Festival „Fremde Erde“: Wertvolles Kulturgut … damals verfemt, heute vergessen

Thomas Hampson mit Schülerin Foto: Moritz Schell
Es gewinnt an Gewicht, dieses Festival verfemte Musik unter dem Titel “Fremde Erde“, welches an verschiedenen Kulturstätten des Wiener 7.Bezirkes im dritten Jahr veranstaltet wird. Werke von Komponistinnen und Komponisten, welche vor rund hundert Jahren Opfer des Nationalsozialismus geworden sind, welche aus Österreich, Deutschland, Polen vor allem in die Vereinigten Staaten flüchten konnten oder in den Nazi-Konzentrationslagern ermordet worden sind, werden von VIVA LA CLASSICA als Veranstalter dem Wiener Kulturpublikum präsentiert. Von einem Festakt im Volkstheater zur Eröffnung bis zum Gastauftritt des Warschauer Radio-Sinfonieorchester (am 29. April in der Kirche Altlerchenfeld) reicht das Programm. Kammermusik mit Titel wie „Leben, Traum und Tod“ oder „Wann wohl das Leid ein Ende hat“ ist noch im Programm zu erleben. Hörenswert: Nicht nur die in die Musikgeschichte eingegangenen Kompositionen von Kurt Weill oder Alexander Zemlinsky haben ihre Werte, sondern auch den Werken von Mieczyslaw Weinberg, Hans Winterberg, Karol Rathaus und, und sind ihre Qualitäten nicht abzusprechen.
Starbariton Thomas Hampson hat sich in der Wiener Musikuniversität in einem Workshop mit Studierenden des Liedschaffens dieser verfemten jüdischen Künstler angenommen. Um neue Perspektiven für das Repertoire zu eröffnen. Kultivierter Liedgesang wird zur Zeit in Österreich nicht gerade gepflegt, doch damals: der Wiener Erich Wolfgang Korngold mit seiner großen Hollywood-Karriere, der von hier ebenfalls in diese Region verschlagene Walter Arlen oder Hermann Leopoldi mit feinem Humor haben wertvolles Liedgut geschaffen. Hampson: „Diese zur Emigration in die USA gezwungenen Musiker haben schöpferisch ein erfülltes Gedächtnis gehabt, gebettet in eine gebrochenen Entwicklung. Zu spüren ist, dass sie ihre Sehnsucht nach dem Alten erklingen lassen. Der am häufigsten vertonte Dichter ist Richard Dehmel gewesen. In den späteren 20er Jahren ist mit der Neuen Sachlichkeit ein neues Sozialdenken aufgekommen.“ Nicht anzunehmen, dass in der heutigen so extrem oberflächlichen Kultur des Euro Song Contest diese Poesie wieder aufblühen könnte, doch auch die bereits verloren gegangenen kleine Schätze vermögen zu erfreuen.
Info: www.fremde-erde.at
Meinhard Rüdenauer

