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WIEN/ Volksoper: KÖNIG KAROTTE. „Jetzt regiert das Gemüse!“

Faszinierend!!! Unbedingt ansehen!!!

27.10.2020 | Oper in Österreich

Volksoper:

26.10.2020: „König Karotte“ –  Faszinierend!!! Unbedingt ansehen!!!

„Jetzt regiert das Gemüse!“

Eine unübertreffliche Mischung aus Satire, Oper, Operette, Musical, komische Märchen- und Zauberoper, die am 15. Jänner 1872 am Théâtre de la Gaîté in Paris uraufgeführt wurde, schenkt die Wiener Volksoper, in Kooperation mit der Staatsoper Hannover, ihrem begeisterten Publikum als besonderen Leckerbissen!

Jacques Offenbachs Meisterwerk mit dem Originaltitel „Le Roi Carotte“ mit dem französischen Text von Victorien Sardou und in der deutschen Übersetzung von Jean Abel, ist ein zündendes Spektakel, das einem von einer Szene zur nächsten immer noch mehr staunen lässt. Zumeist befinden sich mehr als 200 Personen auf der Bühne und präsentieren schmissig, bestens durchorganisiert, pointiert inszeniert und meisterhaft gestaltet, Offenbachs musikalische Phantasien mit dem köstlich gereimten, vielfach sehr aktuellen Text.

Guido Mancusi lenkt bravourös den „Riesenapparat“ und genießt sichtlich seine Aufgabe,  ein so außergewöhnliches und herausforderndes Werk dirigieren zu können. Das hervorragende Orchester der Wiener Volksoper, das mit Guido Mancusi einen fein detaillierten, humorvollen und brandaktuellen Offenbach herausgearbeitet hat, wird für diese Produktion bestens und tatkräftigst vom Bühnenorchester der Wiener Staatsoper unterstützt.

Die punktgenaue und feinst durchdachte Regie von Matthias Davids verdient größte Bewunderung. Sämtliche darstellenden Personen werden sowohl einzeln wie auch in den großen Ensemble-Szenen mit Chor penibelst genau charakterisiert. Auch der Zuschauerraum, die Logen sowie der Orchestergraben werden immer wieder in die Inszenierung mit einbezogen. Das „Gemüse“ marschiert durch den Zuschauerraum in die Szene.

Großartig und ideenreich das Bühnenbild und die Projektionen von Mathias Fischer-Dieskau. Effektvoll die Kostüme von Susanne Hubrich. Hervorragend die Choreographie von Kati Farkas. Das Licht von Michael Grundner intensiviert den grandiosen Gesamteindruck dieses exzeptionellen Bühnenereignisses.

Ausgezeichnet der vielfach eingesetzte Chor der Wiener Volksoper unter der Choreinstudierung von Holger Kristen.

Am Beginn vor dem Beginn treten die einzelnen Darsteller noch vor den geschlossenen Vorhang und suchen scheinbar ihren angestammten „Platz“ in dieser Inszenierung. Das Publikum wird wie selbstverständlich mit einbezogen. Der Vorhang öffnet sich und das ganze Ensemble präsentiert sich wie zum Schlussapplaus und verbeugt sich. Die Souffleuse – Rita Oberparleiter– stürmt auf die Bühne und nimmt ihren Platz in der goldenen Souffleur-Muschel ein. Dann geht’s los. Die Musik setzt ein und eine sensationelle Show beginnt!

Carsten Süss – Fridolin der 24., Prinz von Krokodyne – fasziniert mit einem vollmundigen, präsenten Spinto-Tenor sowie herrlich komödiantischem Charakter und wird somit zu einem wohlverdienten Mittelpunkt des Abends. Manuela Leonhartsberger – Robin, ein guter Geist – macht akzentuiert, lebendig und stets authentisch ihren positiven Einfluss geltend.

Elisabeth Schwarz – Rose-du-Soir – sehr hübsch sowohl stimmlich wie auch als Person wird zur großen Sympathieträgerin der Geschichte.

Anja-Nina Bahrmann – Prinzessin Kunigunde – zeichnet ein himmlisch schräges und schrilles Bild dieser „Party-Prinzessin“ und typischen „Society-Queen“. Brilliant!

Markus Park – König Karotte – vollbringt eine grandiose Meisterleistung in dieser anspruchsvollen Rolle mit der “ Karotten-Maske“, sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch. Christian Graf – Hexe Kalebasse/Zauberer Quiribibi – überwältigt als „böse“ Transvestiten-Hexe und Zauberer mit feinsten Nuancen sowie „beißenden, süffisanten“ Zwischentönen.

Marco Di Sapia – Pipertrunck, Polizeichef – serviert bravourös seine Couplets, die, dem Offenbach‘schen Ouevre eigen, stets auch aktuelle politische Bezüge dokumentieren und das jeweilige Tagesgeschehen reflektieren (Text Zusatzstrophen: Meyer/Wagner-Trenkwitz/Weber).

Yasushi Hirano als Truck, Schwarzmagier, fesselt mit seiner „fremdartigen“ Erscheinung und Sprache, diesen Rollen entsprechend, sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch. Martina Dorak, bezaubert als Corinne und imponiert als Brigadeführerin der Ameisen mit einem schallenden „Brünnhilden-Hojotoho!“

Gernot Kranner als Herold/Pompejischer Händler, Jeoffrey Treganza als  Brigadier/ Megadore begeistert mit Witz, Humor sowie kraftvollen Tönen.

Originell, präsent und souverän: Christian Drescher als  Baron Koffre/SChatzmeiser/Pyrgopolyneikis,  Jakob Semotan als  Marschall Track, Schlachtenmeister,  Josef  Luftensteiner als Graf Schopp, Geheimrat, Daniel Ohlenschläger als Dagobert, ein Student,  Renate Pitscheider als  Marschallin Track/Echo,  Sulie Girardi als Madame Pipertrunck, Elvira Soukop als Gräfin Schopp/ Baronin Koffre/ Christiane, eine Studentin,  Gernot Kranner als Pompejischer Händler,  Andreas Mitschke als Psitt, Kammerherr/ Carion/ Polizist,  Klaudia Nagy als Médulla/ Bürgerin von Krokodyne, Stefanie Mayer als Lepida/ Bürgerin von Krokodyne, Susanne Litschauer als Drusille/ Händlerin. Sie alle waren ausgeprägte Charaktere!

Hinreißend der Tänzer Konstantin Oberlik als Affe, dessen scheinbar grenzenloser Beweglichkeit größte Hochachtung gebührt.

Herzerwärmend Jonas Voill als Kleiner Zauberer.

Ein großes Lob auch an die Komparserie und Kinderkomparserie der Wiener Volksoper.

 

Alles in allem: ein einzigartiges, hinreißendes musikdramatisches Wunderwerk voll köstlicher Gegenwartsbezüge, das man gesehen haben muss!

Marisa Altmann-Althausen

 

 

 

 

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