Wien/ Volksoper. HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

Copyright: Volksoper/ Marco Sommer
7.6.26 „Hoffmanns Erzählungen“, Volksoper, „Enttäuschende Premiere“
Jaques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ galt die letzte Premiere der laufenden Saison an der Volksoper. Der Gesamteindruck war wenig verheißungsvoll: musikalisch mäßig, szenisch karg – sozusagen ein Hoffmann auf „Entziehungskur“.
Die letzten beiden „Hoffmann“-Produktionen an der Volksoper liegen noch gar nicht so lange zurück: 2007 sorgte die Inszenierung von Peer Boysen beim Premierenpublikum für einigen Unmut, 2016 haben das Produktionsteam Renaud Dudet und André Barbe eine schwungvollere, etwas anrüchig „varieteartig-operettige“ Lesart geboten. Dieses Mal hat sich Lotte de Beer, die Direktorin des Hauses, auf den „Hoffmann“ eingelassen und wie schon zuletzt beim „Figaro“ eine ihrer Regiearbeiten von auswärts nach Wien geholt.
Lotte de Beer und ihr Dramaturg Peter te Nuyl haben die Beziehung von Hoffmann zu seiner Muse in den Mittelpunkt gestellt und mit neu geschriebenen Dialogen „bereichert“. Die deutsch gesprochenen Dialoge (gesungen wurde in französischer Sprache) zielten nicht nur auf die Heilung eines bei Hoffmann diagnostizierten pathologischen „Liebeswahns“ und Narzissmus, sondern sie kommentierten auch die Handlung. Auf diese Weise wurde eine „Metaebene“ eingezogen, die der Inszenierung gar nicht gut bekommen ist: Wenn Hoffmann und die Muse parlieren, senkt sich eine schwarze Zwischenwand herab, die die Bühne abschließt, und den beiden bleibt nur mehr ein schmaler Streifen an der Rampe vor dem Orchestergraben, den sie bespielen können. Und weil die beiden viel zu bereden haben, kommt diese Wand dementsprechend oft zum Einsatz – viel zu oft.
Kaum hat man sich in die Handlung eingefunden, sei es bei Olympia, Antonia oder Giulietta, schon gibt es wieder einen „Zwischenvorhang“, und Hoffmann und Muse suchen die Rampe und führen Dialog. Das stört mit der Zeit gewaltig, auch wenn man den Bestrebungen der Muse, Hoffmanns künstlerische Inspiration zu wecken, Sympathie abgewinnen kann. Aber der Handlungsfluss wird durch diese willkürlich anmutenden Unterbrechungen zerstückelt und zerstört. Wo Hoffmanns alkoholgeschwängerte Phantasie mäandern und das Publikum mitreißen sollte, hat das Regieteam alle paar Minuten eine „Staumauer“ hingeklotzt.
http://www.operinwien.at/werkverz/offenbach/ahoffm9.htm
Dominik Troger/www.operinwien.at

