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WIEN/ Volksoper/ Staatsballett: HOLLANDS MEISTER – ein Einstand mit Stil 

20.09.2020 | Ballett/Tanz

Hollands Meisters – Proben- und Interviewvideo - YouTube

Wiener Volksoper: Ballettabend „Hollands Meister“(20.9.2020) – ein Einstand mit Stil 

Die neue, aus Deutschland importierte  Direktion des Wiener Staatsballetts hat auf einen moderaten Einstieg in ihre erste Saison gesetzt. Alle vier unter dem Titel „Hollands Meister“ einstudierten Werke sind Übernahmen aus den Vorjahren oder waren bereits vor geraumer Zeit in Wien zu sehen. Dazu im September am Programm: „Peter Pan“ mit den Tänzer der Volksoper hat sich im Haus am Währinger Gürtel zum Hit erwiesen, Georges Balanchines „Jewels“ zählt zu den Klassikern des neoklassischen Balletts. „Hollands Meister“, in der Volksoper als Premiere angesetzt, ist ein kurzer Dreiteiler mit Stücken früherer künstlerischer Leiter des in den 60er, 70er Jahren für zeitgenössischen Tanz stilbildenden Nederlands Dans Theater in Den Haag.

Auffallend: Allen drei Stücken ist Musik unterlegt, welche nicht zum Tanzen gedacht und geschrieben wurde. Am lockersten lässt es sich noch zu Gioachino Rossinis „La gazza ladra“-Ouvertüre herumspringen. Paul Lightfood hat mit seiner Partnerin Sol Léon zu diesen sprudelnden Klängen sein witzig sprudelndes „Skew-Whiff“ 1996 für das Nederlands Dance Theater II geschaffen. Ein ulkiger Sketch, in dem drei Tänzer – brillant, brillant: Davide Dato, Denys Cherevycko und Masayu Kimoto – sowie Fiona McGee als frech dazu stoßende Dame, mit den groteskesten Körperverrenkungen ihr Publikum unterhalten.

Hans van Manen zählte zu Europas modernen Tanzpionieren in diesen Jahren tänzerischer Aufbruchsstimmung, und er ist ein prägender choreographischere Kopf in den Anfangstagen der Kompanie gewesen. Als ein Ästhet klassischer Musik zugeneigt (aber auch mit popiger Ader) hatte er 1973 zu dem komplexen Adagio aus Beethovens Klaviersonate op. 106, ‚für das Hammerklavier‘, sein ebenso komplexes Kammerballett „Adagio Hammerklavier“ kreiert. Drei Edelsolistinnen des Staatsballetts – Olga Esina, Ketevan Papava, Liudmila Konovalova, gepartnert von Robert Gabdullin, Roman Lazik und Andrey Teterin – gaben sich hochelegant einem ruhigen, in den Bewegungen zurückhaltenden, im Duktus gemessenen zwischenmenschlichen Empfindungsspiel hin. Klassisch in den Attitüden, modern im Ausdruck. Doch langsam, langsam: van Manen wählte damals zur Untermalung die Einspielung von Pianist Christoph Eschenbach …. mit ungemein in die Länge gezogen Tempi. Jetzt musste sich Ballettkorrepetitorin Shino Takizawa solo im Orchestergraben dieser extremen Version hingeben – das ihr bereit gestellte Klavier hat dafür jedoch nicht so allzu richtig gestimmt geklungen.

Igor Strawinskis adlige „Psalmensymphonie“ (wie die Rossini-Ouvertüre aus Lautsprechern ertönend) scheint sich nicht gerade nach einer Ballettversion zu sehnen. Der Prager Jiri Kylián, von 1975 bis 1995 der erfindungsreiche Chef der Niederländer, hat 1978 für acht Paare eine auf sozial-sakrale Deutung ausgerichtete Interpretation gewagt. Nobel gedacht, weniger klar in den Assoziationen zu den starken Momenten dieser Chorsymphonie. Über den Neustart hat sich das in der Volksoper erschienene Wiener Ballett-Publikum jedenfalls durchaus erfreut gezeigt. Der meiste Beifall kam für …. das spleenige Unterhaltungsstück.  

Meinhard Rüdenauer 

 

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