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WIEN/ Volkstheater: WELTSTAR-GALA –  edler Reigen an exquisiten Ballettstars  

02.12.2019 | Ballett/Tanz

Volkstheater:

1.12.2019 : „WELTSTAR-GALA“. –  edler Reigen an exquisiten Ballettstars  

Kirill Kourlaev lud als organisatorischer Leiter zum dritten Mal zur „Weltstar-Gala“ ins Volkstheater. Wieder folgten zahlreiche internationale Stars seiner Einladung – und natürlich durfte auch das Wiener Staatsballett nicht fehlen.


Nikisha Fogo und Young Gyu Choi. Diana and Actaeon -Pas de deux. Copyright: Jack Devant

Young Gyu Choi, Principal Dancer im Holländischen Nationalballett, begeisterte wie im Vorjahr wieder mit atemberaubend hohen und spektakulären Sprüngen und präzisen Pirouetten. Zum Einstieg tanzte er mit viel Gefühl den Pas de deux aus „La Bayadère“ (Choreografie: Marius Petipa,  Musik: Ludwig Minkus) mit Liudmila Konovalova, die ihm eine perfekte Partnerin war, aber als Nikia in diesem Ausschnitt aus dem Schattenakt zu kühl blieb. Bei seinem zweiten Auftritt reüssierte er mit der quirligen Nikisha Fogo (Wiener Staatsballett) mit einem fulminanten  Pas de deux aus „Diana and Actaeon” (Choreografie: Marius Petipa; Musik: Cesare Pugni).

Ein Wiedersehen gab es auch mit Dinu Tamazlacaru vom Staatsballett Berlin. Diesmal war die zierliche Iana Salenko (Erste Solotänzerin im Staatsballett Berlin) seine Partnerin. Die beiden gefielen außerordentlich gut im Pas de deux aus „La Sylphide“ (Musik: Herman Løvenskjold). Die schwierige Bournonville-Technik präsentierte der Erste Solotänzer, der in Wien seine Ballettausbildung abgeschlossen hat und über den vor kurzem ein Buch in Interviewform herauskam, mit Bravour. Iana Salenko war entzückend als kecke Sylphide. Mit einem Pas de deux aus „La Halte de Cavalerie“ gab es dann noch eine Begegnung mit einem hierzulande unbekannten Werk von Marius Petipa zur Musik von Ivan Armsheimer – unbeschwerte Freude am Tanz sah man bei dem hinreißenden jungen Paar. Begleitet wurden die beiden mit viel Schwung von Igor Zapravdin am Flügel.

Nicht nur hochkarätige Gäste waren im Tanz zu bewundern, es gab auch mit Yuri Revich einen Stargeiger zu hören: Olga Esina und Jakob Feyferlik (beide Erste Solisten im Wiener Staatsballett) präsentierten sich mit dem Adagio aus „Sylvia“ (Choreografie: Manuel Legris) zur klangvollen Musik von Leo Delibes – gefühlvoll intoniert von den beiden Musik-Künstlern. Im Anschluss daran folgte der wilde und temporeiche Säbeltanz aus „Gayaneh“, temperamentvoll dargeboten von Yuri Revich und Igor Zapravdin.

Olga Esina und Jakob Feyferlik sorgten mit dem Pas de deux „Luminous“ von Choreograf und Tänzerkollegen András Lukács für ein wahres Glanzlicht an diesem Galaabend. Vor dem Sommer bei der Nurejew-Gala in der Wiener Staatsoper erstmals in Österreich gezeigt (UA war in Ljubljana) – sorgte dieses Stück auch hier für Begeisterungsstürme bei den Zuschauern. „Luminous“ ist ein feiner, poesievoller, sensibler, zarter und hingebungsvoller Pas de deux zu einer Komposition von Max Richter, mit ungewöhnlicher Tanzsprache in Verschlingungen und Drehungen. Sehr berührend! 


Nicoletta Manni und Claudio Coviello- Caravaggio. Copyright: Jack Devant

Neugierig durfte man auf die beiden Gäste vom Teatro alla Scala Milano sein – wird dort doch gerade das Ballett „Sylvia“ in der Fassung von Manuel Legris vorbereitet – Premiere ist jetzt im Dezember. Nicoletta Manni und Claudio Coviello überzeugten mit dem grandios und mit Verve getanztem „Grand Pas Classique“ von Victor Gsovsky zur Musik von Daniel-François-Esprit Auber. Bei ihrem weiteren Auftritt bewiesen die beiden ihre Vielseitigkeit und überzeugten in Mauro Bigonzettis Ausschnitt aus „Caravaggio“ (Musik: Bruno Moretti).  

Exzellente Technik demonstrierte Evgenia Obraztsova vom Bolshoi Ballett Moskau gemeinsam mit ihrem noblen prinzlichem Partner Alexander Volchkov in zwei klassischen Beiträgen: zunächst mit einem Pas de deux aus „Dornröschen“ (Choreografie: Marius Petipa; Musik: Pjotr Iljitsch Tschaikowski) und nach der Pause mit dem Adagio aus dem 2. Akt von „Raymonda“ in der Choreografie von Juri Grigorowitsch zur Musik von Alexander Glasunow.


Elisa Badenes und Yoel Carreño- Le Grand Pas de deux. Copyright: Jack Devant

Vom Stuttgarter Ballett kam diesmal Elisa Badenes nach Wien. Da sich Jason Reilly leider kurzfristig verletzt hatte, bekam die Erste Solotänzerin für ihre beiden Auftritte neue Partner: als Kollege vom Stuttgarter Ballett tanzte nun Halbsolist Fabio Adorisio in seiner eigenen Kreation „IN2”, die vor vier Jahren bei der „Noverre-Gesellschaft: Junge Choreographen“ in Stuttgart Uraufführung hatte. Zur Musik von Philip Glass entwickelte der junge Italiener hier einen interessanten Pas de deux, in dem parallele synchrone Phasen wie harmonische Miteinander-Sequenzen mit ungewöhnlichen Verbiegungen und neuartigen Bewegungselementen das Publikum sehr ansprachen. Für den letzten Programmpunkt „Le Grand Pas de Deux“ von Christian Spuck war es etwas schwieriger Ersatz zu suchen, doch Kirill Kourlaev gelang das schier Unmögliche, innerhalb von einem Tag einen Einspringer zu finden, der rasch nach Wien kommen konnte: Yoel Carreño kam, sah, und siegte: der Principal Dancer im Norwegian National Ballet stammt aus einer berühmten kubanischen Tänzerfamilie und mit einer einzigen Probe am Aufführungstag stimmten sich die beiden aufeinander ein, um den köstlichen Tanzspaß zur Ouvertüre „Die diebische Elster“ von Gioachino Rossini als finalen Höhepunkt zu setzen.

Das enthusiasmierte Publikum spendete langanhaltenden Beifall – ein sehr sehenswerter Abend!

Ira Werbowsky

 

 

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