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WIEN/ Volksoper: MÄRCHENWELT- Ballettabend

Kulturgut aus dem Norden und dem Morgenland

15.12.2018 | Ballett/Tanz

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Bildrechte: Wiener Volksoper

Ballettabend in der Volksoper: „MÄRCHENWELT“, 14. 12.2018: – Kulturgut aus dem Norden und dem Morgenland

Die Märchenwelt in den Wiener Bundestheatern könnte ruhig noch einige stärkere positive Poesieschübe vertragen. Immerhin, „Märchenwelt Ballett“ heißt es nun in der Volksoper mit der Wiederaufnahme für sechs Abende mit zwei Stücken, welche vor fünf Jahren von choreographierenden Mitgliedern des Wiener Staatsballetts mit den zu den Balletteinlagen in Staats- und Volksoper eingeteilten Tänzern geschaffen wurden. Man greift zurück, greift auf populär gebliebenes Kulturgut vergangener Tage zurück.

Choreograph Andrey Kaydanovskiy, von Moskau nach Österreich übersiedelt, hat nach alter nordöstlicher europäischer Kultur ausgeschaut: Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ wurden von ihm bruchstückhaft einer mit viel skurriler Pantomime durchsetzten Version von „Das hässliche Entlein“, frei nach Hans Christian Andersen, unterlegt. Kaydanovsky hat sich in seinen Ideen dem Tanztheater verschrieben, lässt Felipe Vieira als das kleine graue Schwänchen im Familienverband der puppigen gelben Entlein so manch Schrecksekunde  erleben. Una Zubovic als Mutter weist ihn hilflos ab, auch der aufgeblasene ‚Truthahn‘ Patrik Hullmann scheint nicht gerade nett zu sein. Und die Jungblechbläser des Orchesters werden sich ein bisschen mehr mit Mussorgski beschäftigen müssen, um Dirigent Alfred Eschwé betörender im Klangrausch zu unterstützen.

Hierauf geht es in „Tausendundeine Nacht“ weiter mit Blickrichtung auf kulturelle morgenländisches Erbe. Choreographin Vesna Orlic bedient sich der Scheherazade und Nikolai Rimski-Korsakows klang- wie phantasievoller Tondichtung, um im Palast des Sultans oder im Zelt des Wesirs der sich in reiner Liebe zu Sonnyboy Aladin (Alexander Kaden) hingebenden ätherischen Prinzessin Budur (Tainá Ferreira Luiz) und ihren strahlenden Freundinnen (Ekaterina Fitzka und Natalie Salazar) klassischen schönen Tanz mit einigem Orient-Touch vorführen zu lassen. Haremsdamen aber auch finstere kriegerische Gestalten runden ab. Eigentlich aber, Boris Eder als der ‚gute Geist‘, der auf der Bühne und im Zuschauerraum herumgeisternd mit vielen, vielen Worten und deftiger Mimik zu seinen Befindlichkeiten die einfache Geschichte pointierende Flaschengeist, darf hier das große Worte führen.

Meinhard Rüdenauer

 

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