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WIEN/ Volkstheater/ ImPulsTanz: ROSAS – Barocke ‚Rosenkranzsonaten‘ in Zeitgeist-Look

14.07.2022 | Ballett/Tanz

ImPulsTanz: Barocke ‚Rosenkranzsonaten‘ in Zeitgeist-Look (13.7.2022)   

Seit 1994 holt sich ImPulsTanz die belgische Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker, Jahrgang 1960, mit ihren Rosas-PerformerInnen nach Wien. Als ein Erfolgsgarant für die heimischen Liebhaber des Modern Dance. „Mystery Sonatas / for Rosa“ stand über dem diesjährigen Gastspiel. Auf der dunklen Bühne des Volkstheaters spielten die Geigerin Amandine Beyer und ihr kleines Ensemble Gli Incogniti besonders fein auf. Barockmusik. Ausdrucksstarke, selten musizierte: Komponist Heinrich Ignaz Franz Biber (1640 – 1704), aus Böhmen kommend, ist der große Violinvirtuose seiner Zeit gewesen. Ein gefeierter Reisender – aber auch Kapellmeister am erzbischöflichen Hof in Salzburg, der von Kaiser Leopold I. geadelt wurde. Von dann an ein ‚Biber von Bibern‘.

Unter seinen Kompositionen – Messen, Schuldramen, natürlich viel Violinmusik mit damals innovativen Spieltechniken – welche von überraschenden geigerischen Klangfarben wie starken Stimmungsbildern teils auch mit sakraler Pathetik geprägt sind: „Sonaten zur Verherrlichung von 15 Mysterien aus dem Leben Mariae“ – nun bekannter als die ‚Rosenkranzsonaten‘. Hier in einem überlangen Abend auf en vogue von De Keersmaeker in ihre Manier übersetzt. Feinsinnig, sehr konzentriert auslotend auf die Phrasierungen der Musik und deren Aussage eingehend, aber auch manipulierend mit den heute gepflegten modischen Performance-Ingredienzien. Die überzeugendsten Momente gelingen, wenn die Musik starke dynamische Akzente setzt oder die Tänzerinnen in ihren ausgedehnten Soli immer wieder mit originellen Attitüden zu verblüffen vermögen. Barockes Pathos und legerer Zeitgeist Hand in Hand – kann sich hören und sehen lassen.

Meinhard Rüdenauer

 

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