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WIEN/ Volksoper: IM WEISSEN RÖSSL. Glanzvoller Auftakt mit Benatzkys Singspielklassiker

07.09.2015 | Operette/Musical

WIENER VOLKSOPER: IM WEISSEN RÖSSL: Glanzvoller Auftakt mit Benatzkys Singspielklassiker, Volksoper 6.September 2015

Unbenannt
Sigrid Hauser, Daniel Prohaska. Foto: Barbara Palffy/ Volksoper
 
   So macht Operette Spaß! Spektakulär und mit viel Ideenreichtum gelang es Josef E.KÖPPLINGER eine Produktion in Szene zu setzen, die alle Erwartungen übertraf. Bewundernswert auch seine Personenführung, bei der jede Figur bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist und letztendlich auch in den kleineren Rollen an Bedeutung gewann. Ein wahrer Augenschmaus ebenso auch Bühnenbild und Kostüme von Rainer SINELL, der mit viel Liebe zum Detail landschaftliche Motive mit buntschillernden Trachten harmonisch abgestimmt hatte. Alpenländliche Atmosphären neben Heimatfolklore entpuppen sich hier als praller Bühnenspaß, voller Tempo, Ironie und doppelbödigem Kitsch. Köpplinger setzt auf die Inszenierung der 1930er Jahren und reißt das Publikum unweigerlich in ein turbulentes Urlaubsabenteuer. Er lässt die Urfassung wieder aufleben, und das mag wohl das Geheimnis seines Regiekonzeptes gewesen sein, dass die Premiere an der Volksoper vom Publikum begeistert angenommen wurde. Diese Revue – Operette „Im weißen Rössl“ in der dramaturgischen Bearbeitung von Christoph WAGNER-TRENKWITZ setzt nicht auf dramaturgische Experimente sondern ist dem Ursprung des Werks treu geblieben. Natürlich wurden einige Gags in Kooperation mit Regie neu überdacht und eingebaut, aber das gab der gesamten Inszenierung eine gewisse Würze. Ansonsten hielt man sich hier an den Originaltexten, und was hätte man an diesem perfekten Libretto und auch an den Dialogen groß verändern sollen, da schon von Haus aus die Pointen, wenn richtig gesetzt, einen absoluten Knalleffekt bewirken.

 Dazu kommt die Glanzleistung des gesamten Ensembles. Eine spielfreudige Besetzung die für überraschende und spannende Momente sorgte. Sigrid HAUSER als gestandene „Rössl“ Wirtin entsprach nicht nur den idealen Typus einer Josepha Vogelhuber, sondern überzeugte auch darstellerisch wie gesanglich. In der Rolle des Zahlkellners Leopold Brandmeyer (Daniel PROHASKA) hätte man sich keine bessere Besetzung als Spieltenor wünschen können. Sein schauspielerisches und gesangliches Können gab der Rolle das richtige Profil, um überzeugend über die Rampe drüber zukommen. Mit typisch deutschem Witz agierte Bernd BIRKHAHN als Wilhelm Gieseke aus Berlin – als Original mit Herz und Schnauze provozierte er einige Lachstürme. Eine stimmlich ausgezeichnete Ottilie war Mara MASTALIR, diese Rolle wird  oft stiefmütterlich behandelt. Hier kam sie auch in der Darstellung voll zur Geltung. Carsten SÜSS als Dr. Otto Siedler, souverän gespielt als idealer Pedant zu Ottilie, zeigte nicht nur Spielfreude, sondern auch stimmliches Niveau. Herrlich komisch waren als lispelndes Klärchen Juliette KHALIL und Markus MEYER als Sigismund Sülzheimer. Professor Hinzelmann (Hans Dieter KNEBEL) und auch Helga PAPOUSCHEK gleich in 2 Rollen (Fräulein Weghalter/Mrs.Portsmith) sorgten für unvergleichbaren Operettenspaß.

 Zu erwähnen wäre noch Simon FISCHERAUER (Piccolo), Sophie AUJESKY (Kathi, Briefträgerin) und der diesmal ausgezeichnete Chor und Kinderchor der Wiener Volksoper. Tänzer als buntgefleckte und tanzende Kühe sind ein weiterer Gag in den heiteren Szenenabläufen. Wo auch das Ballett unter der Choreographie von Karl Alfred SCHREINER unterhaltsame Akzente setzt. Natürlich nicht zu vergessen „unser Kaiser“,  der mit seinem berühmten Ausspruch „es hat mich sehr gefreut“ souverän und mit einer gewissen Rührseligkeit von Wolfgang HÜBSCH gespielt wurde. Begleitet von seinem Kammerdiener Ketterl (Franz SUHRADA) blieb auch dem Kaiser in dieser Inszenierung nichts erspart. Mit Sorgfalt wurden hier viele kleine Rollen ausgearbeitet, die oft sogar in anderen Inszenierungen gestrichen werden, weil sie so gar nichts hergeben. Doch Köpplinger versteht es, Charaktere herauszuarbeiten, die der gesamten Inszenierung einen besonderen Schmiss geben. Gastdirigenten Michael BRANDSTÄTTER entfachte mit dem Volksopernorchester ein wahres Feuerwerk, Der Maestro bewies auch eine gute Führung der einzelnen Solisten.

 Unterhaltung pur und ein opulentes Bühnenspektakel sind ein Garant für einen weiteren Dauerbrenner an der Wiener Volksoper. Denn diese Produktion ist eine der besten Inszenierungen, die in letzter Zeit an der Wiener Volksoper gezeigt wurde.

Manuela Miebach

 

 

 

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