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WIEN/ Volksoper: LA BOHÈME- auch schon ein Klassiker

28.09.2026 | Oper in Österreich

Wiener Volksoper: La Bohème (27.9.2026)

Auch schon ein Klassiker

bpo
Foto: Barbara Palffy/Volksoper

Harry Kupfers Bohème-Inszenierung, zum zweiten Mal in Lotte de Beers Direktion wieder aufgenommen, ist quasi die Antithese am Gürtel zu Zefirellis geliebtem Klassiker am Ring. Hier wird nicht illustriert – was ja auch magische Atmosphäre erzeugen kann –, sondern die prekäre soziale Lage, die Egoismen und Brutalitäten nach sich zieht, deutlich gemacht. Eine durchdachte, fesselnde Produktion seit den 1970er Jahren.

Nicht mehr ganz so oft wie zuletzt leitet Alexander Joel das häufig unterschätzte Volksopernorchester – und das ist nach dem Eindruck dieses Abends doch schade, denn es wird zwar manches doch lauter als nötig, aber es gibt hübsche Soli im Orchester und insgesamt eine völlig überzeugende Dynamik und Agogik.

Unter den Sängern interessiert vor allem Hedwig Ritter, vor drei Saisonen noch die (etwas grelle) Musetta, jetzt zur Mimi aufgestiegen. Sie spielt die Rolle recht gut, ihre wenig glamouröse Ausstrahlung passt perfekt und die Gesangsleistung imponiert: ordentliches Italienisch, viel Portamento an richtigen Stellen, bestens austarierte lyrische und dramatische Szenen. Sehr gute Mimis glänzen oft mehr im „Addio“ des dritten als im „mi chiamano Mimi“ im ersten Akt. Ritter zählt zu diesen und wird nur im vierten Akt gelegentlich zu scharf. Als Musetta ist diesmal Chelsea Guo am Werk und wenn man auch schon schillerndere und differenzierte Rollengestaltungen miterlebt hat, meistert sie die Aufgabe höchst anständig.

Außergewöhnlich Ohlenschlägers Doppelcameo Benoit und Alcindor mit viel Stimme und Persönlichkeit. Etwas mehr bei Stimme als Persönlichkeit die Bohèmiens: Alexander Fritze, Volksopernbass vom Dienst als Colline, Pablo Santa Cruz als nicht überzeichneter Schaunard und Trevor Haumschild-Rocha als hier recht brutal gezeichneter Marcello bilden ein braves Ensemble. Und JunHo You ist ein Haustenor im besten Sinn. Verlässlich mit einer metallischen Tenortrompete, die wenig Farben, aber ordentliche dynamische Abstufungen aufweist. Nur sein „speranza“ kam hörbar zu tief, sonst alles – wie schon gesagt – verlässlich.

Repertoire, nicht Gala. Warum nicht? An solchen Abenden misst sich die Qualität eines Hauses. Die war schon weniger gut als derzeit.

Robert Fucik

 

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