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WIEN/ Volksoper/ Staatsballett: DIE SCHNEEKÖNIGIN – ein Puzzle wie aus einem Guss

11.03.2016 | Ballett/Tanz

10.3.2016, Wiener Staatsballett in der Volksoper:  „DIE SCHNEEKÖNIGIN“ – ein Puzzle wie aus einem Guss

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Jakob Feyverlik (links), Ioanna Avraam. Copyright: Staatsballett/ Ashley Taylor

Die Besucherzahlen in der Wiener Volksoper entsprechen nicht immer so ganz den Wünschen des Hauses. Überraschend hat sich nun „Die Schneekönigin“, der frisch einstudierte Abend des Wiener Staatsballetts mit dem verführerischen Märchentitel, als richtiger Publikumsmagnet erwiesen. Umdisponiert wurde deshalb, kurzfristige Programmänderungen. Anstatt der „Junge Talente“–Abende wurde dieses Handlungsballett nach Hans Christian Andersen angesetzt. Vielleicht doch mit einem gewissen Wermutstropfen: Die „Junge Talente“- Serie erweist sich für die jüngeren Mitglieder des Ensembles als feine Möglichkeit, sich in sonst verwehrten solistischen Auftritten zu präsentieren. Und verblüffend ist immer wieder, wie hoch die Qualitäten dieser nachdrängenden, um eine tänzerische Karriere bestrebten jungen Menschen einzuschätzen sind.

Verblüfft hat aber auch diese eingeschobene „Schneekönigin“ an einem Repertoireabend im bestens besuchten Haus. Wie aus einem Guss, einem grazilen Zuckerguss, hat dieses aufwändige Ballett-Puzzle des Engländers Michael Corder zu einer Mixtur von diversen Serge Prokofiew–Musikstücken gewirkt. Verblüffend perfekt getanzt. Denn Corders Choreographie hat ihre Längen, hat Schwachstellen im Spannungsablauf, wirkt nicht so wirklich originell – aber es ist trotzdem ein mit Meisterhand in klassisch-akademischem Stil geformtes Schaustück mit zahlreichen schwierigen Herausforderungen für die Solisten und schönen, doch auch heiklen bewegten Ensembleszenen. Überwiegend mit jungen Tänzer besetzt, konnte diese Aufführung einen besonders nachhaltigen Gesamteindruck hinterlassen.

Der gemeinsame Atem hat einfach gestimmt. Dirigent Martin Yates dürfte dabei mit seiner distinktiv und einfühlsam wirkenden, den Tänzern Prokofjews intensive Gefühlswelt nahe bringenden musikalischen Begleitung schon sehr behilflich gewesen sein. Und die drei Hauptrollen? Spitze! Elegant und stimmig und glaubwürdig in der Erzählung: Nina Poláková in der Titelrolle mit eindringlicher Mimik, Gestik und edler Attitüde vollkommen. Eszter Ledán als völlig esoterische Gerda, gleichsam traumwandlerisch ihren Freund Kay suchend. Dieser, Jakob Feyferlik, hochgewachsen und blutjung, ist zur Zeit in der Kompanie der einzige echte Wiener, der in der Wiener Staatsoper als nobler Ballettprinz seine Chancen bekommen und mit all seiner harmonischen Natürlichkeit und spielerisch unaffektierten Bewegungsabläufen bestehen wird. Und die anderen Jungen im Aufgebot von Elfen, Zigeunern, Eisjungfern, Höflingen: Von allen mit Hingebung und stets den richtigen Akzentuierungen in den Details getanzt. Kein auf Glamour hinzielender, doch nicht nur für Ballettfreunde ein wertvoller Abend.

Meinhard Rüdenauer

 

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