Volksoper: „Die Piraten von Penzance“ – nur locker hinein ins Absurdistan! (27.3.2026)

Foto: Wiener Volksoper/Barbara palffy
Was fangen wir hier mit diesen Piraten an? Die sind doch nur Weicheier …. Aber Vorsicht! Auf dem Programmzettel ist zu lesen: Der skurrile Piratenkönig ist eine Dame. Sein singender Leutnant ebenfalls weiblichen Geschlechts. Und am Pult steht eine durchaus versierte Dirigentin: Chloe Rooke. Bitte, sagen wir lieber: Sehr charmant, sehr charmant, sehr bizarr was hier einen Abend lang in einer total absurden Komödie an tollem Unsinn vorgeführt wird.
Zurück ins London des 19. Jahrhunderts, 1879 im Savoy Theatre. Die singfreudigen und sarkastisch kommentierenden Engländer erfreuen sich der zahlreichen – 14 sind es gewesen, die Besten echte Hits – comic operas / sagen wir lieber: Operetten / des am Ende doch zerstrittenen Erfolgsduos Arthur Sullivan (romantisch verbrämte Musik) und William Gilbert (Libretto und pointenreiche Texte der Songs). Durfte man damals so wahnwitzig auf der Bühne herumtoben? Nun, sie sind doch Weicheier, diese Piraten von Penzance an der Küste Cornwalls. Und wenn man sie richtig anzupacken versteht, wie es dem britischen Regieduo Spymonkey geglückt ist, dann darf der Zuseher in einem schon überaus bunten, äußerst merkwürdigen Absurdistan abtauchen.
Die Spymonkeys haben vor ein paar Jahren bei ihrer Annäherung an Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ in der Volksoper ein eher mulmiges Gefühl hinterlassen. Doch nun, nach England hinüber gewechselt, wird überbordende Komödiantik in bester britischer Manier vorgeführt. Völlig geglückt ist es das Ensemble der Volksoper, Solisten wie den Chor, in top, top Spiellaune zu navigieren. Mit Charme, vielen skurrilen wie überraschenden Einfällen, Blödeleien, unablässigem Spaß an tänzerischen Abläufen. Auch eine Rahmenstory mit Anspielungen an manch Operetten-Problem im Haus schafft die so ungemein lockere Atmosphäre.
Die Handlung: So etwas wie nichts. Die Schar der Piraten vertreibt sich blöd die Zeit, der Piratenlehrling Frederic sucht nach neuen Ufern, und die vielen am Strande scharwenzelnden Chordamen sind die gut gelaunten Sprösslinge eines schwer abgetakelten Generalmajors. So begegnen wir etwa: Katia Ledoux als Chef der Piraten,Timothy Fallon als Frederic, Johanna Arrouas als Frederics liebevolle Betreuerin, und das aufdringliche Töchterlein ‚Marbel‘ Nicole Chévalier packt sich den abtrünnig gewordenen Jungpiraten. Auch Polizisten in heutiger Österreich-Montur werden zu Hilfe geholt. Und was wäre dazu noch zu sagen: Reinster Irrwitz entfaltet sich auf der so schön knallbunten Bühne. Eine perfekte Show ist zu erleben. Und ein guter Tip: Wer sich unbeschwert in diesen Nonsens hineinfallen lässt, der wird hier echt gut bedient.
Meinhard Rüdenauer

