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WIEN / Weltmuseum: FRANZ IS HERE!

12.05.2014 | Ausstellungen

WIEN / Weltmuseum:
FRANZ IS HERE!
Franz Ferdinands Reise um die Erde
Vom 9. April 2014 bis zum 2. November 2014 

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Franz, der Jäger und Sammler…

Das „Weltmuseum“, wie sich das Museum für Völkerkunde neuerdings nennt (eine Bezeichnung, an die man sich erst gewöhnen muss), kann mit seiner jüngsten Ausstellung sowohl der „Welt“ wie seiner „Gründung“ auf fabelhafte Weise gerecht werden. Dazu kommt noch der wahrlich aktuelle Anlass, dass Thronfolger Franz Ferdinand, der Mann, um den es hier letztlich geht, auch jener war, dessen Tod den Ersten Weltkrieg beginnen ließ – vielleicht nicht als tatsächliche Ursache, aber vermutlich als willkommenen Anlass… Was er von einer Reise um die Welt einst mitgebracht hat, davon profitiert das Museum und profitieren jetzt die Besucher bis heute.

Von Heiner Wesemann

Franz, der Unbeliebte      Für die Nachwelt ist Franz Ferdinand eher für seinen Tod als für sein Leben relevant: Vo hundert Jahren, am 28. Juni 1914, beendeten die Schüsse von Sarajewo sein Leben, der Erste Weltkrieg war die Folge. Als Franz Joseph zwei Jahre später starb, kam Franz Ferdinands Neffen Karl die Aufgabe zu, die Monarchie zu Grabe zu tragen. Man weiß, dass Franz Ferdinand von Österreich-Este (1863–1914) viel vorhatte, seit er nach dem Tod von Kronprinz Rudolf 1889 inoffiziell (dann nach dem Tod seines Vaters 1896 offiziell) zum Thronfolger aufgerückt war. Die Langlebigkeit von Kaiser Franz Joseph machte nicht nur ihm zu schaffen. Sein „Gegen-Kabinett“, im Belvedere eingerichtet, trug ihm in der Hofburg, der Welt des Kaisers, viel Antipathie ein. Kurz, Franz Ferdinand – berüchtigt auch als geradezu blindwütiger Jäger – genoß zu seinen Lebzeiten kaum Sympathien, und dieses Bild hat sich in der Nachwelt nicht korrigiert.

Franz Ferdinand Elefant Sri Lanka 
Alle Fotos:  © KHM mit MVK und ÖTM 

Franz, der Interessante     Im Weltmuseum begegnet man nun einem anderen Franz Ferdinand. Mit 29, 30 Jahren brach er zu einer Weltreise auf, deren asiatischen Teil er in offizieller Mission unternahm, den nordamerikanischen privat unter einem Pseudonym – wobei man ihn natürlich stets „erkannte“. Er benützte dazu mehrere Schiffe, vordringlich das Kriegsschiff „Kaiserin Elisabeth“, legte aber auch große Strecken auf dem Landweg zurück. Wesentlich ist, dass Franz Ferdinand ein ausführliches Tagebuch führte, dass die Reise fortwährend fotografiert wurde (die Ausstellung kann auf eine Überfülle von Fotos zurückgreifen), dass man – wie es passionierte Reisende noch heute tun und in Alben aufkleben – auch Anfallendes aufbewahrte, Briefe, Landkarten, Rechnungen, Dokumente. Das macht die Ausstellung, abgesehen von den Objekten, so reichhaltig und persönlich. Und weil man zu den jeweiligen Stationen auch noch Franz Ferdinand im „O-Ton“ vernimmt (gelesen von Cornelius Obonya), ist vieles geschehen, nicht nur die Reise selbst, sondern auch den Mann, der sie unternahm, wirklich interessant zu machen.

