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WIEN/ Volksoper: SWEET CHARITY sucht ihr Glück. Premiere

Mit altem Musical in die neue Saison

14.09.2020 | Operette/Musical

 


 Lisa Habermann als Charity Hope Valentine. Credit: Wiener Volksoper

Wiener Volksoper: Mit altem Musical in die neue Saison – „SWEET CHARITY“ sucht ihr Glück (13.9.2020)

Mit der Suche von Charity Hope Valentine nach ihrem Liebesglück, einem erhofften Lebenspartner, startet die Wiener Volksoper in die neue Saison. Charity hat bei ihren Bemühungen kein Glück. Die Volksoper erzählt dies in einer durchaus seriösen Produktion. Und doch –  der Besucher fühlt sich hier nicht wirklich heimelig, nicht herzlich angesprochen, seine Beglückung scheitert an Überlängen, an nichtssagenden Dialogen, einer allzu banalen Dramaturgie.

Die Geschichte dieses Musicals beginnt mit Federico Fellinis hochsensibler Filmdichtung „Die Nächte der Cabiria“ aus dem Jahr 1957. Broadway-Choreographiegenie Bob Fosse hat daraus mit Komponist Cy Coleman und Librettist Neil Simon 1966 sein Erfolgsstücks „Sweet Charity“ geformt. Dazu mit Shirley MacLaine 1969 noch einen Kino-Welthit abgeliefert. Grandios: „Hey, Big Spender“ und die höchst originellen Tanzsequenzen. Diesen Qualitäten kommt man heute nicht mehr in die Nähe. Keine Schande. Und wenn nun, wie eventuell zu erwarten, in der Volksoper das Stück kräftig zusammengestrichen wird, könnte Sweet Charity auch hier ihre Verehrer finden.  

Gespielt wird tadellos. Von den Damen zumindest. Lisa Habermann hat in der Titelrolle das Stück zu tragen. Fulminant stürzt sie sich als Tänzerin im ‚Pompeji‘-Ballhaus in ihre anfordernde Aufgabe. Von Regisseur Johannes von Matuschka zu einem explosiven Spiel mit ständigem Posieren, einer aufgesetzt wirkenden großen Gestik, angeleitet. Wie ein aufgescheuchtes Henderl muss sie zumeist fuchtelnd über die Bühne wirbeln, Enthusiasmus oder Depressionen vorspielen – sie besteht dies wirklich sehr, sehr gut. Matuschka steuert im heutigen Revue-Stil der deutschen Bühnen sein großes Aufgebot durchaus gekonnt durch die in keinem Moment spannend wirkende Story. Die dunkel gehaltene und sich drehende Bühne mit Video-Einblendungen und anderen optischen Effekten ist sehr delikat gestylt, und auch Choreograph Damian Czarnecki versteht sein Handwerk, präsentiert „Rich Man´s Frug“ in gängiger Show-Manier.

Ja, die Musik: Broadway-Komponist Cy Coleman ist ein perfektere Rhythmiker. Es swingt und swingt und swingt, das lateinamerikanische Flair versprüht seine Reize. Am Premierenabend wirkte der Swing des Volksopern-Orchester unter Lorenz C. Aichner jedoch noch um eine kleine Spur zu grell, zu wenig charmant, zu wenig geschmeidig. Weniger an Charme, viel mehr an frechem Nightclub-Fluidium haben die Damen rund um Charity dem Publikum zu übermitteln. Sie machen es sehr stimmig: Julia Koci, Caroline Frank, Ines Hengl-Pirker. Farblosigkeit ist jedoch den von Charity wieder flüchtenden Lovers vorgeschrieben worden. Axel Herrig und Peter Lesiak halten sich danach. Zeitgeistigem Standard angepasst muss Drew Sarich als ein seine Gemeinde beschwörender Guru „Rhythm of Life“ beisteuern. Nicht allzu begeistert scheint am ersten Abend das Publikum Sweet Charitys Glückssuche gefolgt zu sein. Schlechte Bühnenarbeit ist in der Volksoper aber jedenfalls nicht abgeliefert worden.

Meinhard Rüdenauer

 

 

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