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WIEN/ Volksoper: COPPÉLIA – Wiener Staatsballett

Liebliche "COPPÉLIA" im Retrolook

07.02.2019 | Ballett/Tanz


Maria Yakovleva. Copyright: Ashley Taylor

Wiener Staatsballett in der Volksoper, 6.2.:

Liebliche „COPPÉLIA“ im Retrolook

Als ein künstlerisch übermäßig phantasievolles Kreativ-Institut wird die Wiener Volksoper ja nicht eingestuft. Somit scheint die um einigermaßen historische Nachgestaltung – bitte, so gut dies heute überhaupt möglich sein kann – bemühte Einstudierung von Léo Delibes „Coppélia“, 1870 in Paris uraufgeführt, durchaus passend in das Haus. Frisch nach der erfolgreichen Premiere Ende Jänner kann dieses Romantik-Ballett das Publikum auch im Repertoire ansprechen.

In erster Linie: Es ist der unaufhörliche Melodienrausch des Léo Delibes, welches dieses mit viel kraftvoller Folklore garnierte arglose Spiel mit ländlichem Jungvolk und automatischen Puppen zu einem der großen Klassiker der Ballettliteratur in spätromantischem Ballerinenglanz verholfen hat. Und die Musik ist es, welche auch heute die simple Geschichte trägt. Diese Retrolook-Version des französischen Senior-Choreographen Pierre Lacotte aus dem Jahr 1973 ist nun nach Wien weitergereicht worden. Kann auch gefallen. Auf alt gestylt, pantomimisch ausführlich erzählend, doch so ganz ohne Spannungen in drei Akten aufzubauen. Feines Rollendebüt an diesem Abend für Maria Yakovleva als Swanilda: Sensibel, charmant und spielerisch dominierend in dieser dankbaren Hauptrolle. Rundum fügt sich alles harmonisch, vielleicht auch etwas zu brav, unpersönlich: Denys Cherevychko als Partner und eine gewohnt saubere Leistung der Kompanie. Gelegentlich kamen etwas rauhere Töne aus dem Orchestergraben – genügend Proben dürften Simon Hewett, erster Dirigent des Hamburg Ballet, nicht zugestanden worden sein.

Meinhard Rüdenauer 

 

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