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WIEN/ Volksoper: Das Wiener Staatsballett und sieben bravouröse Etüden

19.12.2022 | Ballett/Tanz

Volksoper: Das Wiener Staatsballett und sieben bravouröse Etüden (18.12.22)

Tänzerisch durchgehend überzeugend! An choreographischen Fähigkeiten mangelt es diesen sieben TänzerInnen des Wiener Staatsballetts nicht, welche für nur zwei Aufführungen in der Volksopern-Serie ‚Plattform Choreographie‘ ihre kurzen Tanzstücke präsentieren durften. Gute Tänzer, überzeugende als Darsteller, erfreuliches junges Leben. Doch einmal mehr ist als ein Beispiel heimischer Kulturprobleme wie der personellen Unbeholfenheit der Österreichischen Bundestheater und Beamtschaft zu erleben: Alle der sieben Kreativen sind aus Nachbarländern oder Israel, den USA nach Wien gekommen – dies muss wohl heißen, dass die Ausbildung, die künstlerische Förderung der heimischen Jugend, die Betreuung des eigenen Nachwuchses in den letzten Jahrzehnten so ziemlich daneben gegangen ist. Das Versagen in der Kulturpolitik quer durch die Parteienlandschaft für einen gesunden Eigenbau ist nicht nur hier deutlich zu verspüren.

Mit „Red Riding Hood“ (Choreograph: László Benedek) hat das Programm ziemlich rätselhaft begonnen, mit „Like A Dog With Two Tails“ (Gabriele Aime) hat es erfrischend heiter geendet, dazwischen „Wanted“ (Trevor Hayden) oder „Fall No Further“ (Tessa Magda) oder „Shadows“ (Adi Hanan). Auch „sen 0815″ (Martin Winter) dürfte kein allzu gebräuchliches Deutsch sein. Diese kurze Etüden (doch manches ist auch um einiges zu lang geraten) waren in ihrer Stilistik durchaus unterschiedlich, sind aber den Trends und den Aussagen der aktuellen Tanzsprache gefolgt. Beherrscht wird der Bewegungsfluss, die erwünschte Aussage ist in der Beschränkung in Episoden nicht immer klar gegeben. Zumeist bleibt die Bühne dunkel, Strahlendes scheint nicht gefragt. Die Musik insgesamt: gut passend dahinfließend, nicht allzu ergreifend, ohne Tiefenwirkung. Als einziger Klassiker wurde Johann Sebastian Bach gebeten. Wenigstens drei Namen der ambitionierten feinen TänzerInnnen: Sveva Gargiulo, Sarah Branch, Iliana Chivarova. Besucher der Matinee: wenige, doch von den Leistungen durchaus zufrieden gestellte.

Meinhard Rüdenauer

 

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