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WIEN/ Volksoper/ Staatsballett: PETER PAN – Choreographie Vesna Orlic. Uraufführung

12.05.2019 | Ballett/Tanz

Bildergebnis für volksoper peter pan
Peter Pan ( Keisuke Nejime) und sein Schatten. Foto: Ashley Taylor/ Staatsballett

Ballett-Uraufführung in der Wiener Volksoper:

„PETER PAN“, 11.5.2019 – auf turbulenter Abenteuerreise ins Nimmerland

Es geht rund, und wie! Als eine naiv-vergnügliche Erzählung für Kinder oder als eine flotte Nummern-Show für Erwachsene? Beides möchte erreicht werden, szenische Effekte mit ihren Turbulenzen und skurrile Pantomime nehmen überhand. Choreographin Vesna Orlic, die Leiterin der der Volksoper zugeteilten Dependance des Wiener Staatsballetts, hat bei der aufwendigen Erarbeitung dieses neuen Stückes auf Teamarbeit gesetzt. Dies hat mit ihren voll ambitionierten Tänzern bestens funktioniert, und der Premierenabend wurde im Haus als großer Erfolg gefeiert.

Nun, der Peter Pan ist ja kein Newcomer auf der Bühne. James Matthew Barrie hatte ihn 1904 in London ins Leben gerufen, und oft und oft ist er seither in den verschiedensten Versionen zwischen dem Kinderzimmer der Familie Darling und der geheimnisvollen Insel Nimmerland herum geschwebt. Der Direktion der Volksoper schien ist jetzt angemessen, diesen englischen Traumjungen, der so gar nicht erwachsen werden möchte, nun auch dem eigenen Publikum vorzusetzen. Locker, so etwa im Stil einer getanzten Revue, für Kinder wie für Große schmackhaft.

Und die Musik soll ja auch ins Ohr gehen. Smash! Erich Wolfgang Korngolds Kult-Melodien zu den alten Hollywood-Schinken „Captain Blood“ oder „The Adventures of Robin Hood“ passen schon ganz gut dazu. Oder angegraute Film-Schlager von Max Steiner, Franz Waxmann, Miklós Rózsa, Leroy Anderson. Und die Volksopern-Musiker Guido Mancusi, Sebastian Brugner-Luiz und der dirigierende Wolfram-Maria Märtig sind dem von Gerald C. Stocker und Orlic ausgedachten Musikkonzept gefolgt und haben diesem bunten Pasticcio noch einige Knaller aufgesetzt.

Zu einem Stück für Kinder gehören heute technische Effekte dazu. Eine Fotowand mit Videoeinspielungen und Schattenfiguren sowie die phantasievolle Ausstattung von Alexandra Burgstaller mit den bunten Flecken am nächtlichen Himmel tragen zu so mancher Behexung beim turbulenten Ausflug ins Reich der Träume bei. Am Beginn ein Vorspann in Metro-Golden-Mayer-Manier, darauf die Hochzeit von Mr. und Mrs. Darling, ein Baby kommt – ja, dann ist die kleine Wendy da und munter wird im Kinderzimmer herum getollt. Anfangs als Erzählung aufgebaut, wendet sich dann, wenn Peter Pan im Anflug ist, das Spektakel mehr und mehr in Richtung ausgelassener Action. Nach der Pause, auf festen Füßen im Nimmerland, reiht sich nun, lose gefügt und gepaart mit Sketches, eine Show-Nummer an die andere, in denen Pointen ausgespielt und fesch herum gesprungen wird.

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Foto: Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor

Einige Höhepunkte: Der zündende Ritualtanz der Tigerlily (Tainá Ferreira Luiz) zu Rhythmen der trommelnden Indianerschar. Das groteske Grüppchen der rüpelhaften Piraten kann bei seinem Freudentanz ganz schön wuchtig wirken. László Benedek vermag als eitler Geck Captain Hook mit seiner Eisenhaken–Hand und mit einem Spitzenschuh humpelnd tanzend als perfekter Komödiant zu punkten. Super gelungen: seine Flamenco-Parodie. Mila Schmidt tritt als liebe wie lebhafte Wendy diese traumwandlerische Abenteuerreise an. Suzanne Kertész springt als grazile Fee Tinker Bell helfend bei. Ja, Keisuke Nejime ist ein artistischer Peter Pan durch und durch, der mit forscher Leichtigkeit die Fäden zieht. Und, nicht vergessen, sein aufdringlicher ‚Schatten‘ Robert Weithas steht ihm da nicht viel nach. Und, und …. eine Ensembleleistung ohne Schwachpunkte wird geboten. Hoppla, das Captain Hook verfolgende Krokodil, ein ganz schön ausgewachsenes Ungeheuer, robbt dann auch noch gemächlich über die Bühne. Also, an Einfällen mangelt es bei diesem nächtlichen Ausflug nicht, und unbeschwert darf man sich in ein solch ausgelassenes Kinderspiel fallen lassen.

Meinhard Rüdenauer

 

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