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WIEN/ Volksoper: LA BOHÈME

10.10.2026 | Oper in Österreich

WIEN / Volksoper     9.10.2026:  „LA BOHEME“

boh
Copyright: Wiener Volksoper

     Bereits die 174.Vorstellung war es, in der bereits legendären Harry Kupfer Inszenierung, die am 8. Juni 1984 Premiere hatte! Wien hat mit der Zeffirelli Produktion am Ring, die noch 21 Jahre mehr am Buckel hat, den Luxus gleich zwei exemplarische Interpretationen dieser wunderbaren Puccini – Oper anbieten zu können! Möge das noch möglichst lange so bleiben! Speziell bei der „Ausrichtung“ der momentanen Volksopern-Direktion wäre eine „Aktualisierung“ und zumindest ein „Pantscherl“ zwischen Mimi und Musetta zu befürchten.

     Interessanterweise war am Programmzettel zwar – per Sternchen – vermerkt, dass der Dirigent des Abends, Michael Papadopoulos, sein „Rollendebut an der Volksoper“ Wien feierte, beim Rodolfo, Jenish Ysmanov, der überhaupt zum ersten Mal im Haus am Währinger Gürtel zu hören war, fehlte hingegen jeglicher Hinweis.

     Erstgenannter sei deshalb mit Milde beurteilt: nach zwei lauten, eher undifferenziert und poesielos heruntergedroschenen Akten gelang es ihm dann nach der Pause schon besser und speziell im Schlußakt hatte er die notwendige Balance zwischen Bühne und Graben (sehr solide das Orchester der Volksoper Wien) dann heraussen. Weit weniger „Anlaufzeit“ benötigte der aus Kirgistan stammende Tenor Jenish Ysmanov, der bereits bei seinem „Che gelida manina“ gut mit der Akustik des Hauses zurecht kam und mit einem strahlenden „C“ aufwarten konnte, was einen – der nur zwei – Zwischenappläuse „provozierte. In der Folge strahlte sein dunkel timbrierter „lirico“, der in den Höhen richtig aufgeht mühelos – zusammen mit seinem sehr engagierten, natürlichen Spiel ein echter Gewinn, den man gerne wiederhört! Bestens harmonierte er mit dem patenten, sympathischen Daniel Schmutzhard, der mit voluminösem Bariton einen ausgezeichneten Marcello abgab. Mira Alkhovik s Sopran flackerte im ersten Akt noch gewaltig, hatte zum Teil ein störendes Vibrato, das sie aber dann in den Griff bekam und für „Donde lieta“ den verdienten Applaus erhielt, den ihr das Publikum nach „Mi chiamano Mimi“ noch versagte. Die offensichtlich noch sehr junge Sopranistin wird in den nächsten Vorstellungen sicher wachsen, war auch um eine berührende Rollengestaltung bemüht. Die weiteren Bohemiens waren allesamt zufriedenstellend: sei es Alexander Fritze als Colline, Smelo Mahlangu als Schaunard sowie über die Bühne wirbelnd Jaye Simmons. Luxuriös der Parpignol mit Gustavo Quaresma.  Chor, Kinderchor und Zusatzchor der Volksoper waren mit hör – und sichtbarer Freude bei der Sache. Das Publikum reagierte am Ende mit starkem, durchaus differenziertem Applaus und schien sehr zufrieden!                                                         

Michael Tanzler

 

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