Atlantiks, ans Pult der Wiener Philharmoniker zurück. Und gerade jetzt sollte man Auge und Ohr auf die junge Italienerin haben, um sie auch an diesem Ort nachhaltig zu binden. Denn ihr Dirigat war, was Sängerbegleitung, Agogik und Schlagtechnik anlangte für die vor allem bei Rossini an diesem Haus nicht gerade verwöhnten Ohren ein Genuß und man vermeinte die Zustimmung für die Künstlerin auch aus den Reihen der Spieler/innen förmlich zu vernehmen. Allein die herrlichen und in Menge vorhandenen Ensembleszenen, geradezu in großer Zahl und von enormer Wichtigkeit in dieser Oper Rossinis, sie gerieten zum hellen Vergnügen. Auch das Publikum zollte seine Bewunderung, ein einzelnes, vernehmliches Buh eines ver(w)irrten Galeristen im Soloapplaus am Schluß “würzte” den Beifall für dieses erfolreiche Debüt.

 

Michele Pertusi und Elena Maximova

Michele Pertusi und Elena Maximova

Elena Maximova spielte in ihrem Rollendebüt nicht nur die erbarmenswürdige Haushaltshilfe gekonnt – schon in dieser Aufmachung sah sie reizend genug aus – sondern ersang sich mit ihrem leichten Mezzo auch jenen Erfolg, den sie im zweiten Teil und vor allem mit der brillant gesungenen Schlußkavatine bestätigen konnte. Ein beneidenswerter Prinz jedenfalls, dieser Maxim Mironov, dem zum tenore di grazia leider die Grazie fehlte, zu dünn und halsig klang da alles, wobei man ihm dabei aber Stilgefühl nicht absprechen konnte.

Dem Dandini des Alessio Arduini, seiner Gnaden Chauffeur, fehlt nichts zu einer guten und buffonesken und quirligen Darstellung, aber leider vieles zu einer exakten, belkantesken Wiedergabe. Dafür aber waren in den Händen von Michele Pertusi Cenerentola und das lieto fine der Oper bestens aufgehoben, mit seinem warmen, milden, beinahe balsamischen Bariton linderte er als Haushof- und Zeremonienmeister Alindoro das Prüfungsleiden der Auserwählten.

Eri Nakamura, eine Japanerin, konnte in ihrem Hausdebüt in der Rolle der Clorinda ausdrücklich auf sich aufmerksam machen, während für die Debütantin Catherine Trottmann, eine attraktive Französin, als Tisbe nicht viel zu singen übrigblieb; für eine Beurteilung allerdings noch zu wenig.

Zwei ärgerliche und mehrminütige Pausen im zweiten Teil, da durfte man in das Chiaroscuro des Zuschaueraumes starren, gehen auf das Konto der Regie und zogen den Abend in die Länge, so dass für den Schlußapplaus nicht einmal fünf Minuten blieben.

Peter Skorepa
MERKEROnline
Bilder: Wiener Staatsoper/Ashley Taylor

 

 

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