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WIEN/ Volksoper: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER. Premiere

Warum?

10.03.2019 | Oper

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Copyright: Wiener Volksoper/Johannes Ifkovits

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – Premiere Volksoper am 9.3.2019

(Heinrich Schramm-Schiessl)

Warum? Warum setzt man in der Volksoper wieder einmal ein Werk auf den Spielplan, dass ohnehin im Repertoire der Staatsoper vertreten ist, auch wenn man es die letzten vier Jahre dort nicht gespielt hat. Offenbar wollte es Direktor Meyer einem seiner Vorgänger – Nikolaus Bachler – gleichtun und zum 120jährigen Jubiläum des Hauses – so wie dieser zum 100-Jahrjubiläum – unbedingt eine Wagner-Oper in den Spielplan nehmen. Waren es 1996 die „Meistersinger“, so ist es diesmal der „Holländer“. Ich glaube, es wäre interessanter gewesen, bei dieser Gelegenheit auf eines der nicht bayreuthkonformen Werke. wie z.B. „Das Liebesverbot“ oder „Die Feen“ zurückzugreifen.

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Meagan Miller. Foto: Barbara Palfffy/ Volksoper

„Warum“ fragte man sich dann auch die gesamte pausenlose Aufführung hindurch. Gewiss, sie war ordentlich, aber nicht mehr. Das Orchester unter der durchaus engagierten Leitung von Marc Piollet bemühte sich,  schien aber mit diversen Feinheiten der Partitur doch seine Mühe zu haben.. Das vom Dirigenten angeschlagene Tempo war in Ordnung, aber es fehlte natürlich der bei Wagner so wichtige große Bogen. Die Sänger bemühten sich alle redlich, ohne wirklich zu beeindrucken. Markus Marquardt als Holländer ist Wagner-erprobt und sang mit kräftiger Stimme, die allerdings immer wieder zum Vibrato neigt. Am Schluss machten sich dann auch gewisse Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Darstellerisch war er routiniert. Meagan Miller als Senta sang, solange sie auf Linie singen konnte, durchaus annehmbar, in den dramatischen Ausbrüchen und ganz besonders am Schluss merkte man aber sehr deutlich ihre Grenzen. Darstellerisch blieb sie eher blaß. Tomislav Muzek sang den Erik mit gut geführter Stimme, die allerdings in der Höhe relativ eng wird. Von der Gestaltung her war er wie so viele Interpreten dieser Rolle wenig inspiriert. Stefan Cerny hat an sich eine durchaus interessante Stimme, nur glaubte er als Daland unbedingt lauter als alle anderen sein zu müssen. Darstellerisch blieb er eher unauffällig. Martina Mikelic ließ als Mary einen schönen Mezzo hören und wurde darstelleisch von der Regie zur strengen Gouvernante genötigt – doch davon später. JunHo You war als Steuermann bemüht. Sehr gut der von Holger Kristen einstudierte Chor.

Die Inszenierung von Aron Stiehl war zwar kein Ärgernis, aber sie folgte brav dem Kanon der modernen Opernregie. Das begann schon damit, daß die Ouvertüre optisch unterlegt wurde –fast 11 Minuten nur Musik darf offenbar nicht sein – und setzte sich den ganzen Abend über fort. Natürlich gab es keine Schiffe, sondern das Ganze spielt in einem Einheitsraum (Bühnenbild: Frank Philipp Schlößmann), der für die einzelnen Szenen geringfügig geändert wird. Der erste Aufzug spielt in einem Warenlager – Bayreuth lässt grüßen – und Daland ist offenbar ein Kaufmann.

Im zweiten Aufzug – eine Stube im Haus Daland, in dem verschiedene Meeresbilder herumstehen – gibt es natürlich keine Spinnräder, sondern die Mädchen haben eine Chorprobe unter Marys Leitung, die hier eine gestrenge Gouvernante ist, die einmal eine Choristin in die Ecke stellt und eine andere mit einem Lineal schlägt. Dazu stampft sie mehrfach mit dem Fuß auf. Da nicht gesponnen wird, mußte man auch an zwei Stellen den Text ändern, nämlich statt „Ei fleissig, fleissig! Wie sie spinnen!“ und bei „Du böses Kind, wenn Du nicht spinnst“ heisst es jeweils „singen“ bzw. „singst“. Bei der Szene Holländer-Senta wird dann der Hintergrund geöffnet und gibt das Meer frei.

Der dritte Aufzug spielt dann in einer Art Halle und der unheimliche Chor der Holländer-Mannschaft wird lediglich durch rotes Licht unterstützt. Am Ende wiederholt sich dann die Szenerie der Ouvertüre mit dem wieder im Hintergrund erscheinendem Meer.

Eine Personen- bzw. Chorführung ist kaum festzustellen und die vom Regisseur in einem Interview im „Presse-Schaufenster“ erwähnten Seelenräume habe zumnindest ich nicht bemerkt. Zeitlich – und das spiegelt sich vor allen Dingen in den Kostümen Franziska Jaobsens wieder – ist die Inszenierung in den 50er-Jahren angesiedelt, denn Stiehl wollte die Enge, Intoleranz und Spießigkeit dieser Zeit auf die Bühne briungen – auch nicht unbedingt etwas Neues.

Am Ende sehr zögerlicher Applaus und schaumgebremster Jubel für Sämger und Dirigent und einige Buhs für das Regieteam.

Als man das Haus verließ, fragte man sich noch immer „warum“…..

Heinrich Schramm-Schiessl

 

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