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Ankunft in Japan

Stationen eines Weges    Franz Ferdinand verließ Wien am 15. Dezember 1892, zuerst in offizieller Mission. Die Ausstellung zeichnet die Route in Landkarten nach und folgt auch in den vier Räumen der Tour: Erst durch den Suezkanal nach Ceylon, von dort auf dem Landweg eine große Indien-Tour, von der Inselwelt Indonesiens nach Australien, Neuguinea, Borneo, weiter über Singapur, Hongkong nach Japan. Der zweite Teil der Reise ab August 1893 wurde inoffiziell unter dem Namen „Graf Artstetten“ unternommen (so wie Kaiserin Elisabeth gerne als „Gräfin Hohenembs“ reiste und schon Kaiser Joseph II. sich Graf Falkenstein nannte, wenn er unerkannt sein wollte), führte über den Pazifik nach Vancouver und dort durch die Vereinigten Staaten, wo er Sehenswürdigkeiten wie die Niagara-Fälle und Großstädte wie Chicago und New York besuchte. Zurück über den Atlantik, landete er schließlich in Le Havre, bis er am 18. Oktober 1893 wieder in Wien anlangte.

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Jagen und Sammeln    Natürlich konnte Franz Ferdinand auf dieser Reise auch seiner besessenen Jagdleidenschaft frönen, die ihn für viele Menschen so unsympathisch macht, die aber ein integraler, gewissermaßen selbstverständlicher Teil seines Lebens war. Natürlich gibt es Triumphfotos von erlegtem Großwild (etwa mit indischem Tiger oder Elefanten). Darüber hinaus war Franz Ferdinand ein leidenschaftlicher, wenn auch nicht systematischer Sammler. Er ist auf dieser Reise einem wahren Kaufrausch erlegen. Wenn man die die 14.000 Stück, die er mitbrachte, auf zehn Monate hochrechnet, kommt man auf einen Schnitt von knapp 50 Stücken, die täglich gekauft, als Geschenk erhalten, mit der Büchse erlegt wurden – verpackt und nach Wien gesandt. Es entspricht seinem Weltbild, dass er diese Dinge als „Beute“ betrachtete – und wenn etwas darunter war, das die Nachwelt nicht allzu hoch schätzen würde, so nannte Franz Ferdinand es liebevoll „Tand“…

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Malanggan-Maske

Kostbarkeiten       Die  Ausstellung zeigt aber auch Kostbarkeiten, die in der damaligen Epoche noch erwerbbar waren, die nicht die heutigen strengen Restriktionen für Ausfuhr kennt. Ein besonderes Prunkstück ist die in Australien erworbene Malanggan-Maske, die aus Neuguinea stammte, aber er hat auch indische Götterfiguren aus Sandstein erworben, japanische Fächer,  javanische Stabpuppen, tibetische Tanzmasken. Was man sieht, ist zum großen Teil eines Völkerkundemuseums würdig.

Der Traum vom Museum     Franz Ferdinand war sich der Bedeutung seiner Reise durchaus bewusst und wollte dies auch kundtun. Es reichte ihm nicht, die Stücke in seinem Wohnsitz, dem Belvedere, auszustellen, er dachte in den Dimensionen eines Museums, „seines“ Museums. Kaiser Franz Joseph trug ihm 1906 auf, sich Räumlichkeiten der Hofburg dafür zu nehmen. Franz Ferdinand ließ den Trakt, der sich „Corps de logis“ nannte, für seine Besitztümer adaptieren: Genau hier ist nun heute das „Weltmuseum“ untergebracht. An sich sind die Objekte (wie auch der andere Habsburg-Besitz) an die Republik Österreich übergegangen, wobei Franz Ferdinands Reise-Mitbringsel erst ins Naturhistorische Museum wanderten. Als man dann ein Museum für Völkerkunde abspaltete, blieben die Tierpräparate im „Naturhistorischen“, die anderen Stücke kamen wieder zurück. Heute sind sie ein wichtiger Bestandteil des Weltmuseums, das mit dieser Ausstellung das mit dieser Ausstellung zweifellos ein breites Publikum ansprechen wird.

 Bis 2. November 2014 , täglich außer Dienstag, von 10 bis 18 Uhr
Katalog im Eigenverlag des Museums, herausgegeben von den Kuratoren Christian Schicklgruber und Axel Steinmann

 

 

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