Wiener Volksoper: Eine Entführung zu Mozart-Musik …. wohin!

Daniel Kluge (Pedrillo), Timothy Fallon (Belmonte). Foto: Wiener Volksoper/Barbara Palffy
Regenbogenparade! Pride! Alles … ja, alles ist in diesen Tagen des fünffarbigen Regenbogens in Wien erlaubt! Nicht so ganz: Das Orchester der Wiener Volksoper hat sich gesträubt, Mozart unter dem nach Wien geholten offensichtlich Klassik-unbedarften Dirigenten zu musizieren. Ein anderer, besserer …. auch nichts? Dirigent Alfred Eschwé, der zur verstoßenen früheren Volkopern-Garde zählt, hat als akzeptierter Einspringer die Musiker schlussendlich zu einem vom Publikum bedankten „Entführungs“-Erfolg geführt.
Regenbogen-Stolz: Solch einer tendiert heute nicht so unbedingt in Richtung Schönheit. Bisschen bunt, nicht singend, mehr schreiend und eher arglos verführt in psychische Regionen vorgetastet. Ohne Flair und Elegance. Auch die Wiener Stadt- & Parteien- & Wändebeschmierungs- & Festwochenkultur hat da sehr wohl ihre Balance verloren. Es ist wie es ist. Und somit folgsam Regisseur Nurkan Erpulat in ein nüchternes, in ein von keiner strahlenden Sonne erwärmtes türkisches Serail gefolgt – groß vor unseren Augen: eine halbleckere, eine aufgeschnittene riesige Erotik-Feige. Drohende Erdogan- oder gar Wagner-Soldaten erwarten uns dort, und der offensichtlich vereinsamte Souverän Selim – bürgerlich Murci Seven – hält (etwas verunsichert?) eine auf die aktuelle Weltkrise bezogene überlange Schlussansprache. Es ist wie es ist, nicht so gerade übermäßig lustig.
Der Diversität entsprechend, wie auch immer, passen sie hier nicht so besonders zusammen, der sich arg täppisch einschleichende Belmonte, die schrille Blonde und der untertänig schwirrende Pedrillo. So auch die kaputt herumschleichenden merkwürdigen Serail-Geschöpfe. Klar als Publikumslieblinge profilieren können sich Rebecca Nelsen als Konstanze mit ihren Koloraturen und der weiße ‚Osmin‘ Stefan Cerny mit seinem ordentlichen Bass.

Murcat Seven (Bassa), Rebecca Nelsen (Konstanze). Foto: Wiener Volksoper/Barbara Palffy
Wohl schade, dass die Volksoper diesmal nicht ausgezogen ist, um auf der Ringstraße den jungen Parade-Menschen zu deren Pride-Glücksgefühlen anstatt dem stundenlang anzuhörenden Bumbum&Bumbum&Bumbum&Bumbum auch die Veredelungskunst des Wolfgang Amadeus Mozart näher zu bringen. Es ist wie es ist.
Meinhard Rüdenauer

